Köpf, Christian, Pfaffenhofen
Pfaffenhofen
Oft ganz schön falsch – und meistens ganz schön laut. Wenn sie daran auch noch Spaß haben. Dann nennt man so etwas Volxgesang. Mit einer Neuauflage des Mitsingkonzerts startete die Intakt-Musikbühne am Freitagabend in ihre siebte Spielzeit. Oder besser: Sie feierte den Saisonauftakt mit einem Heimspiel für Hausherr Michael Herrmann und den musikalischen Gastgeber Julian Oswald.

Er ist ein Phänomen, dieser Volxgesang. Im vergangenen Mai ausgezeichnet durch Herbert Grönemeyer mit dem Förderpreis der Berliner Musik-bewegt-Stiftung sowie nach großen Publikumserfolgen im Münchner Schlachthof, kehrt dieses außergewöhnliche Musikerlebnis zurück auf die heimische Bühne.

Und so funktioniert’s: Bei diesem, neudeutsch ausgedrückt, „Public Singing“ kann das Publikum, der eigentliche Star der ganzen Gaudi, lauthals mitsingen. Aktuelle Chart-Hits, anheimelnde Evergreens, rüstige Oldies, bretternde Rock-Songs, unvermeidliche Schlager oder unsterbliche Gassenhauer. Dabei muss niemand Angst haben, falsch zu singen. Im Gegenteil: Jeder darf mitsingen, muss aber nicht. Egal ob alt oder jung, Anfänger oder Profi. Die Texte werden von Nicole Wagner, die „Frau im Dunkeln“ beim Volxgesang, auf eine Leinwand gebeamt, die Musik kommt vom Klavier. Und in dessen Tasten haute an diesem Abend zur Abwechslung mal wieder Musiklehrer vom Schyren-Gymnasium. Oder er griff in die Saiten seiner Gitarre, ganz in Lagerfeuer-Manier. Was Julian Oswald an Entertainer-Qualitäten an den Tag legte, wäre schon allein das Eintrittsgeld wert gewesen. Von Anekdoten rund um die Lieder, Animation der scheuen Sangesmuffel bis hin zu Geschichten über seinen Opa: Musiklehrer Oswald ist das, was ein Zuhörer in der Pause treffend formulierte: „ein wahre Rampensau“. Da möchte man fast wieder die Schulbank drücken.

Das Programm könnte man auf gut Bairisch am besten mit „Kraut und Ruam“ umschreiben: Auf den Soul-Klassiker „What a wonderful world“ folgte der in Ehren ergraute Schneewalzer, bei dem das ausgelassene Publikum auch mal mitschunkelte. Der Prinzen-Song „Alles nur geklaut“ ist mit seinem markerschütterndem „Eo, Eo“ mittlerweile ebenso ein veritables Volxlied wie „Das Wandern ist des Müllers Lust“. Paul Ankas Schmachtnummer „Diana“ kokettiert mit Tracy Chapmans „Revolution“. „Und „Das Beste“ von Silbermond lehnt sich an die Oasis’ „Wonderwall“.

Was da ganz nebenbei an ungeahnten Sangeskünsten ausgesprochener Schulchor-Brummer, Kirchenlied-Verweigerer oder Geburtstagsständchen-Nuschler freigesetzt wird, erstaunt die Vertreter dieser Spezies wohl selbst am meisten. Und so mancher Volxgesang-Debütant läuft Gefahr, zum Fan zu werden, der sich spätestens am Sonntagnachmittag, 10. Dezember, beim nächsten Mitsingkonzert in der Kellerbar die Kehle ölt und inbrünstig mitschmettert.