Meinungsaustausch: Einige Besucher nahmen in den Vortragspausen die Gelegenheit zum persönlichen Gespräch mit Beratern aus der digitalen Branche wahr..
Meinungsaustausch: Einige Besucher nahmen in den Vortragspausen die Gelegenheit zum persönlichen Gespräch mit Beratern aus der digitalen Branche wahr.
Zurek
Unterpindhart

Wie sehr das Thema Digitalisierung Vertretern aus Wirtschaft, Schulen und Kommunen unter den Nägeln brennt, zeigte die Zahl der Besucher, die am Dienstag der Einladung des Kommunalunternehmen Strukturentwicklung (KUS) in den Landgasthof Rockermeier gefolgt waren. Rund 200 Gäste konnte KUS-Vorstand Johannes Hofner zu der in Kooperation mit dem Wirtschaftsbeirat und der IHK organisierten Veranstaltung begrüßen, deren Ziel es war die ob ihrer "vielen Facetten" schwer fassbaren Digitalisierung "ein stückweit transparenter und durchschaubarer zu machen".

Andreas Brill (kleines Foto links) thematisierte bei seinem Impulsvortrag die "Dynamik der Digitalisierung". Der Gründer der Gesellschaft "business4brands" entwickelt seit Mitte der 90iger Jahre Konzepte für die digitale Ära und erlebt seither, dass die Digitalisierung "wie ein Tsunami" über Unternehmen hinwegfegt. Beispiele für eine gelungene Transformation vom analogen zum digitalen Betrieb gebe es kaum und selbst große Konzerne scheitern an ihr. Die Ursachen dafür machte Brill in der "unvorstellbaren Dynamik" aus, die er am Beispiel der Musikindustrie aufzeigte. Wie man es schafft, sich auf diese Dynamik einzustellen? "Dafür gibt es keine Blaupause", so Brill. Unternehmer müssten lernen alles aus der Zukunft abzuleiten, eigene technologische Lösungen umzusetzen. Immer vor dem Hintergrund der Frage: "Was wird das nächste große Ding sein?"

Dass man im Detail dennoch von den Neuerungen des Internets profitieren kann, stellte Brill im Rahmen des nachmittäglichen Fachforums klar, bei dem er sich Fragen zum Thema e-Commerce stellte.

Die Digitalisierung werde als der "größte Wohlstandstreiber seit der Industrialisierung" dank bahnbrechender Technologien Arbeitsprozesse in Unternehmen stark verändern, befand auch Claude Herion als Vorstandsprecher des Wirtschaftsbeirats. Da selbst Wissenschaftler keine einhellige Definition liefern, gelte frei nach Einstein: "Das Wichtigste ist, dass man nicht aufhört zu fragen". Genau das taten die Teilnehmer in den nachmittäglichen Fachforen.

Konkrete Antworten darauf, was in seiner Kommune in Sachen Digitalisierung so alles passiert, hatte indes Bürgermeister Christian Staudter parat, dessen Verwaltung sich eine eigene IT Abteilung mit zwei Fachkräften leistet.

Dass die Digitalisierung selbst in einem kleinen Betrieb gelingen kann, dafür diente Markus Schott (kleines Foto rechts), Geschäftsführer von Schott Orthopädie-Schuhtechnik, als ermutigendes Beispiel. Auf der Suche nach einer Geschäftsidee zur Erschließung des privaten Markts sei er fündig geworden: Seit 2008 vertreibt er im eigenen Onlineshop maßgefertigte Sandalen unter dem Label "myVALE" - er liefert mittlerweile in 54 Länder. Die Zahl der Mitarbeiter ist inzwischen auf 20 angewachsen. Digitalisierung bringe neue Perspektiven für das traditionelle Handwerk, so Schott.

Hilfe für jene, die sich dem Wagnis eines digitalen Start-ups stellen, bietet das Digitale Gründerzentrum "brigk", dessen Angebote Geschäftsführer Franz Glatz vorstellte. Was das Förderprogramm "Digitalbonus" gerade für den Mittelstand bereit hält, erläuterte Elke Christian als Leiterin der IHK-Geschäftsstelle Ingolstadt.

Ganz unterschiedlich fiel am Ende des Tages die Resonanz auf die Fachforen aus. Als "sehr informativ" wertete etwa der Vertreter eines IT-Unternehmens den Vortrag von Oliver Lehmeyer zum Thema Cyber-Kriminalität. Sein detailliertes Eingehen auf die Fragen der Zuhörer in Sachen "e-Commerce" brachte Andreas Brill viel Lob ein. Ein geteiltes Echo rief Moike Buck hervor, die als Leiterin der Gruppe Business Intelligence bei der FraunhoferArbeitsgruppe digitale Geschäftsprozesse und deren konkrete Umsetzung in den Fokus stellte. Die wirksame Zusammen- und moderne Führungsarbeit im digitalen Zeitalter hatte sich Robert Vogel, Mitgründer der Future Leadership Academy, vorgenommen. "Zu wenig Input", urteilte ein Banker, während der Inhaber einer Werbeagentur von "wertvollen Impulsen, sich selbst als Unternehmensleiter zu hinterfragen" sprach.

Den Pokal des Inklusionspreises überreichte Galina Römmert-Rühle an Preisträger Harald Widl, Svenja Johansen zeigt das Logo und zu den ersten Gratulanten zählten Anton Westner und Laudator Herbert Limmer..
Den Pokal des Inklusionspreises überreichte Galina Römmert-Rühle an Preisträger Harald Widl, Svenja Johansen zeigt das Logo und zu den ersten Gratulanten zählten Anton Westner und Laudator Herbert Limmer.
Zurek, Magdalena, Geisenfeld
Unterpindhart

"Ansporn für andere Unternehmer"

 

Die Firma beschäftigt in der Produktion zwei Männer mit geistiger Behinderung und hat für sie eigene, ihrem Handicap angepasste Arbeitsplätze eingerichtet. Den Transfer vom Wohn- zum Arbeitsplatz gewährleistet der Busshuttle der Regens-Wagner Stiftung.

Sichtbares Zeichen des Inklusionspreises ist ein Pokal, den eine Kunsttherapeutin in Zusammenarbeit mit einer Klientin der Regens Wagner Offenen Hilfen hergestellt hat. Die darin befindlichen Perlen seien "so bunt, wie ich mir eine inklusive Gesellschaft der Zukunft auf dem Arbeitsmarkt vorstelle", erklärte Herbert Limmer, Leiter der Offenen Hilfen bei Regens Wagner. Dass der Glasbehälter nicht ganz voll sei, solle zeigen: "Da geht noch mehr" und das neue Logo werde man hoffentlich in den kommenden Jahren öfter sehen, so der Laudator, der den Preisträger stellvertretend für all jene sah, die sich "was trauen" und den "oft übersehenen Wert und die Leistung" behinderter Menschen anerkennen, um zu erfahren: "Soziales Engagement und Rentabilität schließen sich nicht aus".

Überreicht wurde der Pokal von Galina Römmert-Rühle. Begleitet wurde die Mitarbeiterin des Landratsames von Svenja Johansen, stellvertretend für all jene, die trotz einer Behinderung bereits den Weg in den ersten Arbeitsmarkt gefunden haben. Widl bedankte sich für die Auszeichnung und betonte, Inklusion sei menschlich und bisweilen mit Fehlern behaftet. Aber sie bringe ein Team weiter, tue der ganzen Mannschaft gut und dabei der Produktivität keinen Abbruch.

Das von der Sparkasse gestiftete Preisgeld in Höhe von 1000 Euro werde man für einen noch festzulegenden guten Zweck spenden, erklärte der Firmenchef. Anton Westner (CSU) dankte als Stellvertretender Landrat für dessen Engagement, das ein Schritt in die richtige Richtung sei und hoffentlich als Ansporn für andere Unternehmer wirke. | zur