Ausgetauscht
Wolnzach (WZ) Will man eine Sache verändern, ist es gut, wenn sie einem gehört. Das hat sich auch der Wolnzacher Gewerbeverband zur Preysingstraße gedacht. Nur: Die Idee mit dem „Straßentausch“ – die Auenstraße sollte Kreis-, die Preysingstraße Ortsstraße werden – muss er nun begraben.

„Hier muss etwas passieren“, sagt die Vorsitzende des Wolnzacher Gewerbeverbands, Julia Holzvoigt, und deutet auf die einstige Wolnzacher Haupteinkaufsstraße, die Preysingstraße - Foto: Trouboukis
Dafür wusste der Bürgermeister dazu umso mehr. Denn die Diskussion um die Preysingstraße hat eine lange Geschichte mit vielen Facetten. Schon unter seinen beiden Amtsvorgängern Josef Schäch (FW) und Anton Dost (SPD) habe es immer wieder Überlegungen, ja sogar Planzeichnungen gegeben, wie man die Preysingstraße verschönern und beleben könnte.
Pläne im Schreibtisch
Zeichnungen entstanden, auf denen Ausbuchtungen mit kleinen Bäumchen und Straßencafés zu sehen waren. „Wenn Sie wollen, können Sie sich diese Pläne gerne mal anschauen“, lud Machold den Gewerbeverband ein. Um neue Ideen umsetzen zu können, hat sich in der Vergangenheit ein Gedanke festgesetzt, der immer wieder thematisiert wurde: Um auf der Preysingstraße mehr Handlungsspielraum ohne umständliche Bürokratie und Umwege über die Landkreisbehörden zu haben, sollte die Preysingstraße von der Kreisstraße zur Ortsstraße werden. Geregelt werden – so hatte das auch die aktuelle Gewerbeverbandsvorsitzende Julia Holzvoigt angedacht – könnte das über einen „Straßentausch“: Die parallel verlaufende Auenstraße, die jetzt Ortsstraße ist, sollte Kreisstraße werden, die Preysingstraße sollte dann in die Verantwortung des Marktes Wolnzach fallen.
„Das hört sich zwar ganz gut an, ist aber leider nicht machbar“, sprach der Wolnzacher Rathauschef am Montagabend Klartext. Auch den Grund dafür servierte er den zahlreichen Zuhörern postwendend: „Wenn ich an einer Kreisstraße wohnen würde, dann würde ich mich auch mit Händen und Füßen dagegen wehren, dass sie zur Ortsstraße umgewidmet wird.“ Warum? Im Gegensatz zur Kreisstraße fielen bei einer Ortsstraße bei Baumaßnahmen Anliegerbeiträge nach der am Ort geltenden Beitragssatzung an. Deshalb: „Ich glaube nicht, dass das funktionieren kann, wenn man sich hier mit den Anwohnern auseinandersetzen muss“, so Machold. In einem Vorgespräch hatte er das auch schon der Gewerbeverbandsführung auseinandergesetzt. Vorsitzende Julia Holzvoigt hat sich vom Gedanken des Straßentauschs bereits verabschiedet: „Wenn man das jetzt weiß, was das für die Anwohner bedeuten würde, versteht man auch, dass es nicht geht.“
Trotzdem verlange die Preysingstraße weiterhin viel Einsatz. Mit dem wieder eingeführten Marktmittwoch und den Ständen am angrenzenden Rathausplatz sei seitens des Gewerbeverbands ja schon einiges in Angriff genommen worden, was „bei den Leuten sehr gut ankommt“.
Der Mittwochnachmittag ist nämlich ein echter Wolnzacher Sonderfall: Aufgrund einer alten Regelung unter den Gewerbetreibenden, sich diesen Nachmittag für Einkäufe, Geschäftstermine oder Ähnliches freizuhalten, sind in Wolnzach immer noch einige Läden am Mittwochnachmittag geschlossen; entsprechend wenig belebt ist das Ortszentrum an diesem Tag.
Wütende Anrufe
Die Markt-Initiative des Gewerbeverbands fand die Anerkennung des Wolnzacher Bürgermeisters. Ein anderer Denkanstoß allerdings sei „ebenfalls nicht neu in der Geschichte der Preysingstraße“ und bedürfe vieler Diskussionen: eine mögliche Einbahnregelung für diesen Bereich. Bereits erste Anstöße in diese Richtung hätten sofort wieder das Telefon im Rathaus klingeln lassen, zum Teil seien die Anrufer „sehr erbost“ gewesen und hätten sogar mit dem Anwalt gedroht, sollte auf der Preysingstraße eine Einbahnregelung eingeführt werden.
„Bei allem Verständnis für diese Emotionen“ bat Machold jedoch um Geduld. Eine Einbahnregelung hätte auf jeden Fall Befürworter – aber eben auch viele Gegner. Zudem werfe sie viele Fragen auf: In welche Richtung soll die Preysingstraße dann befahren werden, was ist mit der Verkehrszunahme für die kleinen, abzweigenden Nebenstraßen?
„Wenn wir darüber reden wollen, müssen wir uns auf heftige Diskussionen einstellen“, schloss der Bürgermeister. „Aber ich sage nicht, dass es nicht machbar wäre.“ Landrat Martin Wolf sicherte dem Gewerbeverband für seine Ideen „volle Unterstützung“ zu: „Es gibt keine Vorgaben, dass etwas nicht geht“, sagte er.
Von Karin Trouboukis
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