Schweitenkirchen: Vom Pflaster bis zur Wiederbelebung
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Schweitenkirchen

Atemnot, Kreislaufzusammenbruch oder eine Verletzung. Bei einem Notfall schnell die 112 gewählt, die Leitstelle schickt einen Rettungswagen los – keine zwei bis drei Minuten später steht ein Feuerwehrauto vor der Tür. „'Wir haben doch nicht die Feuerwehr gerufen, sondern den Krankenwagen', das haben wir schon das eine oder andere mal gehört“, sagt Florian Brecko, stellvertretender Kommandant der Feuerwehr Schweitenkirchen.

Aber genau für solche Fälle sind die besonders ausgebildeten Männer da: Sie sind so schnell wie möglich bei einem medizinischen Notfall vor Ort. Diese sogenannte First-Responder-Gruppe der Feuerwehr Schweitenkirchen besteht derzeit aus 13 Aktiven, allesamt Mitglieder der Feuerwehr. Seit August 2014 sind die Ehrenamtlichen nun im Einsatz.

Sind die First Responder vor dem Rettungsdienst zur Stelle, dann leisten sie die Erstversorgung. In der Anamnese wird die Situation erfasst, mit dem Patienten und seinen Angehörigen gesprochen. „Mit dem Patienten reden ist ein wichtiger Teil der Arbeit“ sagt der Feuerwehrmann Michael Bäcker. Dann werden die ersten Maßnahmen getroffen: Stabile Seitenlage, Zucker messen, Sauerstoff geben, Blutdruck messen. Die Werte werden dann im Anschluss dem eintreffenden Rettungsdienst übergeben.

„Wir machen alles, vom Pflaster bis zur Herz-Lungen-Wiederbelebung“, erklärt Georg Moser, Gruppenführer bei der Feuerwehr Schweitenkirchen. Die Helfer sind geschult, den Defibrillator einzusetzen, Patienten zu beatmen oder eine Herz-Lungen-Massage durchzuführen. Es geht vor allem darum: so schnell wie möglich zu helfen, den Ablauf effektiver zu machen und Zeit zu gewinnen, bis der Rettungswagen eintrifft. Alarmiert werden die Helfer vor Ort durch die Integrierte Leitstelle Ingolstadt, bei der alle Notrufe eingehen. In dem Moment, in dem ein Rettungswagen zum Einsatz geordert wird, bekommen auch die First Responder aus Schweitenkirchen den Alarm. Das Einsatzgebiet ist die Gemeinde Schweitenkirchen.

„Immer, wenn sich ein zeitlicher Vorteil ergibt, werden wir alarmiert“, erklärt Georg Moser. Die Benachrichtigung der First Responder erfolgt über eine App, ein im Feuerwehrhaus eingehendes Fax regelt die Einzelheiten: was ist passiert, ist die Situation lebensgefährlich?

„Wir kennen die Gegend, die ländliche Struktur“, sagt Georg Moser. „Wir wohnen im Schnitt 500 Meter entfernt vom Feuerwehrhaus. Vom Alarm bis zum Ausrücken brauchen wir zwei bis drei Minuten“, erklärt er. „Also von der Bettdecke bis zum Einsatzwagen“.

Es kommt immer darauf an, wo sich der nächste Krankenwagen befindet. Manchmal sind die Helfer aus Schweitenkirchen als erste da, manchmal erreichen sie den Einsatz gleichzeitig mit dem Rettungsdienst. „Teilweise hilft es schon, dass der Rettungswagenfahrer sieht, wo wir stehen, dann ist für ihn auch die Anfahrt leichter, weil wir kennen uns vor Ort ja gut aus“, sagt der Feuerwehrler Florian Brecko. Auch für Einsätze auf der angrenzenden Autobahn werden die Schweitenkirchener alarmiert.

Seit über einem Jahr sind die First Responder schon im Dienst. Im vergangenen Jahr hatte die Gruppe um die 300 Einsätze. „Dieses Jahr werden es um die 200 sein“, schätzt der Schweitenkirchner Michael Bäcker. Die First Responder tragen eine eigene Uniform, damit Patienten oder deren Angehörige sofort erkennen, dass medizinische Hilfe da ist.

Schweitenkirchen ist die einzige Freiwillige Feuerwehr im Landkreis Pfaffenhofen, die eine solche Gruppe hat. In Wolnzach und Vohburg/Ernsgaden gibt es ähnliche Gruppen, die sich Helfer vor Ort nennen. Der einzige Unterschied: diese Gruppen sind über das BRK organisiert.

Die Helfer nutzen für ihre Einsätze das Mehrzweckfahrzeug der Feuerwehr, das unter anderem ausgestattet ist mit einem AED (automatisch Externen Defibrillator), medizinischem Sauerstoff, einem Intubationsset und einem Rucksack mit Pflastern und Verbandsmaterial. Auch ein Löschfahrzeug ist so ausgestattet.

Die Motivation der Feuerwehrmänner sich zusätzlich zu engagieren ist klar: „Wir sind alle von klein auf bei der Feuerwehr und wollen eben helfen“, sagt Georg Moser.