Hund im Wald
Ein Hund allein im Wald: Jäger Herbert Sauermann klagt, dass er immer wieder Probleme mit Hunden hat, die in seinem Revier um Pörnbach Rehe jagen. In den vergangenen Wochen hat er zwei Hunde erschossen. Er habe sie auf frischer Tat ertappt, wie er und mehrere Zeugen zu Protokoll geben. Im jüngsten Fall beklagt die Hundehalterin fehlendes Fingerspitzengefühl.
dpa/Grimm
Pörnbach
Sie habe ihren Hund nie frei laufen lassen, beteuert Stefanie Beck aus Unterkreut. Belächelt worden sei sie bisweilen sogar, weil sie es so genau nahm mit der Hundeleine. Vor einigen Tagen passierte es aber doch: Sie wollte mit ihren Kindern das Haus verlassen, und dabei entwischte ihnen der Podenco; eine windhundähnliche Jagdhundrasse, die vor allem in Spanien weit verbreitet ist. Beck macht sich auf die Suche, und nach einiger Zeit findet sie den Hund: erschossen.

Wie das passieren konnte, schildert Reinhold Zilker, Jagdbeauftragter von der Pfaffenhofener Polizei. Passanten hätten sich bei Jäger Herbert Sauermann gemeldet, dass in seinem Revier ein Hund Rehe jagt. Der Jäger fuhr in besagten Wald, machte den Hund ausfindig und erschoss ihn. „Das mache ich nun wirklich nicht gerne. Aber in diesem Fall musste es sein“, sagt Sauermann. Schließlich liege es in seiner Verantwortung, das Wild in seinem Revier zu schützen. Und das eine Gefahr für die Rehe vorlag, bezeugen mehrere Personen, die Sauermann dabei hatte. Nach Auskunft von Polizist Zilker haben seine Kollegen in der Nähe Spuren gefunden, die für einen Kampf mit einem Reh sprechen.

Stefanie Beck hätte sich mehr Fingerspitzengefühl gewünscht. Ihr Hund sei davor schließlich noch nie auffällig geworden. Außerdem hätte der Jäger sie hören müssen, klagt sie. „Ich war letztlich ja nur 70 Meter weg von dem Jäger und habe laut gerufen“, schildert sie den Vorfall. Sauermann widerspricht: „Ich konnte niemanden sehen oder hören. Erst 45 Minuten später ist jemand an die Stelle gekommen.“ Was ihr Hund in dem Wald getan hat, könne sie nicht beurteilen, sagt Beck. „Vor allem hat mich aber der Umgang des Jägers und seiner Begleiter mit der Situation empört. Das Auftreten war der Situation nicht angemessen“, klagt sie.

Die Rechtslage beschreibt Polizist Zilker folgendermaßen: Ein Jäger dürfe einen wildernden Hund erschießen. Es müsse der Wille des Hundes erkennbar sein, dem Wild nachzustellen, und es müsse die Möglichkeit bestehen, dass Wildtiere gefährdet werden. Für den Jäger bestehe sogar die Möglichkeit, Anzeige zu erstatten. Ein solcher Fall würde dann als Ordnungswidrigkeit behandelt. Bei einem Erstfall sei dem Halter aber wohl keine Absicht zu unterstellen, weshalb er die Aussichten auf Erfolg bei einer solchen Anzeige eher gering einstuft. Sauermann hat noch nicht entschieden, wie er in diesem konkreten Fall verfahren wird.

Schließlich hätten er und seine Kollegen seit langer Zeit einen großen Schaden, der durch gejagte Rehe entsteht. „Man merkt es, wenn die Rehe durch etwas aufgeschreckt sind. Sie werden auseinandergetrieben, sind dann unruhig und verstreut und laufen auf die Straße“, sagt der Jäger. Schon einige Wochen vorher habe er in seinem Revier einen Hund erschießen müssen. Auch in diesem Fall wäre er informiert worden, dass ein Hund Wild anfällt. Und er habe das Tier dann auch dabei beobachtet, wie es ein Reh so schwer verletzt hat, dass er diesem einen Gnadenschuss versetzen musste. Polizei-Jagdbeauftragter Zilker bestätigt diesen Vorgang. Sauermann richtet einen dringenden Appell an alle Hundehalter: Niemand solle sein Tier in den Wäldern frei herumlaufen lasse, wenn es einer Rasse angehört, die zu den Jagdhunden zählt. „Meine Kollegen und ich werden da auch weiterhin mit Argusaugen dahinter sein.“