Reichertshofen: Brandstiftung vor der Krippe
Gut erkennbare Spuren des nächtlichen Brands: Gabriele Wagner (oben, links) und Yvonne Meier an einem kaputten Stuhl. Die Feuerwehr löschte in der Nacht auf Samstag (unten links). Die Scheibe neben dem "Paarallel-o"-Eingang zeigt sich schon sehr lange scharfkantig. - Fotos: Konze/Feuerwehr Reichertshofen/Vogel
Reichertshofen

Am Samstag wurde die Feuerwehr von Nachbarn am Taubenweg kurz nach 1 Uhr alarmiert. Unbekannte hatten nach Aussagen der Polizei aus dem Garten der Großtagespflege "Paarallel-o" Kunststoffstühle, Holzbänke und andere Gegenstände auf dem Spielplatz vor dem Gebäude angezündet. Yvonne Meier, eine von drei Tagesmüttern, ist außer sich: "Ich bekomme Angst, wenn sich 25 bis 30 Jugendliche auf dem Platz treffen." Gabriele Wagner, eine der Mütter, fragt: "Muss erst etwas passieren, bevor Gemeinde oder Polizei etwas unternehmen"

Sowohl Gemeinde als auch Polizei (siehe unten) sind sich des Problems inzwischen bewusst. "Wir trauen uns ja kaum etwas zu sagen", so Meier. "Wir wohnen in Reichertshofen. Das wissen die Jugendlichen auch." Dass mit zunehmendem Alkoholkonsum die Jugendlichen frecher auftreten, hat Meier auch schon erlebt: "Die schnippen dann Zigaretten in meine Richtung und geben mir Namen, die ich nicht wiederholen kann." Und den Hinweis, man habe ihre Autokennzeichen, kontern die Betroffenen laut Meier gern auch mal mit "Was soll uns denn passieren".

Der Gipfel für die beiden Frauen war die Tatsache, dass einer der Beteiligten das nächtliche Feuer im Internet gepostet hat. Das war der erste handfeste Beweis - auch wenn das Video bei Snapchat schon wieder gelöscht ist.

Meier und Wagner sind besorgt: Es haben schon Eltern durchblicken lassen, dass dieser Zustand nicht so toll ist. "Es gibt doch einen Mangel an Betreuungsplätzen. Da könnte man, wer auch immer, doch dafür sorgen, dass die Situation bei uns besser wird." Denn der Brand vom Samstag war nicht der erste Vorfall. "Über dem Eingang war ein Glasdach. Als es kaputt war, wurde es nicht ersetzt", weiß Meier. "Das Fenster am Eingang ist schon bald ein Jahr kaputt. Da tut sich auch nichts." Damals wurde offensichtlich eine Sitzbank ins Fenster geschleudert. Seit Samstag fehlt auch die Biomülltonne, die Sichtschutzmatten aus Stroh, die am von der Gemeinde aufgestellten Zaun angebracht waren, sind nach Angaben der Tagesmutter auch schon in Flammen aufgegangen. Angeblich würden die abendlichen oder nächtlichen Besucher auf dem Dach des Gebäudes tanzen, auch auf dem Dach einer benachbarten Halle. Es wird auch erzählt, dass Betrunkene an den Schienen der oberhalb des Taubenwegs vorbeiführenden Bahnlinie gesehen wurden. "Muss erst etwas passieren", fragt Meier.

Das fragen sich Meier und Wagner auch, wenn sie immer wieder Glasscherben in der Wiese des Paarallel-o finden. Wagner: "Da kann man die Kleinen doch nicht barfuß laufen oder gar auf allen Vieren krabbeln lassen."

Natürlich bekommt das "Paarallel-o" Zuschüsse für den Betrieb. Doch Sachen wie Sitzgarnituren oder Ähnliches würden laut Meier zum großen Teil in Eigenleistung angeschafft. Verständlich der Ärger über die Vandalen. Auch bei den Bauhofmitarbeitern, die am Montag wegen des Vorfalls angefahren kommen. "Das ist ja nicht der einzige Brennpunkt in der Gemeinde", sagt einer. Nach Aussagen der Frauen stehen nicht selten "bis zu 15 Autos oder auch Motorräder hier". Mit den Zweirädern würden die Jugendlichen dann auch gerne über die Rampen fahren. Kippen und Kronkorken überall sind noch das kleinste Problem beim Saubermachen.

Meier und Wagner wüssten auch schon eine Lösung: "Rampe weg, Sitzbank weg." Mehr Sicherung des Geländes findet Meier nicht gut: "Wir wollen hier ja nicht wie in einem Gefängnis leben." Wagner fragt: "Wie wäre es mit Sozialstunden oder einem Platzverbot"