Scheyern: Himmlische Klänge
Der Scheyrer Basilikachor begeisterte mit seinem Konzert in der Basilika. - Foto: Steininger
Scheyern

Für ihr Abschlusskonzert hatte Schmelz Werke ohne instrumentale Begleitung ausgewählt, aus gutem Grund: "Nirgendwo kommt man dem Chor so nahe wie beim A-cappella-Gesang, und nirgendwo sonst ist ein Chor so durchsichtig", kommt sie ins Schwärmen. A-cappella zu singen ist die reinste und schwierigste Form des Chorgesangs und man merkt sofort, wie gut ein Ensemble ist. Das Alte mit dem Neuen zu verbinden, war ihr ein besonderes Anliegen, und so hörten die Zuhörer Stücke aus der Renaissance ebenso wie aus der Moderne. "Machet die Tore weit" von Andreas Hammerschmidt (1612-1675) bildete den jubelnden Auftakt, gefolgt von "Adventi ének" des ungarischen Komponisten Zoltán Kodály, bei dem die Männerstimmen das ganz in Moll gehaltene Kirchenlied einleiten, bevor die hellen Frauenstimmen einsetzen und sich mit dem Männerchor ergänzen. Bachs Kantate "Wachet auf ruft uns die Stimme" schuf einen harmonischen Kontrast in Dur, bis bei Regers "Unser lieben Frauen Traum" in der dritten Strophe der Chor zwölfstimmig intoniert mit einer mächtigen, stimmlichen Klangfülle, die das Kirchenschiff ausfüllt und im Publikum Gänsehaut erzeugt. "O Magnum Mysterium" bezieht sich auf die Krippenszene bei der Geburt Jesu und wurde über die Jahrhunderte vielfach vertont. In der Basilika erklang das Lied sowohl in der Version von Tomás Luis de Victoria aus dem 17. Jahrhundert und unmittelbar darauf in der zeitgenössischen Version von Morten Lauridsen (*1943). Reizvoll anzuhören, wie verschieden der gleiche Text von Komponisten aus verschiedenen Jahrhunderten interpretiert werden kann. Optimistisch und schwärmerisch dagegen Bachs Kantate "Wie schön leuchtet der Morgenstern" mit seinen rhythmischen Elementen, bevor sich das Konzert seinem Höhepunkt nähert: "Es ist ein Ros entsprungen" aus der Feder von Michael Praetorius (1571-1621) ist wohl eines der schönsten und populärsten Weihnachtslieder überhaupt. Und für dessen Interpretation bildet sich aus dem Chor ein Quartett neben dem Altar, das für den normalen Chorsatz von Praetorius zuständig ist. Der große Chor aber bildet einen "Klangteppich" aus der Feder von Jens Sandström (*1954), der sich nacheinander aufbaut, der eigentlichen Melodie eine Basis verschafft, sie aber auch in eine Klangwolke förmlich einwebt. Schwebende Töne, flirrende Klänge, eindringliche Stimmen, irgendwie auch sphärisch, oder besser: himmlisch.

Spätestens hier wurde klar, dass sich Scheyern glücklich schätzen kann, über einen derart engagierten und inspirierten Amateurchor zu verfügen. Der musste schwierige Gesangspassagen bewältigen, ohne sich an Instrumenten stimmlich "festhalten" zu können, und das gelang ihm vorzüglich. Ein Geschenk, das Barbara Schmelz ihrem Publikum zum Abschluss und zum Weihnachtsfest beschert hat. Das Publikum dankte mit großem Applaus und Pater Lukas mit einem Blumenstrauß. Besonderer Dank gebührt Alfred Märtl, der mit seinen besinnlichen Texten zum Advent zwischen den Liedern zum Nachdenken anregte.