Hohes Kirchenfest im Klosterhof: Bischof Rudolf Voderholzer (rechts) erteilte der Gemeinde und vielen Wallfahrern den Segen mit der Kreuzreliquie an der Seite von Abt Markus Eller (links).
Hohes Kirchenfest im Klosterhof: Bischof Rudolf Voderholzer (rechts) erteilte der Gemeinde und vielen Wallfahrern den Segen mit der Kreuzreliquie an der Seite von Abt Markus Eller (links).
Gruber
Scheyern

Viele Wallfahrer sind auch heuer wieder zu Fuß nach Scheyern gekommen – etwa die Inchenhofener mit 51 Wallfahrern, die Gruppen aus Alberzell, Hilgertshausen, Hirschenhausen, Hohenried und Niederscheyern. Zusammen mit Bischof Rudolf Voderholzer, Abt Markus Eller und den Mönchen der Abtei Scheyern zelebrierten sie den Festgottesdienst.

Der Abt verwies in seiner Begrüßung auf die Doktorarbeit des Bischofs über die Auslegung der Heiligen Schrift. Er meinte, er könne den Besuchern – in Anspielung auf die kühle Witterung – „mit seiner Auslegung einheizen“. Verbindungen zu Scheyern habe es in seiner Familie schon gegeben, erwähnte Bischof Rudolf. Sein Vater und dessen Bruder hätten hier das Gymnasium besucht. „Sie sollten Pfarrer werden, hat es damals geheißen. Aber manchmal dauert es halt ein bisschen länger.“

In seiner frei gehaltenen Predigt ging der Bischof zunächst auf die Geschichte des Kreuzfestes ein, das seinen Anfang nahm, als das von der Kaiserinmutter gefundene Kreuz Christi erstmals zur öffentlichen Verehrung gezeigt wurde. Kaiser Konstantin habe nicht nur die grausamen Christenverfolgungen beendet, sondern auch den Sonntag als Feiertag eingeführt. Und große Kirchen erbaut, so in Rom und auch in Trier, nachdem er unter dem Zeichen des Kreuzes die Schlacht gegen seinen Rivalen Maxentius an der Milvischen Brücke gewonnen hatte. Das Fest zeige die Freude darüber, dass man das Kreuz nun nicht mehr zu verstecken brauche. Die Menschen hätten „immer mit dem Kreuz ringen müssen“, sagte der Bischof. Schon Paulus habe gesagt, es sei für die Griechen eine Torheit, für die Juden ein Ärgernis. „Für uns Christen ist es“, so Bischof Rudolf, „ein Zeichen von Kraft und Stärke. Der Herr hat das auf sich genommen und damit das Kreuz zum Zeichen der göttlichen Liebe gemacht.“

Wenn man, wie kürzlich in einer Werbung geschehen, das Kreuz von der Kuppel einer griechischen Kirche entferne, würden Andersgläubige das eher als Zeichen von Feigheit und nicht von Toleranz verstehen. „Die lachen uns doch aus, wenn wir nicht mehr zu unserem Glauben stehen.“ Das Kreuz sei Zeichen der Toleranz und der Freiheit der Religionsausübung. „Niemand wird gezwungen, aber jeder wird eingeladen.“ Deshalb solle das Kreuz auch weiterhin seinen Platz an den Straßen, in den Krankenhäusern, den Gerichtssälen, in den Klassenzimmern und auf den Gipfeln haben. Und der Bischof appellierte an alle: „Halten Sie den Herrgottswinkel in den Wohnungen in Ehren. Dann wird auch unser Zusammenleben gesegnet sein.“

Am Ende des Pontifikalgottesdienstes, der vom Basilikachor und der Gruppe Quattro Stagioni umrahmt wurde, spendete Bischof Rudolf nach der Prozession um den Klosterhof den Segen mit der Kreuzreliquie für die Menschen und die Ernte. Danach ließen sich viele den Einzelsegen mit der Reliquie in der Basilika erteilen. Viele machten sich dann auf den Heimweg, manche blieben bis zur Vesper, mit der das Kreuzfest ausklang.