Windparks statt "Verspargelung"
Pfaffenhofen (PK) Windräder sind das beherrschende Thema auf dem Weg zur Energiewende. Am Donnerstag wird das Windgutachten den Bürgermeistern vorgestellt – und im Vorfeld erklärt Landrat Martin Wolf (CSU) im PK-Interview, was es damit auf sich hat.

Auf den Höhenzügen im Landkreis-Süden sollen wie hier bei Sünzhausen noch weitere Windkraftanlagen errichtet werden - Foto: oh
Martin Wolf: Die Überlegungen zur Windkraft sind weiter gereift, die Diskussion wird nicht mehr so hitzig geführt. Wenn sich aber Bewohner berührt fühlen, ist trotzdem mit kontroversen Diskussion und Widerständen zu rechnen.
Und wie wollen Sie dem entgegenwirken?
Wolf: Wir werden offen informieren. Überraschende Aktionen wird es nicht geben. Wir sind dazu da, so viel Aufklärung wie möglich zu leisten. Entscheidend ist die gemeindeübergreifende Planung, die wir mit der Windflächenpotenzialanalyse angestoßen haben. Wir wollen optimale Standorte finden. Wir dürfen nicht erst die Planung abschließen und dann feststellen, dass es an dieser Stelle gar nicht geht.
Am Ende der Planung steht dann welches Ziel?
Wolf: Pfaffenhofen will einen Beitrag zur Stromversorgung durch Windkraft auf eigenem Gebiet leisten. Auf diesem Weg will ich keine fixe Zielgröße vorgeben. Aber wenn es in Bayern bald 1500 Windräder geben soll, trifft es jeden Landkreis mit 20 bis 25 Stück – und es sollte uns möglich sein, zumindest dieses Level zu erreichen.
Bisher sind die Inhalte des brandaktuellen Standortgutachtens aber ein gut gehütetes Geheimnis.
Wolf: Die Analyse bleibt vorerst nicht-öffentlich, um keine auswärtigen Großinvestoren anzulocken, die die Lage nur aus Anlegersicht beurteilen.
Geht die Tendenz zu Einzelanlagen und damit zu einer Verzahnstocherung der Natur? Oder soll es Ballungsgebiete geben?
Wolf: Wir versuchen Plätze für Kleinparks mit zwei bis vier Windrädern. Große zusammenhängende Gebiete, die geeignet sind, haben wir nicht. Trotzdem liegt mir daran, dass wir uns auf klare Windkraftstandorte einigen, die fest zur Landkreisstruktur gehören. Das Problem ist, dass die Windräder untereinander einen Mindestabstand bis zu 600 Meter benötigen. Enger geht nicht, da sonst Windverwirbelungen entstehen und die Leistung nachlässt.
Können Sie uns denn im Groben verraten, wo Windkraft im Landkreis Sinn macht?
Wolf: Ganz im Norden, jenseits der Donau. Außerdem könnte es eine Südsichel geben. Die Höhenzüge im südlichen Landkreis, die wie eine Sichel von Ost nach West laufen, könnten geeignet sein. Da zeichnet sich etwas ab. Problematisch ist hingegen die Nähe zum Manchinger Flughafen, wo die Bundeswehr Einwände erhebt.
Am Donnerstag halten die Bürgermeister die Ergebnisse der Standortanalyse in Händen. Wie gehen diese dann weiter vor?
Wolf: Sie können in die Positivplanung eintreten und eine Art Flächennutzungsplan aufstellen. Bestehende Pläne werden dabei nicht aufgegriffen, sondern sogenannte Teilnutzungspläne erstellt. Darin kommt zum Ausdruck, wo die Gemeinde ein Windrad haben will, und wo nicht. In dem Verfahren muss der Plan öffentlich ausgelegt werden. Dann wird für jeden sichtbar, wo Windkraft entstehen kann.
Spätestens dann beginnt das Geschachere und die Spekulation um die ausgewiesenen Flächen. Wie wollen Sie das verhindern?
Wolf: Durch die nichtöffentliche Behandlung des Themas. Die Bürgermeister haben die Möglichkeit zu intensiven Vorgesprächen. Sie können vorfühlen, ob der Eigentümer etwas geschehen lässt oder sich selbst beteiligen will. Nur so können wir Investoren von außen weitgehend ausschließen und die Flächen sichern.
Warum sind externe Anleger so gefährlich?
Wolf: Weil die Rendite dadurch aufgesplittet wird und das Windrad nicht kostendeckend betrieben werden kann. Zunächst sichert sich jemand die Fläche, dann verkauft er sie an einen Fonds weiter, der Investoren sucht. Diese nutzen das Windrad als Abschreibungsprojekt. Wenn es nebenbei Geld abwirft, ist das nur ein Zubrot. Auf dem Weg ziehen mehrere Stellen Geld aus dem Windrad. Wenn es nach zwei, drei Jahren nicht mehr läuft und es keiner repariert, weiß niemand mehr, wer zuständig ist. Wir hätten keine Handhabe mehr – eine hochbrisante Situation.
Der Königsweg sieht anders aus?
Wolf: Auch wenn das der freien Marktwirtschaft nicht ganz entspricht: Wir wollen möglichst viele eliminieren, die Geld aus dem Topf nehmen, bevor das fertige Windrad läuft. Es macht nur Sinn, wenn der Erstinvestor die Anlage auch betreibt und Rendite macht. Es kommt darauf an, die Vorplanung auf den Weg zu bringen, damit später nicht der große Knall kommt.
Haben den Einzelinvestoren nach wie vor die Möglichkeit, ein Windrad zu bauen?
Wolf: Das ist nicht unser direktes Anliegen, aber es ist nach wie vor möglich. Wir können es nicht verhindern, und wir wollen das auch nicht. Denn wir brauchen die Investoren aus der Region. Die Landwirte sollen mit der Energieerzeugung Geld verdienen können.
Die Landwirte investieren selbst, auswärtige Investoren lauern an der Landkreisgrenze. Haben die Bürgergenossenschaften denn so überhaupt eine Chance auf ein Stück vom Kuchen?
Wolf: Sehr große Chancen sogar. Es wird verschiedene Finanzierungsmodelle geben. Eines davon ist die Genossenschaft – Hauptsache wir finden Investoren und Teilhaber.
Wer kann sich beteiligen?
Wolf: Im Grunde genommen jeder, unter anderem auch Kommunalunternehmen wie Pfaffenhofener Stadtwerke. Eine konkrete Anfrage gibt es von den Stadtwerken Ingolstadt. Auf deren Boden ist nichts möglich, aber sie würden gerne in Windkraft in der Region investieren, nicht in Spanien.Und mir sind Geldgeber aus der Umgebung sympathischer als internationale Investoren ohne Gesicht.
Und die einzelnen Bürger?
Wolf: Wären in meinen Augen in einer Landkreis-Genossenschaft am besten aufgehoben. Dadurch würden sich die Anteile, die Chancen und auch die Risiken optimal verteilen. Manche denken, dass dieses Geld aus der Region reicht. Skeptiker zweifeln daran, dass die Bürger bereit sind, solch hohe Summen lokal zu investieren.
Wann wird der Plan für alle einsehbar sein?
Wolf: Wenn die Gemeinden sagen, dass sie soweit sind. Dann ist es besser, den Plan nicht häppchenweise zu veröffentlichen – sondern in einem Aufwasch. In einem halben Jahr könnte es soweit sein.
Ist es zu verhindern, dass einzelne Landwirte ein doppeltes Spiel spielen, doch nur die eigene Rendite im Hinterkopf haben und mit auswärtigen Investoren kooperieren?
Wolf: Ganz verhindern lässt sich das vermutlich nicht. Da ist viel Überzeugungsarbeit nötig, Vorverträge, das Geschick der Bürgermeister. Aber wenn einer ausgetrickst wird, ist es eben so. Wir versuchen dieses Risiko zu minimieren – und wir haben einen guten Stand, weil wir vergangenen Sommer schnell reagiert haben.
Welche Abstände zur Wohnbebauung sollen denn eingehalten werden?
Wolf: Im bayerischen Winderlass stehen 800 Meter zu Wohnhäusern, 500 Meter zu Mischgebieten und 300 Meter zu Gewerbegebieten. Das ist schon sehr stramm. Wir haben die Diskussion mit einem Kilometer geführt. Aber wenn wir damit nicht genügend Standorte finden, müssen wir wohl weiter runter. Falls ein einzelner Investor gegen die Planung klagen würde und unsere Argumentation nicht sattelfest ist, kann er alles über den Haufen werfen. Diese Analyse ist nur eine planerische Hilfestellung, aber keine Garantie.
Kurzes Fazit aus Ihrer Warte: Chance oder Risiko?
Wolf: Chance, ganz klar! Es gibt nichts zu verlieren. Selbst wenn man uns die Planung zerschießt, sind wir zumindest wieder beim Status quo. Dann kann theoretisch wieder an jedem Standort ein Windrad entstehen – mit allen Problemen. Dann ist das Landratsamt eine reine Staatsbehörde, die sich nicht wehren kann, weil die Gesetzeslage gilt.
Von Michael Krausund Patrick Ermert
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