Pfaffenhofen: "Ein politischer Komiker, kein komischer Politiker"
Florian Simbeck wurde von den Vertretern der SPD-Kreisverbände Pfaffenhofen und Freising zum Bundestagsdirektkandidaten gekürt – ohne Gegenstimme - Foto: Paul
Pfaffenhofen
Pfaffenhofen (PK) Der Schauspieler Florian Simbeck ist Direktkandidat der SPD im Stimmkreis 215 für die Bundestagswahl 2013. Vertreter der Kreisverbände von Pfaffenhofen und Freising kürten ihn mit 49 von 52 abgegebenen Stimmen bei zwei ungültigen Voten und einer Enthaltung.

Es ist wohl eine Wanderung auf einem schmalen Grat: Seine Bekanntheit verdankt der in Reichertshausen lebende Simbeck vor allem seiner Rolle als „Stefan“ im Proleten-Duo „Erkan & Stefan“. Knapp zehn Jahre war er damit erst auf der Bühne, dann im Radio und schließlich auch im Kino erfolgreich. Doch die Politik erfordert ein Maß an Seriosität, bei dem die Rolle eines Typen mit fettem Goldkettchen, verkehrt herum getragenem Basecap und Sprüchen wie „Voll das krasse Bunny!“ eher schaden könnte.

Betont seriös, mit schwarzem Anzug, weißem Hemd und dunkler Hornbrille, tritt er am Donnerstagabend in Schweitenkirchen vor die Parteimitglieder, um sich vorzustellen. Seine Frau und die beiden Kinder sitzen mit im Publikum. Simbeck ist der einzige Kandidat und das wohl vor allem deshalb, weil der Pfaffenhofener SPD-Kreisvorsitzende Markus Käser ein Freund unkonventioneller Ideen ist. Im Internet, bei Facebook, habe man sich kennen gelernt, berichtet der Bewerber, erst über alles Mögliche gechattet, irgendwann auch über Politik, und schließlich habe ihn Käser irgendwann gefragt, ob er sich eine Kandidatur vorstellen könne.

Simbeck ist ziemlich aufgeregt an diesem Abend. Die Routine desjenigen, der im Apparat aktiv ist, fehlt ihm noch. Erfahrungen aus einem Stadt- oder Gemeinderat hat er nicht und hält sie auch „nicht für notwendig“. Die Modulation, die Gestik, die Art zu sprechen, machen aber klar: Hier steht – noch – ein Polit-Azubi. Das wirkt zwar einerseits ganz charmant, lässt aber auch eine gewisse Skepsis aufkommen, ob er genau weiß, auf was er sich eingelassen hat. Seine Bewerbungsrede klingt engagiert, teilweise aber auch holprig und mehr als einmal droht er, den roten Faden ein wenig zu verlieren.

Das Soziale soll sein Thema im Parlament werden – Mindestlohn, Rente, Kinderbetreuung, solche Sachen halt. Am Herzen liegt es ihm, das spürt man. Aber eine stringente Argumentationslinie, eine fundierte Attacke auf die politische Konkurrenz, die fehlt ihm noch. Doch die anwesenden Genossen scheinen es gut Simbeck zu meinen, geben ihm mit spontanem Applaus mehrmals Sicherheit zurück. „Ich möchte ein politischer Komiker sein, kein komischer Politiker“, versichert Simbeck dem Publikum. Er scheut auch nicht davor zurück, sich ein wenig bei der Basis anzubiedern mit der Bemerkung, er hätte auch gegen Franz Josef Strauß und das AKW Wackersdorf demonstriert – wenn er denn nur etwas älter gewesen wäre. Und als Künstler könne man auch nur politisch links sein und „niemals in eine konservative Partei eintreten“. Aber vielleicht gehört ja der Griff in die Mottenkiste der politischen Feindbilder als nostalgisches Element zu einer SPD-Veranstaltung einfach dazu.

Sehr authentisch und anrührend sind die Passagen, als Florian Simbeck über seinen persönlichen beruflichen Werdegang spricht, die existenziellen Nöte nach dem Ende von „Erkan & Stefan“, den massiven Karriereknick, die prekären Beschäftigungsverhältnisse in der Schauspielbranche, die ständige Angst vor dem sozialen Absturz.

Mit ihrem ungewöhnlichen Kandidaten dürfte der SPD im Wahlkampf öffentliche Aufmerksamkeit also gewiss sein.