Der 70-jährige Unfallverursacher Mansour S. (Name geändert) aus Crailsheim stand jetzt vor Gericht.

Er muss wegen fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs und fahrlässiger Körperverletzung 50 Tagessätze zu je 40 Euro berappen. Außerdem muss er für fünf Monate auf seinen Führerschein verzichten.

Im vergangenen September war ein Polizist der Pfaffenhofener Inspektion in seiner Freizeit auf der B 300 in Richtung Augsburg unterwegs. Auf Höhe der Kreuzung mit der B 13 beobachtete er, wie ein aus Richtung Pörnbach kommender Autofahrer in die B 300 einfahren wollte. „Das kann nicht gut gehen – der ist viel zu schnell“, habe er sich gedacht, gab der Polizist zu Protokoll.

Der Fahrer des entgegenkommenden Autos konnte seinen Wagen wegen der hohen Geschwindigkeit in der Kurve nicht in der Spur halten, fuhr geradeaus weiter, kam ins Schlingern und rammte einen vorbeifahrenden VW-Bus. Durch die Kollision richtete sich der Bus vorn auf, kippte dannauf zwei Seitenräder und fuhr so weiter.

Für den Polizisten war die Schräglage des Busses die Rettung. Denn so kam es nicht zu einem Frontalzusammenstoß: Er konnte unter dem seitlich hochgestellten Teil des Busses hindurchfahren. Kurz darauf kamen alle beteiligten Fahrzeuge zum Stehen.

In seiner Aussage vor dem Pfaffenhofener Amtsgericht erklärte Mansour S. die hohe Geschwindigkeit mit dem Verwechseln von Bremse und Gaspedal. Die maximale Kurvengrenzgeschwindigkeit beträgt laut einem Gutachter an dieser Stelle 62 bis 63 Kilometer pro Stunde. „Wer an dieser Stelle schneller fährt, wird rausgetragen“, sagte er. Tatsächlich hatte der Unfallverursacher laut Gutachter bei der Kollision mindestens 70 Sachen drauf.

Der Fahrer des VW-Busses hatte nach dem Unfall Schmerzen in der Schulter und war eine Woche krankgeschrieben. Es hätte es aber auch schlimmer kommen können. „Ich bin froh, dass ich noch lebe“, sagte er.

Genau deshalb redete die Leiterin des Pfaffenhofener Amtsgerichts, Bettina Gschwilm, dem Angeklagten ins Gewissen. „Sie haben es nur einem glücklichen Zufall zu verdanken, dass der Unfall nicht schlimmer ausgegangen ist“, sagte Gschwilm. „Da hätten auch mehrere Tote auf der Straße liegen können.“

Der Prozess war nötig geworden, weil der Unfallverursacher gegen einen entsprechenden Strafbefehl Widerspruch eingelegt hatte. Er war vor allem mit dem neunmonatigen Entzug der Fahrerlaubnis nicht einverstanden: „Ich brauche den Führerschein beruflich“, sagte der 70-Jährige. Gebracht hat ihm der Widerspruch nicht viel. Seinen Führerschein hatte er schon nach dem Unfall abgeben müssen. Mit den fünf Monaten, in denen er laut Urteil zusätzlich auf seine Fahrerlaubnis verzichten muss, kommt er locker auf neun Monate.