Angst vor weiteren Giftattacken und Wut auf den noch Unbekannten steigern sich täglich bei den Hundehaltern und Anwohnern im näheren und weiteren Umkreis von Agelsberg. Einige Giftköder konnten von der Polizei bereits sichergestellt werden. Es droht weiterhin eine nicht zu unterschätzende Vergiftungsgefahr – für Haus- und Wildtiere aber auch für Menschen.

Pfaffenhofen: "Es war so grausam. . ."
Gerettet: Uwe Schulze kann sich freuen, sein Jack-Russel-Terrier Susi überlebte dank schneller Hilfe durch den Tierarzt. - Fotos: Raths
Pfaffenhofen
Unsicherheit und gleichermaßen Empörung löst ein noch unbekannter Giftausleger bei den Hundebesitzern und Spaziergängern in Agelsberg und Reichertshofen aus. Seit Anfang Februar bis vor etlichen Tagen wurden in dem Waldstück Bürgerau (auch als Pucher Wald bekannt) zwischen Agelsberg und Puch acht Hunde vergiftet. Zwei davon starben einen qualvollen Tod. Die Polizei lässt mittlerweile fünf von Hundehaltern und auch Spaziergängern gefundene Köderstücke in einem Speziallabor nach dem noch unbekannten Giftstoff untersuchen.

Matthias Schulze fand gleich zwei manipulierte Blutwurststücke, das kleinere davon nicht größer als eine Zwei-Euro-Münze. Beide lagen an einem Forstweg in "Leinenreichweite", wie Kathrin Schulze bemerkt. Das größere misst etwa drei mal vier Zentimeter.

Hochwirksames Gift

Der Giftstoff an sich ist vermutlich vom Aussehen her ähnlich dem eines dunklen Kaviars – und hochwirksam. Kursierende Spekulationen, es handle sich um klassisches Rattengift, bestätigen sich bisher nicht. Denn auch große Hunde reagierten in relativ kurzer Zeit, nachdem sie auch nur kleinere Köder gefressen hatten, mit markanten Vergiftungssymptomen. Dies deutet eher beispielsweise auf das Mäusegift Crimidin hin, das bei Hunden innerhalb von einer Stunde wirksam wird, schon in gering aufgenommenen Mengen tödlich wirkt, Speicheln, Brechdurchfall, motorische Unruhe, Lähmungen und auch Krämpfe auslösen kann.

Matthias Schulze treibt es noch jetzt die Tränen in die Augen, wenn er an den Tag denkt, an dem seine Hündin qualvoll gestorben ist: "Man fühlt sich erst ohnmächtig, wird dann wütend und ist jetzt extrem misstrauisch." Innerhalb einer halben Stunde, nachdem Mischling Susi den Köder gefressen hatte, sei sie unter Krämpfen – noch auf dem Weg zum Tierarzt – in ihren Armen gestorben, klagt Kathrin Schulze: "Ich habe stundenlang geweint." Matthias Schulze will sich nun aber erst recht nicht mit seinem neuen Hund, wieder aus dem Tierheim geholt, aus der Bürgerau vertreiben lassen: "Ich suche weiterhin nach den vergifteten Wurststücken", bekräftigt er.

Dramatisch wirkte sich der Vergiftungstod des elfjährigen Cairne-Terriers Champ aus. "Meine Frau erlitt einen Nervenzusammenbruch als sie die Qualen von Champ erlebte", berichtet Josef Meier aus Reichertshofen. Ende Februar erwischte es die Hündin beim Gassi gehen. Plötzlich einsetzende Lähmungen der Hinterläufe, fürchterliche Krämpfe deuteten auf eine schwere Vergiftung hin. Bis zum Tierarzt nach Ingolstadt schafften sie es noch, wurde dort behandelt – und starb wenige Stunden danach trotz aller Bemühungen. "Es war so grausam, wie sich Champ vor Schmerzen krümmte", erzählt erschüttert Meier, "und dann die Nachricht, dass Champ gestorben ist." Für die Betroffenen sei das unvorstellbar schlimm, erklärt der Hundefreund. Meier hat inzwischen zahlreiche Warnschilder rund um das betroffene Waldstück angebracht, das sei alles, was er nun noch tun könne.

Zeitfaktor ist entscheidend

Mehr Glück im Unglück hatte der zehnjährige Jack-Russel-Mischling Susi, der erste Vergiftungsfall. Herrchen Uwe Schulze aus Agelsberg bemerkte kurz nach Verlassen der Bürgerau den unkoordinierten Gang des Hundes; dann Hecheln, Zittern, Speichelfluss – schließlich legte Susi im Schmerz ihren Kopf auf die Straße. Dann schleppte sie sich noch 20 Minuten bis zu ihrem Zuhause – sie wollte sich partout nicht tragen lassen. Tierarzt Franz Wolfgang Gumpinger aus Reichertshofen konnte das Tier retten: "In so einem Fall ist der Zeitfaktor entscheidend, also so schnell wie möglich zum Tierarzt!"

Susi bekam ein Brechmittel und erholte sich nach nur einer Stunde. Uwe Schulze kann nicht verstehen, wie jemand zu einer solchen Vergiftungsaktion fähig ist. "Wenn ich den treffe, dann weiß ich nicht was ich tun würde", schimpft Schulze, "so einer bringt auch Menschen in Gefahr."

Extrem enttäuscht ist er von der Reaktion der Geisenfelder Polizeiinspektion (PI) als er dort die vermutete Straftat anzeigte: "Die haben sich anfangs geweigert, meine Anzeige aufzunehmen, wollten mich sogar wegschicken." Dieser Anschuldigung will Norbert Bachmaier, Chef der Polizeiinspektion, noch intern nachgehen und bemerkt zur damaligen weiteren Behandlung des Falles: "Wir haben sofort den Polizei-Hundeführer informiert und uns bei Tierärzten und dem Tierpark Hellabrunn sachkundig gemacht".

"Jedem Stofffetzen läuft er nach, er ist ja so verspielt", beschreibt Werner Benitz aus Karlskron seinen erst sechs Monate alten Sabbat. Der junge Schäferhund konnte ebenfalls gerettet werden, nachdem er einen Giftköder verschluckt hatte. "Eine Stunde nach dem Gassi gehen warf sich Sabbat unter Krämpfen zu Boden", beschreibt Benitz aufgebracht die aufregende Situation. Auch er fuhr sofort zum Tierarzt. Der Hund hatte 40 Grad Fieber, es drohte Lebensgefahr. Nachdem sein Erbrechen künstlich mit einer Injektion hervorgerufen wurde, kam Sabbat an den Tropf. Am darauf folgenden Tag ging es ihm schon besser. "Wie kann das sein, dass er so ein Gift erwischt hat", fragt sich Benitz noch immer und bedauert: "Es gibt – noch – keinen Anhaltspunkt, wer das ist, der so etwas Grausames anstellt."