Pfaffenhofen: Ernüchterung statt Feierlaune
 
Pfaffenhofen
Es hätte doch alles so schön sein können, und die Voraussetzungen waren ideal: Petrus sorgte für eine laue Sommernacht, die Fußballfestwirte Norbert Stocker, Bernd Weinhart und Antonio Bellanca für Schmankerl und kühle Getränke, die Fans hatten beste Laune und die Security-Leute nichts zu tun. Da war der Sieg gegen den FC Chelsea eigentlich schon beschlossene Sache, und die Zuschauer teilten die Meinung des TV-Kommentators, dass es letztlich nur um ein „Veredeln“ ging: „Bayern spielt exzellent; was noch fehlt, ist ein Tor.“

Auf ein 1:0 hatte Peter Köpf aus Pfaffenhofen getippt, sein Freund Patrick Gürzinger auf ein 2:0 für die Münchener: „Die anderen spielen ja keinen Fußball ned. . .“ Eine rauschende Siegesfeier wollten die beiden auf sich zukommen lassen, obwohl sie doch am nächsten Morgen schon um 5 Uhr früh in den Urlaub starteten. Geplant war, dass Peter und Patrick „so wie wir jetzt sind“ – das heißt in roten Bayern-Trikots und Lederhosen – ins Hotel im Europapark Rust einzogen: „Dann wissen die gleich Bescheid.“ Es sollte anders kommen.

Dicht gedrängt hockten die Fans in der ersten Reihe vor dem riesigen TV-Würfel, dort wo sonst die Wasserfontänen sprudeln, und waren ebenso hoch konzentriert wie die Bayern-Elf: „Chelsea stellt sich schlafend.“ Ohrenbetäubender Jubel schallte nach dem Treffer von Thomas Müller über den Hauptplatz; es schwappte aus den Trinkbechern, kleine Fans waren außer Rand und Band.

Dann schlug London zurück und dem Zuschauer das Herz bis zum Hals: Ein Fußballkrimi erster Güte nahm seinen Lauf. Nervös liefen viele Fans schließlich auf und ab; in einer gelassenen Sitzposition konnten sie das nervenaufreibende Finale nicht mit ansehen: „Und dabei spielen die Bayern doch viel besser!“ Betende Hände wiesen beim Elfmeterschießen in den Pfaffenhofener Nachthimmel: „Es muss, es muss, es muss einfach klappen!“ Wie ein Paukenschlag kam schließlich die Ernüchterung, als Didier Drogba als letzter Chelsea-Schütze für ein Ergebnis sorgte, mit dem kaum jemand gerechnet hatte.

Recht schnell leerte sich der Hauptplatz; beim Siegestaumel der Briten wollte kaum noch jemand auf den Würfel schauen. Fans waren buchstäblich am Boden zerstört; einige blieben wie betäubt noch eine Zeit lang dort sitzen: „Ich kann es nicht fassen.“

Kein Autokorso, kein ausgelassener Zug durch die Gemeinde – Trauertag statt Fußballparty und großes Mitgefühl für die Verlierer: „Der arme Schweinsteiger tut mir so leid!“