Wolnzach: Ungewohnte Blickwinkel
 
Wolnzach
Besonders die Holledaubrücke bei Geisenhausen hat sozusagen internationale Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Denn die Delegation der Arbeitsgemeinschaft Autobahngeschichte wollte bei ihrer 28. Mitgliederversammlung auch ihrer Geschichte ein wenig auf den Grund gehen.

Der Arbeitskreis Autobahngeschichte, was ist das überhaupt? Zufällig ist der Berliner Hans-Werner Schmidt, Initiator des Wolnzacher Treffens, vor 14 Jahren bei einer Streckenbefahrung auf eine Autobahnruine gestoßen. „Wieso wurde hier nicht weitergebaut? Was war ursprünglich geplant? Und gibt es noch mehr solcher ,Autobahnleichen’“ Diese und viele weitere Fragen wollten er und ein paar Gleichgesinnte beantwortet wissen und so hat sich die Arbeitsgemeinschaft Autobahngeschichte e.V., kurz die AGAB, gegründet. Zwei Mal im Jahr treffen sie sich nun, die Mitglieder aus dem gesamten Bundesgebiet und den Nachbarstaaten, wie Österreich, der Schweiz, den Niederlanden, Polen, Frankreich und auch Norwegen. Immer werden es mehr Interessierte, immer werden bedeutsame Stätten an Autobahnen ausgesucht.

Das Autobahndreieck Holledau als Verkehrsknotenpunkt und sozusagen als besonders erforschenswertes Objekt die Holledaubrücke bei Geisenhausen waren zwei Faktoren, warum nun Wolnzach als Tagungsort ausgewählt worden war. „Bedeutsam“, so wird die Holledaubrücke nicht nur von der AGAB gesehen, sondern auch von Mitgliedern des Historischen Cirkels Wolnzach und allen voran dem Arbeitskreis Dorfchronik Geisenhausen. Dieser Arbeitskreis, bestehend aus Gabi Obermeier, Ulrike Ostler, Peter Renger und dem Historiker Andreas Sauer, recherchiert Geschichte und Geschichten rund um das Bauwerk und hat dazu schon einige Schriften veröffentlicht.

So verwundert es auch nicht, dass am Vorabend des Treffens der AGAB ein Erfahrungsaustausch mit Vertretern eben dieser Gruppen im Gasthof Zur Post in Wolnzach am Anfang des Treffens stand. Gabi Obermeier schilderte dabei auf anschauliche Weise die Geschichte der Talbrücke Holledau. „Die militärische Bedeutung der Reichsautobahnen war nicht so groß wie immer angenommen wird, denn sie waren nur bedingt für diesen Einsatz geeignet“, klärte sie auf. „Denn die zulässige Steigung von maximal acht Prozent überforderte die damalige Lastwagenleistung.“

Mit zahlreichen Fotos wurden die Wolnzachgäste auf die für den nächsten Tag angesetzte Besichtigung der Brücke eingestimmt. Die Autobahndirektion Südbayern hatte sich bereiterklärt, die Besichtigung dieses Bauwerks auch von innen zu gestatten und Ingenieur Robert Hillebrand von der Dienststelle München übernahm persönlich die Führung. Dass die Brückenbögen heute eigentlich nicht mehr die Hauptlast tragen, sondern der eingebaute Stahl, erklärte er eingangs. Und dann wurde es eng für die Teilnehmer der Besichtigung: Durch den behauenen Steingang des Brückenpfeilers am nördlichen Widerlager zwängten sie sich, um dann eine noch engere Treppe direkt zwischen dem alten Steinpfeiler und der im Zuge des Umbaus im Jahr 1978 neuen Betondecke zu erklimmen. Die Besichtigung dieses Bauwerkes von innen war selbst für die erfahrenen Vereinsmitglieder ein absolutes Ausnahmeerlebnis: Kaum jemand, der nicht den Fotoapparat zückte angesichts der ungewohnten Blickwinkel. Besonders Gabi Obermeier, die so viel Herzblut in ihre Recherchen gesteckt hatte, zeigte sich ebenso wie die Vorsitzenden des Historischen Cirkels, Rudi Pfab und Hans Biberger, absolut beeindruckt.

Die AGAB besichtigte im Anschluss noch die Entwässerungsanlagen am Autobahndreieck Holledau und weitere Bauwerke in der Umgebung. Natürlich durfte bei ihrer Tour das Hopfenmuseum in Wolnzach nicht fehlen. Ihr Fazit des Wolnzachtreffens: „Faszinierend und sehr abwechslungsreich“, so Organisator Hans-Werner Schmidt gegenüber unserer Zeitung.