Das Baugebiet Nord-West in Steinkirchen beschäftigte den Gemeinderat - denn einige Bauherren fürchten, wegen der Hanglage nicht genug Wohnraum bauen zu können.
Das Baugebiet Nord-West in Steinkirchen beschäftigte den Gemeinderat - denn einige Bauherren fürchten, wegen der Hanglage nicht genug Wohnraum bauen zu können.
Straßer
Reichertshausen

Den Hintergrund bildeten etliche Fragen, für die es laut Gemeindechef Reinhard Heinrich (CSU) in Zusammenhang mit den Bauplänen der Bauherren und auch seitens einiger Gemeinderäte Klärungsbedarf gegeben hatte. Ursula Burkart vom Planungsbüro Wipflerplan erläuterte die Eigenheiten des Baugebiets, dessen Hanglage bei einzelnen Grundstücken eine Höhendifferenz von mehr als drei Metern aufweist. Außerdem liege die vorhandene Bebauung deutlich tiefer als das Planungsgebiet, was aus städtebaulichen Gründen hinsichtlich der Höhenlage wie auch der Höhenentwicklung der Gebäude zu berücksichtigen sei, erläuterte die Architektin.

Die Erschließung ist mittlerweile fertig gestellt, "die liegt sauber im Gelände", so Burkart. Ziel der Planung war, von der Straße aus eine "harmonische Situation" zu erreichen. Das aber bedingt eine Einbindung der Rückseiten der Häuser in den Hang, was eine durchaus normale Situation in derartigen Lagen ist, betonte Burkart. Das Untergeschoss mit Einbindung in den Hang sei ein Vollgeschoss, darüber ein weiteres Vollgeschoss, nicht aber das Dachgeschoss.

Allerdings befriedige das nicht die Wünsche aller Bauherren, die einen größeren Raumbedarf benötigen und das Dachgeschoss mehr nutzen wollen. In etlichen Gesprächen mit Bauherren und deren Architekten habe Wipflerplan nach Möglichkeiten gesucht, "ohne in die Grundzüge der Planung einzugreifen, das wäre fatal", so Burkart. Ein Dachgeschoss als Vollgeschoss würde die ganze Höhenentwicklung massiv verändern, was aus ortsplanerischer Sicht nicht zu vertreten wäre, bemerkte Burkart.

Das rief Gemeinderat Konrad Moll (UWG) auf den Plan, der monierte, dass die Untergeschosse als Vollgeschosse gelten, obwohl die in den Hang hinein gebaut werden. Für ihn seien das Keller. "Das hat der Gemeinderat so nicht beschlossen", stellte er fest und schlug vor, das Thema im nichtöffentlichen Teil zu besprechen. Dazu bestehe keine Veranlassung, erwiderte Heinrich, und Klaus König (CSU) verwies auf den Beschluss des Gemeinderats, der inhaltlich den Bauherren Spielräume innerhalb der Höhenfestlegungen ermögliche, aber nicht detailliert Keller- oder Vollgeschosse enthalten hatte.

Im Zuge der Diskussion machte Erwin Renauer (UWG) deutlich, dass unterschiedliche Begriffsdefinitionen zu den Missverständnissen geführt haben. Was Architekten und das Baurecht unter "Vollgeschoss" verstehen, "heißt nicht, dass es rundum frei zu sein hat", fügte Heinrich hinzu und verwies auf die Hanglage oberhalb der Angerhofstraße, deren Häuser alle unten ein Vollgeschoss aufweisen, das zu einem großen Teil in den Hang hinein gebaut ist.

Nach einzelnen Gesprächen mit von Bauherren beauftragten Architekten aber hatte Wipflerplan nach Lösungen gesucht, die deren Vorstellungen näher kommen, ohne die Grundzüge der Planung gravierend zu verändern. Laut Burkart wäre vertretbar, die Dachneigung nicht festzulegen, ohne aber ein Vollgeschoss zuzulassen. Bei zwei Vollgeschossen wären auch Dachaufbauten denkbar, um den Dachraum besser nutzen zu können. Außerdem werde man "die Höhenfestsetzungen auf ihre Plausibilität hin erneut überprüfen und vielleicht noch um einige Zentimeter korrigieren".

Bauamtsleiter Manfred Thurner unterstrich die vorgeschlagenen Änderungen, die seitens der Bauherren und Planverfasser begrüßt würden. "Der Souverän ist der Gemeinderat", stellte Heinrich fest, und der könne Änderungen beschließen. Die lauteten auf eine erste Änderung des Bebauungsplanes Steinkirchen analog der Vorschläge von Wipflerplan im vereinfachten Verfahren, insofern das Landratsamt zustimmt. Dem folgten die Gemeinderäte mit Gegenstimmen von Benjamin Bertram-Pfister und Konrad Mayer (beide SPD).