Albert Herchenbach
Rohrbach

Auf 90 000 Quadratmetern Grund hat das Familienunternehmen, das an 19 internationalen Standorten mit über 3000 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von 570 Millionen Euro erwirtschaftet, eines der fortschrittlichsten Werke mit automatisierten und digitalisierten Abläufen errichtet. Inhaber Klaus Thimm sah es in seiner Ansprache realistisch: „Was wir hier produzieren, ist für Sie ärgerliches Zeug.“ Verpackungsmaterial, das wieder entsorgt werden müsse. „Aber diese Mühe werden Sie nicht bereuen.“ Denn 80 Prozent des Papiers, das zu Wellpappe verarbeitet wird, stammt aus Recyclingmaterial. Thimm dankte den Holledauern, „die akzeptieren, dass wir hier so einen großen Klotz gebaut haben“.

60 Millionen Euro hat das Unternehmen investiert. 120 Millionen Quadratmeter Wellpappe sollen bald im Dreischicht-Betrieb jährlich mit 150 Mitarbeitern produziert werden. „Täglich verlassen 400 000 Quadratmeter Wellpappen-Produkte unser Werk“, stellte Tankred Pörner, einer der Geschäftsführer von Thimm-Verpackung-Süd die Kapazität vor.

Der stellvertretende Landrat Anton Westner (CSU) freute sich: „Das Werk stärkt nachhaltig den Wirtschaftsstandort.“ Allerdings müssen die Gemeinden Rohrbach und Wolnzach in ihr gemeinsames Gewerbegebiet Bruckbach noch investieren: Rohrbachs Bürgermeister Peter Keck (SPD) kündigte Maßnahmen zum Lärmschutz und einen Gehweg vom Bahnhof zum Werk an. Außerdem sind Geschwindigkeitsbeschränkungen geplant.

Herchenbach, Albert, Pfaffenhofen
Rohrbach

Was unter dem Dach der 11 000 Quadratmeter großen Fabrikhalle passiert, konnten die Besucher bei einer Werksbesichtigung erfahren. Herzstück ist mit knapp 200 Metern Länge die Wellpappenanlage, die vier Tonnen schwere und 2,80 Meter breite Papierrollen zu Wellpappe verarbeitet. Elektrostapler heben die Rollen an die Anlage, die nach einem Computerprogramm mit viel Wasser und Dampf die Tafeln herstellt. 400 Meter pro Minute. Rotationsstanzen schneiden sie in die gewünschte Form. In der Werkhalle werden die Pappen auch bedruckt, lackiert, gefaltet und bei Faltschachteln geklebt. Wasserdampf und Wärme fließen zurück in den Energiekreislauf, Abfälle werden durch unterirdische Kanäle gesammelt, gebündelt und zurück zum Papierhersteller zu Wiederverwertung gebracht. Das Unternehmen, das auch in Tschechien, Rumänien, Polen, Frankreich und Mexiko Werke hat, bedient die lokalen Märkte, das Werk Holledau den süddeutschen Raum. „Bisher für uns ein weißer Fleck“, so Klaus Thimm. „Wir transportieren Luft“, sagt der Firmeninhaber. Der Transport kann teurer werden als das Produkt. Und deshalb ist ein weiter Transportweg von Wellpappe unrentabel.

Thimm ist auf Wachstumskurs: Das Unternehmen hat in den vergangenen zehn Jahren seinen Umsatz verdoppelt und setzt auf Hightech. Die industrielle Produktion soll mit moderner Informations- und Kommunikationstechnik verzahnt werden. So soll eine weitgehend selbst organisierte Produktion möglich werden: Menschen, Maschinen, Anlagen, Logistik und Produkte kommunizieren dabei direkt miteinander. Auch die bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) zeigte sich als Ehrengast beeindruckt. Sie war direkt von der Wiesn-Eröffnung gekommen, um Thimm für Arbeits- und Ausbildungsplätze und seine soziale Verantwortung zu danken. „Das Werk Holledau ist ein wichtiger Baustein für diese dynamische Region“, sagte sie. Die Investition zeige: „Thimm ist gekommen, um zu bleiben.“

Herchenbach, Albert, Pfaffenhofen
Rohrbach

Das signalisierte auch Geschäftsführer Pörner. Er spendete den gesamten Erlös des Tages drei Einrichtungen: Einen Scheck über je 1000 Euro bekamen dabei der TSV Wolnzach, der Rohrbacher Kulturförderverein Incontri sowie der Wolnzacher Kindergarten „Am Brunnen“.