Gericht - Pano
Pfaffenhofen

Der Vorwurf: räuberischer Diebstahl, Körperverletzung, Sachbeschädigung. Denn Frank P. hatte nicht nur bei seiner Flucht einen seiner Verfolger geschlagen und verletzt, sondern nach seiner Vernehmung, wieder auf freiem Fuß, aus Rache ein Auto zerkratzt.

Ein wenig verschüchtert wirkt der Angeklagte, mit leiser Stimme beantwortet er die Fragen des Richters. Doch er gibt Auskunft und gesteht die Tat. Der Fall hat sich kurz vor Mitternacht in einer Straße abgespielt, die tagsüber anhaltend befahren ist. Doch zur Tatzeit ist kaum noch jemand unterwegs. Frank P. prüft die Autotüren und ist bei einem Pkw erfolgreich: Die Tür ist unverschlossen. Rasch nimmt er alles, was er finden kann. Er stopft seine Hosentaschen mit der Beute voll und benutzt auch noch eine Tasche, die sich in dem Fahrzeug befindet. So nimmt er ein Autoradio, einen USB-Stick, fünf Euro Bargeld, eine Geldbörse, ein Zigarettenetui, eine Telefonhalterung, ein Navi, Schlüssel und drei Handbremsseile an sich, richtet sich auf und will verschwinden. Doch da stehen zwei junge Männer hinter ihm: Sie haben den Dieb auf frischer Tat ertappt. Schnell rufen die Zeugen den Besitzer des Autos herbei, und der fordert Frank P. auf, seine Taschen zu leeren. Leugnen war in dieser Situation zwecklos, zumal aus seiner Hosentasche das Kabel für das Navigationsgerät heraushing. Deshalb ergriff der 23-Jährige die Flucht, doch er kam nicht weit. Einer der Zeugen rang ihn zu Boden. Der Angeklagte schlug ihm mit dem Ellenbogen ins Gesicht, der Verfolger stürzte. Frank P. konnte sich losreißen und rannte davon, mit dem Diebesgut in den Hosentaschen und dem Beutel in der Hand. Doch nach wenigen Metern hatte der Zeuge ihn wieder eingeholt und packte ihn bis zum Eintreffen der Polizei. Durch den Schlag und den Sturz verletzte sich der Verfolger, er trug Prellungen an beiden Knien, der Unterlippe und beiden Ellenbogen davon – daher die Anklage wegen vorsätzlicher Körperverletzung.

Die Polizei vernahm auf dem Revier den Dieb und die drei Zeugen. Frank P. wurde als Erster vernommen – und als Erster auch entlassen. Als die drei Zeugen ebenfalls gehen durften und zum Tatort zurückkamen, staunten sie nicht schlecht: Eines ihrer Autos war beschädigt: Die Motorhaube war mit einem Schlüssel zerkratzt – der Schaden belief sich auf rund 300 Euro. Wie der Angeklagte nun vor dem Schöffengericht erklärte, habe er seinen Frust an dem Wagen ausgelassen: „Ich wollte mich abreagieren – außerdem hatte ich Alkohol getrunken, Bier und Schnaps.“ 1,3 Promille hatte eine Blutprobe ergeben.

Wegen allen Punkten der Anklage – räuberischer Diebstahl, vorsätzliche Körperverletzung und Sachbeschädigung – war Frank P. in der Vergangenheit schon einmal vor dem Jugendrichter gestanden: Sein Strafregister weist sechs Vorstrafen auf, davon fünf einschlägige. Richter Reng dazu: „Die erzieherischen Jugendstrafen hatten keinen Erfolg.“

Beim Urteil, diesmal nach Erwachsenenstrafrecht, wurde Frank P. die Vorstrafen negativ angerechnet. Positiv bewertet wurde sein weitgehendes Geständnis. Das Schöffengericht verhängte eine Gefängnisstrafe von 17 Monaten, setzte den Vollzug aber für drei Jahre zur Bewährung aus. Neben den Auflagen muss er 300 Euro für die Reparatur der Motorhaube zahlen und 500 Euro an „Familien in Not“ überweisen. Der Angeklagte, Verteidigung und Staatsanwaltschaft nahmen das Urteil an, es ist rechtskräftig.