Pfaffenhofen: "Du bist nicht schuld"
Online für eine gute Sache: Jenny Träger (von links), Kilian Schöller und Rebecca Erbar gehören zu den Scouts, die Jugendlichen bei Problemen auf der Plattform „Juuuport“ zur Seite stehen - Foto: Zurek
Pfaffenhofen
Seit Februar sind Jenny Träger, Kilian Schöller und Rebecca Erbar bei dem Juuuport-Projekt (siehe auch Infokasten) aktiv. Sie haben, wie sieben andere Schüler und Azubis aus dem Landkreis, eine spezielle Ausbildung absolviert (PK berichtete) und erzählen stellvertretend für die Gruppe von ihren Erfahrungen.

Anderen „bei Problemen zu helfen, die wir selber grad erst hatten“, das ist, wie sie unisono erklären, der Hintergrund für ihr Engagement. Und an Anfragen hierfür mangelt es nicht. Die Bereiche, in denen man sie um Rat bittet, umfassen im Grunde vom Liebeskummer bis zum technischen Detail alles, was junge Menschen in einem gewissen Alter so bewegt. „Aber Mobbing ist ein großes Thema“, hat Rebecca in der virtuellen, wie in der realen Welt „ganz übel“ erlebt. Für die zukünftige Erzieherin ist Juuuport eine „faszinierende Möglichkeit“ den Betroffenen den Rücken zu stärken.

Kilian hat bereits einige Mails bearbeitet, in denen Jungs oder Mädchen zunächst „real life“ und dann in der Cyberwelt gemobbt wurden. „Am meisten plagt die Betroffenen der Zweifel ,bin ich vielleicht selber schuld’“, erzählt der 17-Jährige. „Bevor ich einem solchen Jugendlichen antworte, überlege ich an der Formulierung sehr lange und versuche Standardfloskeln zu vermeiden“, betont Kilian, wie wichtig es ist, auf die Person einzugehen. Im Kern ist die Botschaft aber immer: Das Opfer trifft keine Schuld, es wird oft willkürlich ausgewählt.

Beim anonymen Chatten „müssen wir mit viel Gespür herausfinden, wie alt unser Gegenüber ist, um auch den richtigen Tonfall zu wählen“, weiß Rebecca, die das Einfühlen in die Situation des Gesprächspartners als „Kopfkino“ bezeichnet.

Jenny hat ebenso wie ihre Teamkollegen häufiger mit Fällen zu tun, bei denen „über die Opfer Gerüchte gestreut werden, gegen die sich diese vergeblich zu wehren versuchen“. Nicht selten verbreiten die Täter zudem im Namen des Opfers ohne dessen Wissen Negatives über andere. Die Rache der Diffamierten bekommen dann wiederum die Opfer zu spüren. Auf den oft nur aus Jux praktizierten Identitätsklau sollten Betroffene sofort reagieren, so die Scouts. „Wir ermutigen dazu, gleich klarzustellen, dass hier jemand die fremde Identität missbraucht“, sagt Kilian. Viele der Jugendlichen landen erst im zweiten Anlauf bei Juuuport. „Sie haben sich bereits an Eltern oder Schule gewandt und fühlten sich da nicht verstanden“, erklärt Rebecca. Vor allem der vorgeschlagene oder vollzogene Schulwechsel werde von manchem Gemobbten als Flucht und Eingeständnis der Machtlosigkeit empfunden. Die Angst des Versagens, die Selbstvorwürfe bleiben – zumal ja gerade bei Cybermobbing keinerlei örtliche Schranken gegeben sind. Aus vielen Rückmeldungen hätten sie erfahren, dass gerade der positive Zuspruch „du bist nicht schuld“ und die Erkenntnis, dass man auch anonymen Internetmobbern das Handwerk legen kann, für Viele hilfreich waren.

„Wir erklären, wie man sich am besten an Administratoren und Betreiber von Plattformen wendet, um Mobber sperren zu lassen“, gibt Kilian ein Beispiel. Und ergänzt: „Straftaten werden auch im Internet geahndet, und wenn man Anzeige erstattet, wird die Person des Täters aus der Anonymität geholt“. Wichtig sei es, den Betroffenen klar zu machen, dass das kein Petzen sei, sondern eine legitime Art der Selbstverteidigung. Als tröstlich werde von vielen auch empfunden „dass wir in Kontakt bleiben“, sagt Rebecca. Dazu komme, dass oft in den Foren andere User von ihren Problemen und von erfolgreichen Strategien berichten, was einfach Mut macht und zeigt „ich bin mit meiner Situation nicht allein“.