Kultur haben, oder Kultur machen? Der Künstler, nicht nur unserer Zeit, sieht sich immer wieder bohrenden Fragen seiner Kritiker ausgesetzt. Wobei der Kritiker an der Kultur seinerseits das gleiche Problem hat, will er denn ernst genommen werden, was letztendlich der Begehr beider Protagonisten ist. Der kultivierte Mensch, als derjenige, der im Sinne des Wortes seinen Geist pflegt, stellt sich zu aller erst die schnöde Frage nach den Kosten des Ganzen.

Dieser nicht unerhebliche monetäre Faktor bestimmt sowohl das Verhalten des Kritikers als auch das des Kulturschaffenden. Der Preis erhöht den Wert des Erschaffenen und der freie Marktschreier sichert den Umsatz. Ist der Markt gesättigt, fallen die Preise und der Künstler muss sich was Neues einfallen lassen. Gerne werden Landschaften, Boote, nackte Frauen oder heimische Gebäude genommen – das versteht der Käufer und Kritiker auch ohne Bedienungsanleitung.

Schwieriger wird das mit so genannten abstrakten Themen, die ohne überprüfbare Technik auskommen. Der Käufer will ja keine Katze im Sack erwerben, sondern auch den akademischen Wert seiner Entscheidung an die Wand hängen. Ein gut lackierter Kotflügel im Vergleich hat es da besser, braucht er doch keinen Rahmen oder eine datierte Signatur. Wenn wieder mal die Tiefgaragenausfahrt ins Auto gesprungen ist, bezahlt doch jeder gerne für die Tilgung dieser Schmach. Gerne wäre ich Autolackierer geworden, allein meine teilhumanistische Erziehung hält mich davon ab, vom Schaden Anderer zu leben.

Etwas irritiert verfolge ich deshalb die Diskussion der Kulturschaffenden und solcher, die es werden wollen, in meiner Heimat. Der Kulturherbst hat die Stadt rund 19 000 Euro gekostet. Das bedeutet im Vergleich zu früher eine Verdoppelung der Ausgaben bei einem deutlichem Mehr an Veranstaltungen. Der Betriebswirtschaftler nickt und die heimische Wirtschaft freut sich – wo also liegt das Problem?

Wer zu lange in seinem eigenen Saft schmort, dem kann ein befruchtender Aufguss von Außen nicht schaden, bemerkte sinngemäß unser Bürgermeister Thomas Herker in der letzten Kulturausschusssitzung. Drei Kulturbeauftragte teilen sich in Pfaffenhofen die zu beackernden Felder, kultivieren und ackern ehrenamtlich, größtenteils ihrem Mandat folgend. Da kommt schon mal fremdländische Kost mit unbekannten Gewürzen auf den Kulturtisch. Wenn das kulinarische Kunsterlebnis dann auch noch von großzügigen Sponsoren gegenfinanziert wird, steht doch dem Genuss nichts mehr im Wege.

Etwas mehr Transparenz beim Einkauf für die Kunstküche wünscht sich zwar die konservative Opposition, ist aber letztendlich mit dem neuen Angebot sehr zufrieden. Mehr heimische Kost von hiesigen Vereinen soll das auch heißen, etwas was der Kunde kennt, sonst speist er womöglich nicht? Da bin ich mal gespannt wie der angekündigte Kunst-Rekordversuch mit einer 30 Meter langen Holzskulptur der ortsansässigen Holzbildhauerin Tanja Röder angenommen wird.

Kunst soll den Menschen mitnehmen, ihn packen und schütteln, Antworten geben auf nicht gestellte Fragen, nerven wenn sie das Gewohnte verlässt, und zum Lächeln bringen, wo immer es notwendig ist.

Manfred Habl

Wittelsbacher Straße

Pfaffenhofen