Pfaffenhofen: "Nicht einmal einen Telefonanruf wert"
Sind verärgert über das Verhalten ihres Pfaffenhofener Amtskollegen Thomas Herker: Der Geisenfelder Rathauschef Christian Staudter (links) und der Wolnzacher Bürgermeister Jens Machold. - Foto: Gegger
Pfaffenhofen

Während Stadt und Landkreis Pfaffenhofen jeweils 40 Prozent der Sparkassenanteile halten, befinden sich je zehn Prozent im Besitz der Stadt Geisenfeld und der Marktgemeinde Wolnzach. Bei den Verhandlungen um eine Fusion der Sparkassen Ingolstadt, Eichstätt und Pfaffenhofen saßen aber weder der Wolnzacher Bürgermeister Jens Machold (CSU) noch Geisenfelds Rathauschef Christian Staudter (USB) im Lenkungsausschuss mit am Tisch. Sie hatten ihren Amtskollegen Thomas Herker (SPD) als bevollmächtigten Vertreter in die Verhandlungsrunden geschickt.

Jetzt mussten die beiden Kommunalpolitiker zur Kenntnis nehmen, dass Herker die Gespräche am vergangenen Freitag mit einem Paukenschlag platzen ließ, nachdem seine Verhandlungspartner nicht bereit waren, seine Forderungen in Sachen Gewerbesteuerverteilung zu erfüllen. Mit seinen Wolnzacher und Geisenfelder Kollegen hatte Herker diesen Schritt nicht abgesprochen, er kam für beide völlig überraschend.

Staudter und Machold, die sich bisher in Sachen Fusion überhaupt nicht beziehungsweise sehr zurückhaltend geäußert hatten, sind wegen Herkers Alleingang so sauer, dass sie gestern gemeinsam an die Öffentlichkeit gingen. Und vor allem Machold redete dabei Tacheles: "Hochgradig verärgert und entsetzt" sei er über Herkers Vorgehensweise, sagte er beim einem Pressetermin im Wolnzacher Rathaus.

Wolnzach und Geisenfeld hätten Herker die Vertretung ihrer Interessen als Anteilseigner "treuhänderisch in den Rucksack gepackt", sagte der Bürgermeister. Offenbar habe Herker bis zu seinem plötzlichen Ausstieg auch gut für die beiden Kommunen mitverhandelt, so Machold: "Die Ergebnisse, die wir aus der Fusion gehabt hätten, waren gerade auch unter dem Stichwort Zukunftsfähigkeit des Unternehmens akzeptabel". Von Herker als Sachwalter für Wolnzach und Geisenfeld hätte man aber erwarten können, dass er die letzte Sitzung des Lenkungsausschusses "mit dem gebotenen Stil und Anstand zu Ende bringt", so Machold. Dann hätte er im Verwaltungsrat seine Position erläutern und erklären können, warum er der Fusion nicht zustimme. Machold: "Das ist aber nicht so gelaufen, sondern er hat vorzeitig die Sitzung verlassen, dann die Presse und die Fraktionssprecher im Stadtrat informiert. Wir als Anteilseigner, als seine Kollegen im Verwaltungsrat und als Bürgermeister waren nicht einmal einen Telefonanruf wert." Machold und Staudter machen keinen Hehl daraus, dass dieses Verhalten das Verhältnis nicht nur zu Herker, sondern auch zwischen den Kommunen für die Zukunft belasten wird. Machold: "Ich werde nie wieder bereit sein, einem Thomas Herker ein Verhandlungsmandat auch für den Markt Wolnzach zu geben." Der Pfaffenhofener Bürgermeister habe ihn und seinen Geisenfelder Kollegen in eine unhaltbare Situation gebracht", wetterte Machold, der sich "verschaukelt" fühlt.

Staudter wird beim Blick zurück ebenfalls deutlich. Bei der letzten Sitzung des Verwaltungsrates habe man verschiedene Modelle zur Gewerbesteuerverteilung durchgespielt und die Pfaffenhofener Sicht der Dinge unterstützt. Die dabei erarbeitete Position wäre seines Erachtens auch im Lenkungsausschuss verhandelbar gewesen, so Staudter. Aber: "Herker ging dann mit einer ganz anderen Strategie und mit ganz anderen Forderungen in die Ausschusssitzung. Das ist ein Ding der Unmöglichkeit. Das kann es gar nicht geben", schimpft der Geisenfelder: "Für was sitzen wir denn dann im Gremium und besprechen alles, wenn dann einer hergeht und was ganz anderes macht. Da platzt einem der Kragen." Herkers "unmögliches Verhalten" und sein Ausstieg aus den Verhandlungen "hat uns die Chance genommen, überhaupt noch miteinander ein vernünftiges Ergebnis erzielen zu können," so Staudter.

Der Geisenfelder Bürgermeister ist ebenso wie der Wolnzacher Rathauschef überzeugt, dass das Thema Gewerbesteuerverteilung "viel zu hoch gehängt" wurde, hier hätte man nach Ansicht von Staudter und Machold bei gutem Willen mit Sicherheit einen gangbaren Weg finden können. "Durch die Zahlen lässt sich der Ausstieg nicht erklären," bringt Machold seine Sicht der Dinge auf den Punkt: "Wir sind da bewusst getäuscht worden". So habe doch Herker bei der jüngsten Verwaltungsratssitzung selbst eingeräumt, dass die zuletzt in Ingolstadt offerierten Zahlen absolut gesehen nicht nachteilig für Pfaffenhofen gewesen wären. Bei den Verhandlungen sei es viel zu wenig darum gegangen, für die Sparkasse, deren Mitarbeiter und Kunden eine tragfähige und zukunftssichere Basis zu bauen, sagte Staudter: "Man hat das Ganze zu viel aus der politischen Brille gesehen, die Interessen des Unternehmens Sparkasse wurden auf dem Altar der politischen Eitelkeiten geopfert."

Jetzt stehe man vor einem riesigen Scherbenhaufen und werde sich angesichts der Vorgänge rund um die Fusionsgespräche schwer tun, künftig noch Verhandlungspartner für einen Zusammenschluss zu finden, glauben die beiden Bürgermeister - und hier nimmt Christian Staudter auch Pfaffenhofens Altbürgermeister Hans Prechter (CSU) ins Visier, der sich voll hinter Thomas Herker gestellt und einige Giftpfeile in Richtung Ingolstadt abgeschossen hatte: "Der muss doch wissen, wie solche Verhandlungen laufen und dass das ein Schlag ins Kontor war. Ich muss doch so viel Ehrgefühl haben, dass ich mich nicht in dieser Weise äußere oder mich möglicherweise vor einen Karren spannen lasse."

Staudter und Machold belassen es nicht bei harscher Herker-Schelte, sondern wollen ihrer Kritik am Verhandlungsstil des Pfaffenhofener Bürgermeisters Taten folgen lassen: Sie hätten als Anteilseigner bisher stillschweigend toleriert, dass aus den Vereinigten Sparkassen des Landkreises allmählich die Pfaffenhofener Sparkasse geworden sei, die Herker offensichtlich als "seine" Stadtsparkasse betrachte. Auch habe man im Interesse des Gesamtinstituts nie Einwände erhoben, wenn etwa Personal aus Wolnzach oder Geisenfeld abgezogen wurde, obwohl sich dies auf die Lohnsumme und damit auf die Gewerbesteuerzahlung auswirkte. Und während Pfaffenhofen siebenstellige Gewerbesteuerzahlungen erhalte, lägen Geisenfeld und Wolnzach hier doch nur im fünfstelligen Bereich. Jetzt werde man aber Herkers Beispiel folgen und im Verwaltungsrat gemeinsam den Antrag stellen, dass auch bei der Pfaffenhofener Sparkasse die Gewerbesteuer künftig nicht mehr auf der Basis der Lohnsummen, sondern der Wertschöpfungsströme verteilt werde - so wie es Herker bei den Fusionsgesprächen in Ingolstadt eingefordert habe. Machold: "Wir wollen das Gleiche haben, was Pfaffenhofen von anderen fordert und was uns zu keinem Zeitpunkt auch nur ansatzweise gewährt wurde." Die genauen Folgen einer solchen Neuregelung müssten noch geprüft werden, aller Voraussicht nach könnten Wolnzach und Geisenfeld aber bei einer solchen Umstellung mit sechsstelligen Gewerbesteueranteilen rechnen.