Die Vorsitzende der bisherigen Unterneherrunde Geisenfeld, Sabine Seidl (links) mit den Initiatoren des geplanten Gewerbeverbandes, Elke von Behm und Franz Strobl.
Zurek, Magdalena, Geisenfeld
Geisenfeld

Im Februar 2010 habe die aus der Werbegemeinschaft heraus entstandene URG "euphorisch" ihre Arbeit aufgenommen. Inzwischen aber sei "irgendwie die Luft raus" - so die Vorsitzende Sabine Seidl bei ihrem Rückblick im Rahmen der Mitgliederversammlung. Bereits bei den Neuwahlen im Januar hatte man beschlossen, die Mitgliedschaft fortan beitragsfrei zu stellen, "um das Anspruchsdenken gering zu halten", wie es Seidl formulierte. Statt regelmäßiger Sitzungen traf man sich zu Stammtischrunden, was sich als "ganz nett, aber nicht als zukunftsweisend" erwiesen habe.

Mit Blick auf die Konkurrenz aus dem Internet, steigende Löhne und sonstige Ausgaben sowie die wachsende Bürokratie, die immer weniger Zeit für andere Aktivitäten lasse, brauche es ein neues Konzept und neue Strukturen, erklärte die Vorsitzende. Persönlich sei sie zudem überzeugt, dass es ohne eine "professionelle Kraft" nicht gehe. Sie sei froh, dass Franz Strobl und Elke von Behm sich für eine Neuausrichtung engagieren, und wolle diesem Neustart nicht im Weg stehen.

Ein "bisserl Nostalgie" erlaubte sich Seidl indes und ließ eine Reihe erfolgreicher Marketing-Aktionen der URG Revue passieren - von Punkte-Sammelaktionen mit attraktiven Preisen bis zur Initiative "Aus fünf mach 500". Etliche neue Mitglieder, auch aus dem Handwerk, und einen positiven "Schub" bescherte 2013 der Tag der offenen Türen unter dem Motto "Geisenfeld unternehmen". Mit Argumenten "gut eingebracht" habe sich die URG in puncto Rewe-Standort, wodurch sie zu dessen Erhalt im Süden der Stadt und zur Renovierung des Edeka-Marktes einen Beitrag geleistet habe. Letztlich aber sei es um die Aktivitäten der URG "immer ruhiger geworden". Von jenen 27 Unternehmen, die anfangs "mit angeschoben" hatten, gebe es elf bereits nicht mehr, bedauerte die Vorsitzende. Die Zahl aktiver Teilnehmer bei Aktionen sank und mittlerweile sei "kaum mehr einer bereit, etwas zu investieren".

Für ihre "vorbildliche Leistung" ernteten Seidl und ihre Mitstreiter ein herzliches Dankeschön von Kassenprüfer Josef Fröschl. Seit 2010 sei "viel passiert", und grundsätzlich habe die URG "sehr erfolgreich" gearbeitet, stellte auch Franz Strobl - der zu den Initiatoren des zukünftigen Gewerbevereins gehört - seinem Ausblick ein Lob voran. Er werde häufig auf Geisenfelds "florierende" Kultur und Wirtschaft angesprochen. Dennoch müsse man angesichts neuer Herausforderungen wie der Digitalisierung neue Wege gehen. Dafür brauche es einen breit aufgestellten Verein mit festen Strukturen und eine verlässliche finanzielle Basis. "Ohne Beitrag wird es nicht gehen", stellt der Unternehmer mit Blick auf gemeinsame Aktionen, Werbung und die Pflege des Internetauftritts klar. Bisher habe man Gespräche mit dem Wirtschaftsbeirat im Landkreis, anderen Gewerbeverbänden und der Stadt Geisenfeld geführt, um herauszufinden, "wie die Zusammenarbeit ausschauen kann". Als Nächstes seien "Sondierungsgespräche" geplant. Erste Ergebnisse dürfe man bei einem Infoabend im Frühjahr erwarten, zu dem die Stadt einladen werde, erklärte Elke von Behm als weitere Initiatorin.

Obwohl nur 16 der 42 URG-Mitglieder zur Sitzung erschienen waren, fand sich - gegen eine Stimme - die nötige Zweidrittelmehrheit für die Auflösung der URG, denn etliche Stimmberechtigte hatten ihr Votum bereits im Vorfeld per "Briefwahl" abgegeben. Ebenfalls beschlossen wurde die Verwendung des Vereinsvermögens, das Kassier Hans Härtl auf 629 Euro bezifferte. Es ist ab sofort eingefroren und soll dem neu zu gründenden Gewerbeverein zukommen.

"Vorhandenes Potenzial verstärkt nutzen"

Im Juli 2016 haben sie als Immobilien-Dienstleister ihr neues Büro im Stadtzentrum eröffnet. Warum sich das Ehepaar für die Gründung eines Gewerbevereins starkmacht und was sie sich langfristig erhoffen, erklären die beiden im Gespräch mit der GZ.

Was motiviert Sie als Unternehmer, sich über eigene Anliegen hinaus für das örtliche Gewerbe zu engagieren?

Franz Strobl: Wir haben uns von Anfang an in der Unternehmerrunde gut aufgehoben gefühlt und gesehen, wie wichtig das gemeinsame Handeln einerseits und regionales Denken andererseits sind - und beides möchten wir intensivieren.

Elke von Behm: Auf überörtlichen Messen werden wir immer wieder auf die Stärke der Geisenfelder Wirtschaft und die kulturelle Vielfalt hier angesprochen. Die Statistik weist die Kommune als jene mit der größten Kaufkraft im Landkreis aus. Das ist ein Potenzial, das wir verstärkt nutzen wollen.

Welche Ziele verfolgen Sie dabei konkret?

Elke von Behm: In einem ersten Schritt wollen wir versuchen, Unternehmer aller Sparten - also Einzelhandel, Handwerk, Dienstleister und Gastronomie oder auch Ärzte - ins Boot zu holen. Gemeinsam mit ihnen sollen dann Wünsche und Visionen gesammelt und Strategien entwickelt werden.

Franz Strobl: Wir haben bewusst kein starres, vorgefertigtes Konzept, weil wir ja noch gar nicht wissen, welche Interessen oder Ideen die neuen Mitglieder vielleicht mitbringen.

Was erhoffen Sie sich von einem Gewerbeverein?

Franz Strobl: Die Fortführung und Erweiterung von Aktionen, wie sie die Unternehmerrunde initiiert hat, und zwar auf der Basis eines Vereins, der klare Strukturen auf der einen und gesicherte Finanzen auf der anderen Seite garantiert. Und natürlich hoffen wir, gemeinsam das Internet und soziale Medien besser für unser Marketing nutzen zu können, um der Konkurrenz aus dem Netz gewachsen zu sein.

Elke von Behm: Natürlich möchten wir dadurch auch noch mehr Leben in die Innenstadt bringen und langfristig in Sachen Infrastruktur an Verbesserungen mitwirken.

Das Gespräch führte

Maggie Zurek.