Reichertshausen: Zauberei und Zeitkritik
Der Trick ist alt, aber trotzdem kompliziert: Die Besucherin der Zaubershow von Gerhard Riedl hatte trotz Anleitung ihre Mühe mit dem Seil und schaffte es am Ende nicht, es dem Amateurmagier beim Knoten gleichzutun. - Foto: Steininger
Reichertshausen

"Zaubern's mal ein Bier her - oder meine Frau weg!" Das sind so die Wünsche, die an einen Zauberer gestellt werden, wusste Gerhard Riedl aus seiner 30-jährigen Praxis als Amateurmagier zu berichten. Besonders bei Materialisten sei der Geldwunsch sehr ausgeprägt. Dabei brauchen die nur einen leeren Notizblock in die Hand zu nehmen - und mit einer Handbewegung werden daraus gebündelte Geldscheine. Wenigstens in der Hand von Gerhard Riedl. Der Zauberer verbindet seine Tricks mit launigen Texten, mal voller Poesie, mal zeitkritisch, satirisch oder mit Eigenironie.

So werden Tricks, die wohl jeder schon mal gesehen hat, erträglicher. Wie zum Beispiel die vielen bunten Tücher, die er wie aus dem Nichts hervorzaubert, eine kleine Farbenkunde inklusive: Rot ist die Farbe der Liebe, Weiß die Farbe des Glücks. "Deshalb trägt die Braut ein weißes Kleid, der Bräutigam einen schwarzen Anzug", fügt er trocken hinzu. Die Tücher könne man auch in ein ausgeblasenes Hühnerei stopfen, demonstriert er deutlich sichtbar. Als er es aber gegen ein Glas schlägt, läuft zur Verblüffung der Zuschauer der Dotter heraus, das Ei ist echt.

Natürlich darf auch ein Seiltrick nicht fehlen. Wie der funktioniert, erklärt er mithilfe einer Besucherin aus dem Publikum, die jede seiner Bewegungen mit einem Seil nachmacht. Dass am Ende nur in seinem Seil ein Knoten ist, das ist eben die Kunst des Zauberers. Überhaupt wird das Publikum mit einbezogen, als er einer Zuschauerin ein imaginäres Kartenspiel zuwirft. Die soll die Karten gut durchmischen, dann die Farbe der Rückseiten bestimmen, eine Karte auswählen und deren Wert und Farbe nennen. Dann wirft sie das imaginäre Kartenspiel wieder zurück - und prompt hat Riedl ein echtes Kartenspiel in der Hand, mit den Rückseiten in genau der vorher genannten Farbe. Eine liegt verkehrt im Stapel: genau die Pik Zehn, die sich die Zuschauerin vorher ausgedacht und genannt hat.

Und es geht weiter mit korrespondierenden Würfelsäulen bis hin zu einer Zauberei mit Schallplattensingles, deren anfangs schwarzes Vinyl sich der Farbe der Hülle anpasst, wenn man sie dieser entnimmt. Das verbindet Riedl mit einem Bonmot über die sogenannte "E- und U-Musik", mit "ermüdend oder unerträglich" übersetzt er den Begriff. Und so folgen weitere Tricks, von denen einer mit dem Verschwinden eines "Bonsai-Elefanten" bewusst misslingt, bis das Publikum merkt, dass es Absicht war.

Dabei assistiert ihm seine Gattin Karin Law-Robinson-Riedl, vielen bekannt als Sopranistin sowie als Lehrkraft des Schyren-Gymnasiums, die immer eine passende Musik unterlegt: Als Gatte Gerhard Riedl eine Menge bunter Regenschirme auf das Podium zaubert, erklingt dazu Gene Kellys "Singin' in the Rain" aus der Tonkonserve. Live dagegen spielt Franziska Hausner auf ihrem Keyboard gefällige Melodien und schafft so musikalische Brücken zwischen den Tricks. Insgesamt ein kurzweiliges Programm, dessen Zaubereien zwar wenig spektakulär waren, das aber Spaß bereitete.