Pfaffenhofen: "Die Zukunft ist dezentral"
Die Sonne als Energiequelle ganz ohne Schattenseiten stellten Fachleute in den Fokus ihrer Empfehlungen zum Auftakt des Energiewende-Kongresses, den der Energie- und Solarverein Pfaffenhofen in seiner dritten Auflage gestartet hat.
Pfaffenhofen
An insgesamt sieben Tagen präsentiert der Energie- und Solarverein Pfaffenhofen in der dritten Auflage dieser Fachwoche rund um die Energiewende. Und diese wird „immer mehr zum Thema der Lokalpolitik“, so Andreas Herschmann als Vorsitzender des Vereins in seiner Begrüßungsrede. Im Mittelpunkt der 50 Präsentationen stehe dabei immer die Möglichkeit der Bürgerbeteiligung und des Bürgerengagements.

Die Umstellung unserer Energieversorgung auf hocheffiziente erneuerbare Energien aus heimischer, naturverträglicher und überwiegend dezentraler Erzeugung waren dann auch die Schwerpunkte im einleitenden Vortrag von Professor Schrimpff. Dieser sprach sich für die vorrangige direkte Nutzung der Sonnenenergie und der Windkraft aus, während Bioenergie und Geothermie nur als Ergänzung dazu dienen sollten. Anhand zahlreicher Beispiele erläuterte der Wissenschaftler seine Vorstellungen dazu.

In diesem Zusammenhang regte er an, als Energiepflanzen eher Zuckerrüben oder eine Roggen-Wicken-Mischung anzubauen, die als weniger störend empfunden würden als Maiskulturen.

Als bedeutsam stellte Schrimpff heraus, dass erneuerbare Energien in Bürgerhand gehörten. „Die Zukunft der Stromversorgung, beziehungsweise der Versorgung mit erneuerbaren Energien, ist dezentral“, betonte er. Die Sonne scheine ja überall und jeder könne sie nutzen.

„Die Kommunen und die Bürger werden das in eigener Hand haben.“ Eine Konzentrierung wie etwa bei Atom- oder Kohlekraftwerken sei damit nicht mehr nötig. Dabei wird sich das Genossenschaftsmodell in der Bürgerbeteiligung durchsetzen, ist Schrimpff überzeugt. Mitmachen bei diesen Modellen sollten alle können. Achten müsse man auf Flächensicherung und auf eine Vorrangstellung der Bürger vor Ort.

Schrimpff empfiehlt unter anderem, für den eigenen Wärmebedarf Solarkollektoren einzusetzen, Photovoltaikanlagen auf minderwertigen Böden zu platzieren, einen eigenen Maschinenpark mit Pflanzenöl statt mit Diesel zu betreiben oder auch auf Elektrofahrzeuge umzusteigen.

Pfaffenhofens Bürgermeister Thomas Herker (SPD) stellte das schon gezeigte Engagement der Stadt rund um die erneuerbaren Energien heraus wie etwa die schon seit Jahren praktizierte Biomasseversorgung, die E-Tankstelle oder die energetische Sanierung. „Die Umsetzung wird irgendwo an der Basis stattfinden müssen, wenn wir nicht wollen, dass sich die großen Konzerne daran beteiligen“, so Herker, der ergänzte, dass Kommune und Bürger damit in der Verantwortung stünden. Einen Schritt in diese Richtung wird die Stadt auch beim Gründungsfest der Bürger-Energiegenossenschaft für den Landkreis Pfaffenhofen am kommenden Freitag gehen. Auch beim Klimaschutzkonzept gehe es vorwärts, am 14. Mai würden im Rathaussaal erste Ergebnisse vorgestellt.

„Diese Messe wird gebraucht. Wenn es nicht in dieser Form ehrenamtlich mit Unterstützung von Sponsorenpassieren würde, dann müsste die öffentliche Hand stärker in Erscheinung treten“, lobte Martin Wolf den Energie- und Solarverein Pfaffenhofen. Der Landkreischef (CSU) sprach sich für die dezentrale und regionale Energieversorgung aus, gab jedoch zu bedenken, dass er als Landrat gebiets- und firmenübergreifend denken müsse.

„Ich bin bestrebt, auch mit den Großen eine gute Partnerschaft zu haben“, sagte Wolf und wies darauf hin, dass Eon Bayern in Irsching eine Gas-Dampfturbine gebaut habe, „die wir über Jahrzehnte noch brauchen werden, um die Lücken zu schließen, die wir regenerativ nicht schaffen“.

Chancen sieht Wolf in der Geothermie, da im Landkreis in einer Tiefe von 500 bis 800 Metern Wasser im niedrigen Temperaturbereich zu finden ist, das für die Nutzung in der Geothermie ideal geeignet sei. Auch komme man in der Windplanung voran, obgleich es mit der Bundeswehr noch Schwierigkeiten gebe wegen einer Höhenmetergrenze von 580 Metern.