Scheyern: Drohungen zum Dank
Die Flüchtlinge in Scheyern beteiligen sich auch an Fußballspielen im Ort. Ihnen steht der Helferkreis Asyl zur Seite. ‹ŒArch - foto: Nachbarschaftshilfe
Scheyern

Wie Sterz berichtete, sind bei den Freiwilligen des Helferkreises anonyme Drohungen eingegangen. Momentan leben 26 Flüchtlinge im sogenannten Gebäude 9, zu Spitzenzeiten waren dort knapp 50 Personen untergebracht. Es habe schon bevor die ersten Flüchtlinge nach Scheyern kamen Bedenken und Ängste im Ort gegeben, erklärte Sterz. Diese seien aber nicht wahr geworden - vor allem auch, weil sich der örtliche Helferkreis mit viel Herzblut engagiert habe. "So wurden mögliche Konfliktsituationen gleich zu Beginn ausgeräumt", sagte Sterz. Daher könne der Bürgermeister nicht verstehen, dass diese Ehrenamtlichen nun diskreditiert würden und Drohanrufe mit üblen Beschimpfungen bekämen. "Ich stelle mich hinter unseren Arbeitskreis", sagte Sterz deutlich. "Es kann nicht sein, dass Menschen, die sich in ihrer Freizeit ehrenamtlich engagieren, dafür beschimpft und bedroht werden."

Denn die Vorsitzende des Asylhelferkreises, Hannelore Düsener, hatte dem Bürgermeister zuvor berichtet, dass an einem späten Donnerstagabend - kurz vor der Bundestagswahl - ein Mann bei ihr angerufen und sie letztlich bedroht hatte. "Er hat gesagt, dass mein Mann und ich uns in acht nehmen sollen und sie uns genau beobachten - auch mit einem Nachtsichtgerät", sagt Düsener. Das Telefonat hatte auch ihr Mann Franz-Josef mitgehört. "Wir sollen gewarnt sein, hat er gesagt. Dass sie eine ganze Bande sind", fasst auch der frühere Major der Bundeswehr zusammen. "Ich warte immer darauf, dass ich in Scheyern diese Stimme höre." Denn der Anrufer war offenbar ein älterer Mitbürger, vermutet das Ehepaar. Auch ein anderer anonymer Anruf in diesem Jahr könnte von derselben Person sein, damals hatte der Anrufer ähnliche Dinge erzählt.

Selbst zu Wort gekommen sei Hannelore Düsener bei diesem Telefonat im September nicht. "Er hat Dinge gesagt wie: ,Du fährst Deutschland an die Wand.' Aber als die Sache ordinär wurde, habe ich aufgelegt", erzählt sie. Für die Vorsitzende des Asylhelferkreises war der Anruf durchaus bestürzend - aber eher auf indirekte Art. "Es hat mich erschrocken, dass es noch so ist", sagt Düsener. "Denn eigentlich hat sich die Situation beruhigt - aber manche Menschen beruhigen sich nicht."

Für die Helferkreisvorsitzende allerdings ist nun auch klar: "Eigentlich würde ich gerne kürzertreten, weil es einfach viele, viele Stunden Arbeit sind und ich einfach müde bin", sagt Düsener. "Aber wenn ich so einen Anruf höre, dann wäre das ein falsches Zeichen. Ich lasse mich nicht in die Flucht schlagen." Sie hofft auch weiterhin auf einen respektvollen Umgang untereinander. "Mir ist vollkommen klar, dass wir nicht jeden Wirtschaftsflüchtling aufnehmen müssen, aber bei Krieg ist es anders", sagt sie. Dennoch erklärt Düsener auch: "Man kann auch anderer Meinung sein. Man kann auch darüber reden. Aber man kann sich auch mit Namen melden."