Im Gespräch mit den Gläubigen stellte sich Weihbischof Florian Wörner auch kritischen Fragen.
Albert Herchenbach
Pfaffenhofen

Er habe viele Gespräche führen und dabei "viel Liebe zu den Menschen" spüren können, sagte Wörner (kleines Foto) als Fazit seines Besuchs. Mit einem festlichen Pontifikalamt und einem Gespräch mit Gemeindemitgliedern im Pfarrheim beendete der Augsburger Weihbischof seine dreitägige Visitation in Pfaffenhofen.

Bis in die Seitengänge standen die Gottesdienstbesucher. Fahnenabordnungen katholischer Verbände, von Kolping, der Katholischen Arbeitnehmerbewegung, des Katholischen Landvolks und des Frauenbunds hatten im Altarraum zudem ihre festliche Aufstellung genommen. Organistin Alice Köstler-Hösl aus Scheyern wurde bei der musikalischen Umrahmung des Festgottesdienstes kräftig unterstützt vom Bläserensemble Quattro Stagioni.

Pfarrer Albert Miorin begrüßte den Weihbischof mit den Worten "Lieber Florian" zum Höhepunkt seiner dreitägigen Visitation in der Kreisstadt. Wörner dankte dem "lieben Albert" - die beiden Geistlichen kennen sich aus ihrer Zeit als Jugendpfarrer in Oberbayern schon lange - für die "angenehme, achtsame und wertschätzende Atmosphäre" während der drei Tage in Pfaffenhofen, in denen er viele Gruppen kennenlernen durfte und sich ein Bild von der Situation in der Stadt und der Pfarrei machen konnte. Es sei die wichtigste Aufgabe eines Weihbischofs, die Gemeinden zu besuchen. Die letzte Visitation läge zwölf oder gar 13 Jahre zurück. Vom Kirchenrecht vorgeschrieben ist ein Turnus von fünf Jahren, was allerdings vom Bistum Augsburg mit rund 1000 Pfarreien unmöglich eingehalten werden könne. 17 Pfarreien hat Wörner im vergangenen Jahr besucht, Pfaffenhofen ist im neuen Jahr die erste von neun Gemeinden, die er insgesamt im Jahresverlauf aufsuchen werde.

Zuvor wurde als Höhepunkt seiner Visitation ein Pontifikalamt gefeiert.
Albert Herchenbach
Pfaffenhofen

In seiner Predigt ermutigte Wörner die Gottesdienstbesucher, anderen von ihrem Glauben als etwas zu erzählen, "was uns trägt - beim Friseur, im Wirtshaus, am Gartenzaun". So, wie es im Johannesevangelium die Jünger erfahren hätten, die Jesus fragten: Herr, wo wohnst du? Jesus, so der Weihbischof, habe ihnen keine Adresse genannt, sondern sie in sein Leben eingeladen. Kommt und seht. "Ich möchte Sie ermutigen, das auch zu tun." Die Botschaft von der Liebe Gottes sei nicht verstaubt, sondern immer und auch heute noch hochaktuell. "Verstaubt" seien möglicherweise die Mittel, mit der die Kirche sie verkünde.

Diese Ehrlichkeit beeindruckte beim anschließenden Empfang im Pfarrheim nicht nur Martin Rohrmann, CSU-Stadtrat und Mitglied des Pfarrgemeinderats. "Der Bischof ist sehr offen. Man spürt, dass er aus dem Volk kommt. Er ist sehr kommunikativ. Und er hat einen respektvollen Blick auf die Menschen. Er hört ihnen nicht nur zu, sondern nimmt es auf und trägt es weiter." Rohrmann hatte Wörner im Stadtrat und im Pfarrgemeinderat erlebt. Was er dort erfahren habe, hätte er sogleich in seine Predigt einfließen lassen. "Ich glaube, es hat ihm hier gefallen. Wir seien eine sehr aktive Gemeinde." Das hatte der Bischof auch in seiner Predigt angeführt. Die 500 Neubürger jährlich, die nach Pfaffenhofen kommen, würden von den Alteingesessenen freundlich begrüßt.

Weihbischof Florian Wörner in Pfaffenhofen.
Weihbischof Florian Wörner in Pfaffenhofen.
Albert Herchenbach
Pfaffenhofen

"Sie haben Gelegenheit, über alles zu reden, was Sie auf dem Herzen haben, trauen Sie sich auch zu lästern und zu schimpfen", sagte Pfarrer Miorin zu den vielen Hundert Gottesdienstbesucher, als er sie herzlich einlud, gleich danach im Pfarrheim mit dem Bischof ins Gespräch zu kommen. Dennoch fanden sich anschließend nur knapp drei Dutzend Pfaffenhofener dort ein. Thema war natürlich die anstehende Sanierung des Kirchturms. Hierzu meinte Gemeindemitglied Bernhard Ruttka, dass mehr Finanzmittel in die Pfarrei fließen müssten, weil die Statik wohl mehr Geld verschlinge als ursprünglich gedacht. Der Bischof habe ihm geantwortet, dass das Bistum schon ordentlich zuschieße, aber am Rande der Belastung sei, "weil auch andere Probleme hätten". Ruttka: "Es geht ja auch von der reichen deutschen Kirche viel in die Entwicklungshilfe, hat mir der Weihbischof gesagt."

Der Bischof selbst, der nach dem Mittagessen und einer Vesper in der Eberstettener Kapelle die Matrikelbücher unterschrieb, fuhr am Nachmittag nach Augsburg zurück. "Dann werde ich einen Bericht schreiben", erklärte er auf Nachfrage. Was drin steht? "Viel Lob!"

Und dann erzählte Florian Wörner noch von einer Begegnung mit etwa 25 Jugendlichen am Samstagabend. Da habe ihn der Jüngste aus dem Kreis gefragt, was der Sinn des Lebens sei. Eine Antwort darauf schießt auch ein Bischof nicht so einfach in einem Satz aus der Hüfte. Er habe dem Jugendlichen geantwortet, doch einmal nachzuspüren, wie es sich für ihn anfühle, wenn er anderen geholfen und sich für sie eingesetzt habe. Und im Gegensatz dazu, wie es sei, wenn man nur ans Geld denke, an die Karriere und auf seine Ellbogen vertraue. "So richtig zufrieden ist man doch nur, wenn man für andere da ist." Bei dem Jugendlichen hat er damit wohl den richtigen Punkt getroffen. Zumindest hat er ihn zum Nachdenken gebracht.

DIE PASTORALVISITATION

Schon vom Heiligen Ulrich, der vor gut 1000 Jahren Bischof von Augsburg war, ist überliefert, dass er oft im Bistum unterwegs war, um seine Pfarreien aufzusuchen. Diese Tradition ist im Kirchenrecht verankert: Alle zehn Jahre soll ein Bischof seine Ortsgemeinden besuchen. In einer großen Diözese wie dem Augsburger Bistum ist das ein Projekt von mindestens fünf Jahren - und auch nicht nur vom Bischof zu schaffen.

Es geht bei dem Besuch um eine Stärkung im Glauben, die Besinnung auf die Grundlagen des katholischen Lebens als christliches Zeugnis. Außerdem sollen damit Engagement und Einsatz der Priester und Diakone, der hauptamtlichen Mitarbeiter und der Ehrenamtlichen bestärkt werden, um sie zu loben und für die Zukunft zu ermutigen.

Weiteres kirchliches Ziel ist die ehrliche Wahrnehmung der Situation des Lebens und pastoralen Handelns in der Pfarrei - bezüglich Liturgie, Diakonie und Verkündigung. Die seelsorgerische und ehrenamtliche Arbeit werden zudem beurteilt - der fertige Bericht kann im Pfarramt eingesehen werden. | PK