Laubsauger Gartenschau
Mit dem Laubsauger ist Ahmed Darwich morgens zum Saubermachen auf dem Gartenschaugelände unterwegs. Am Abend kommt er häufig wieder - allerdings privat und mit seiner Freundin.
Ermert
Pfaffenhofen

Es ist noch kühl am frühen Morgen – und noch nicht mal richtig hell. Die Pforten der Gartenschau sind geschlossen. Und trotzdem wandern drei dunkel gekleidete Gestalten durch den Bürgerpark. Diebe? Wegelagerer? Keineswegs. Die Männer von der Sicherheit am Eingang lachen schon von Weitem, wenn sie Huda, Mohamad und Ahmed Darwich sehen. Jeden Tag kommen die Drei in aller Herrgottsfrüh auf das Gelände – wenn Pfaffenhofen noch schläft. Um das Laub auf einen Haufen zu blasen und abzutransportieren. Um Hunderte von Zigarettenkippen zu sammeln. Und um die vielen Mülleimer zu leeren und mit frischen Biotüten neu zu bestücken.

Die Darwichs und ihr Team sind die Saubermacher der Gartenschau. Die fleißigen Bienchen im Hintergrund, die kaum einer sieht und nur wenige kennen. Der Pfaffenhofener Familienbetrieb „Sauberhochdrei“ sorgt dafür, dass die Gartenschau jeden einzelnen Tag so schön und sauber ist. „Was sie leisten, ist unglaublich“, sagt die Geschäftsführerin der Gartenschaugesellschaft Eva Linder über Huda Darwich und ihre zupackende Truppe voll des Lobs.

„Es ist schon ganz schon früh, jeden Tag so aufzustehen. Sieben Tage die Woche. Drei Monate. Ohne jede Pause“, sagt Huda Darwich. Gegen 5 Uhr beginnt ihre Arbeit, wenn die Saubermacher nur zu zweit aufräumen. An einzelnen Tagen reicht auch mal 6 Uhr. Aber dann wird’s schon eher eng und hektisch. Sechs Arbeitsstunden pro Tag müssen reichen, um die Ilminsel, den Bürgerpark, das Festgelände sowie den Sport- und Freizeitpark abzugehen und gründlich zu säubern. „Heute sind wir drei Kilometer gegangen“, sagt Ahmed Darwich mit Blick auf die entsprechende Handy-App. Der Müll, das Laub, die Kippen – nichts haben die Drei übersehen. „Heute war aber auch kein schlimmer Tag“, sagt Huda Darwich. Wesentlich heftiger ist es am Wochenende oder an Tagen nach großen Konzerten oder Veranstaltungen mit teils Tausenden von Gästen.

Meistens geschieht ihre Arbeit im Hintergrund. Doch am Samstag und Sonntag ist Fatma Rahimova jeweils von 13 bis 15 Uhr unterwegs. Die Mülltüte in der einen Hand, den Laubstecher in der anderen – und den bunten Bollerwagen hinter sich herziehend. „Die Leute winken ihr schon aus der Ferne zu. Alle sind fröhlich, wir werden immer nett behandelt – und die meisten freuen sich auf uns“, sagt Huda Darwich.

Eigentlich wollte sie den Auftrag gar nicht unbedingt haben, die Gartenschau reinigen zu dürfen. Aber da sie im Büro der ausrichtenden Gesellschaft in der Türltorstraße putzt, wurde sie angesprochen. „Wir haben dann halt doch ein Angebot abgegeben und tatsächlich den Zuschlag erhalten“, erinnert sie sich. Doch aus der anfänglichen Skepsis ist längst eine echte Begeisterung für die Schau und das Gelände entstanden. „Auch wenn es viel Arbeit ist, freuen wir uns doch immer, über das Gelände zu gehen“, sagt sie. Die Darwichs mögen das neue Flair in der Stadt, das lockere Miteinander, die fröhliche, ja fast schon südländische Stimmung.

Besonders Ahmed schätzt es, zum einen in der Früh das Laub zu sammeln und fortzuschaffen, aber am Abend die Gartenschau auf ganz andere Weise zu genießen: „Da schnappe ich mir meine Freundin und wir genießen beim Spazierengehen das Gelände. Das ist großartig“, sagt er. Die Schritte und Kilometer lässt er sein Handy dann aber nicht mehr zählen. Kühl wird es irgendwann in der Nacht auch wieder. Dunkel sowieso. Und wenn er dann an den Sicherheitsleuten vorbeigeht, winken sie wieder. Und lachen. „Bis morgen, Ahmed“, heißt es dann – in aller Herrgottsfrüh.