An Guadn!
Pfaffenhofen (PK) Christkindlmarkt-Besucher wissen es: Die längsten Schlangen bilden sich stets an den Verpflegungsständen. Gebrannte Mandeln, Bratwurst und Glühwein sind jedoch ein alter Hut. Die neuen Stars am kulinarischen Weihnachtshimmel heißen Bosna, Soljanka oder bayerischer Döner.

Auf dem Pfaffenhofener Christkindlmarkt ist für jeden Geschmack etwas geboten – ob die würzige Bosna (links), der bayerische Döner von Johannes Polzmacher (oben rechts) oder ein süßer Crêpe am Stand von Michaela Lembcke. - Fotos: Petri
Wie wäre es zum Beispiel mit einer kräftigen Soljanka, stilecht mit einem Klecks Sahne und einer Zitronenscheibe im Brotlaib serviert? Die russische Suppe mit Wurst, Paprika, Tomate, Gurke und Zwiebeln wärmt bis in die Fußspitzen. Am Stand bei Verkäuferin Alexandra Skasa herrscht Hochbetrieb. „Normal haben wir immer einen Vorrat an Brot. Doch heute ist offenbar Suppentag“, sagt sie, während sie einen kleinen Laib aushöhlt.
Doch bei Skasa gibt es nicht nur Suppe: Eine Dame verlangt nach einer Thüringer Bratwurst. „Sie brauchen die nicht durchzuschneiden. Ich bin aus Weimar, da essen wir die ganz“, sagt sie lachend – und die Verkäuferin erfüllt den Wunsch gerne.
Gegenüber lockt Johannes Polzmacher mit bayerischem Döner – und sorgt mit seinen Entertainer-Qualitäten für beste Stimmung bei den Wartenden. Gekonnt säbelt er knusprige Stücke vom Dönerspieß aus Schweinefleisch, Rindfleisch und Leberkäsbrät. „Das kommt in den Brezenfladen, eine patentierte Erfindung. Dann noch eine Senf-Sahne-Merrettich-Soße – nicht scharf –, Weißkraut und eingelegte Zwiebeln, damit man nicht aus der Goschn stinkt“, erklärt er unter dem Gelächter der potenziellen Käufer.
Die lassen sich von möglichen Gerüchen nicht abschrecken: Der bayerische Döner findet reißenden Absatz.
Das Speisenangebot auf dem Pfaffenhofener Christkindlmarkt ist damit allerdings längst noch nicht erschöpft: Im eigenen Steinofen gebackene Flammkuchen – mit Speck und Zwiebeln, mit Pilzen oder sogar vegetarisch – werden auf Holzbrettern serviert. Einige Stände weiter warten Schupfnudeln mit Kraut und Speck oder die feurige Bosna-Wurst auf ihren Verzehr. Die Bosna gibt es wahlweise würzig (mit Paprika-Zwiebel-Soße) oder scharf (mit Chilisoße).
Selbstverständlich kommen auch die Liebhaber traditioneller Christkindlmarkt-Spezialitäten in Pfaffenhofen auf ihre Kosten: Neben den innovativen Produkten gibt es immer noch altbewährte Schmankerl wie Früchte in Schokoladenglasur, gebrannte Mandeln oder Steaksemmeln zu kaufen.
Wenn jemand das kulinarische Angebot des Pfaffenhofener Christkindlmarkts bewerten kann, dann ist es Michael Rittmeier. „Ich bin Weihnachtsmarktexperte“, sagt er mit einem Augenzwinkern. Beruflich sei er viel unterwegs und nach Feierabend dann bisweilen auf den Märkten – heuer unter anderem schon in Straßburg, Ulm und Donauwörth.
Der schönste sei in Straßburg, aber „Pfaffenhofen hat auch was“. Überzeugt hat Rittmeier vor allem die hiesige Bärlauchbratwurst: „Ich bevorzuge eher regionale Speisen.“ Warum steht er dann in der Schlange am Crêpes-Stand, einer süßen französischen Pfannkuchen-Spezialität? Alles Auslegungssache: „Man kann ja behaupten, ein Crêpe sei ein flach gedrückter Kaiserschmarrn“, sagt er schelmisch.
Ob klassische Spezialitäten, europäische Genüsse oder gar eine Kreuzung aus beidem – ein Weihnachtsmarkt ist ganz sicher nichts für Diätbewusste. Wer es darauf anlegt, kann vor dem Fest also schlemmen, was der Magen verträgt. Fragt sich nur, wo an den Festtagen der Weihnachtsbraten noch hinpassen soll.
Von Alexander Petri
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