Pfaffenhofen: "Einfach so weggefegt"
Im Rohbau der Tierherberge stimmte die Chemie zwischen Sandra Lob (links) und der Vereinsvorsitzenden Andrea Fuchs noch. Jetzt wurde der Heimleiterin gekündigt - Foto: Bendisch
Pfaffenhofen
Sandra Lob nahm an der Versammlung nicht teil: Sie sieht ihre früheren Freunde und Mitstreiter demnächst vor dem Arbeitsgericht wieder.

Zahlen und Daten rund um den Tierschutzverein und die schmucke neue Herberge an der Weiberrast sollten eigentlich im Mittelpunkt der gut besuchten Veranstaltung am Montagabend stehen; stattdessen wurde die unter dem Punkt „Verschiedenes“ vom Vorstand abgegebene Erklärung, Sandra Lob habe sich „anders orientiert“ zum zentralen Thema. Da kochten die Emotionen hoch, und im Schulungsraum der Tierherberge brannte die Luft.

Paul Ehrenreich, Fotograf und Schöpfer des Tierschutzkalenders (der dem Verein rund 5000 Euro eingebracht hat), bezeichnete das Vorgehen des Vorstandes als übel und charakterlos, die Kündigungsgründe als absolut lachhaft: „17 Jahre hat Sandra Lob in den Tierschutz investiert – jetzt wird sie einfach so weggefegt. Statt Lob und Anerkennung zu bekommen, wird sie in Grund und Boden gestampft.“

Schriftlich werden der früheren Tierheimleiterin mehrfache Missachtung der Arbeitsanweisungen, unerlaubtes Fernbleiben, mangelhafte Mitarbeiterführung, unzureichende PC-Kenntnisse und fehlendes Engagement in der Fortbildung vorgeworfen. Um wie viel Grad müsse sich Sandra Lob gedreht haben, um nun angeblich so mies und unzureichend dazustehen, wollte Sonja Kostinek wissen, die zehn Jahre lang Vorsitzende des Tierschutzvereins war, mit Lob als Vize: „Diese Frau hat Idealismus ohne Ende, großes Einfühlungsvermögen und trägt den Tierschutzgedanken in sich. Selbst als Mutter von ganz kleinen Kindern war sie unermüdlich in Sachen Tierschutz aktiv.“ Ein Herz am rechten Fleck wie bei der nun arbeitslosen Tierheimleiterin müsse sie beim Vorstand ganz entschieden anzweifeln, legte Kostinek noch nach.

Vorstand will abwarten


Andrea Fuchs, Vorsitzende des Tierschutzvereins, überließ ihrem Stellvertreter Rainer Daschner in der Diskussion das Wort, und auch er wollte sich nicht zu den Vorwürfen äußern –„wegen dem sozialen Schutz der Frau Lob“. Man werde warten, bis der anstehende Prozess abgeschlossen sei, und dann alle Mitglieder schriftlich über die Situation aufklären, meinte Daschner. Nur soviel ließ der Zweite Vorsitzende durchblicken: Ihre Vorgabe, sprich die wirtschaftliche Führung der Tierherberge, habe Sandra Lob nicht erfüllen wollen.

Der Vorstand ist inzwischen ganz offiziell auf der Suche nach einer neuen Leitung: „Wir haben auch schon einige Bewerbungen vorliegen, wollen uns aber Zeit lassen, um das Beste zu finden.“ Er sei sicher, dass sich „diese emotionale Sache“ weder vor- noch nachteilig auf die Arbeit in der Tierherberge auswirken werde, betonte Daschner: „Es läuft auch ohne die Frau Lob sehr gut weiter.“ Fest steht, dass nach der Kündigung einige der ehrenamtlichen Mitarbeiter das Handtuch warfen – auch Beisitzerin Beate Weichenrieder legte sofort ihr Amt nieder – und einige neue Kräfte auf 400-Euro-Basis wurden eingestellt. Ehrenamtliche berichteten, dass es an der Weiberrast derzeit „wirklich nicht ganz rund“ laufe.

Gespaltene Lager


Daschners Erklärung – „Wir hätten nichts mehr gewollt, als dass Sandra bleibt und ihre Aufgaben erfüllt“ – wollte ihm die eine Hälfte der in zwei Lager geteilten Versammlung jedenfalls nicht abnehmen. Nach vielen Jahren Kampf sei an der Weiberrast ein Traum, „ein Tierheim vom Feinsten“ in Erfüllung gegangen, erklärte Max Hechinger, Herbergs-Sponsor und FW-Stadtrat, bevor die Diskussion in nicht geleerte Katzenklos abdriftete: „Ich wäre bitter enttäuscht, wenn das durch Streitigkeiten zerstört würde.“ Wenn man mit den Entscheidungen der Führung nicht einverstanden sei, so sei dies vielleicht emotional sehr schmerzlich, letztlich müsse man aber alles tun, um gemeinsam der guten Sache zu dienen. Er selbst habe Sandra Lob als fleißige, tüchtige Tierfreundin kennen- und schätzen gelernt, meinte Hechinger abschließend: „Auf jeden Fall braucht die Tierherberge ein großes Bild von ihr zum Aufhängen, denn ohne ihr Engagement wäre die Vision sicher nicht wahr geworden.“