Pfaffenhofen: "Konsens zum Greifen nah"
Ringen um Hauptplatz-Kompromiss: Markus Käser kämpft für die Durchfahrtssperre, Apotheker Georg Schultes ist prominenter Kritiker dieser Idee. In einer Sache sind sich die beiden aber einig: Ein Bürgerentscheid zum jetzigen Zeitpunkt nütze niemandem. - Foto: Kraus
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Andererseits scheint eine autofahrerfreundlichere Kompromisslösung nun doch nicht ausgeschlossen - obwohl Bürgermeister Thomas Herker (SPD) in der damaligen Stadtratssitzung einen Dialog mit der Opposition noch regelrecht verweigert hatte.

Als Verfechter der "Neuen Mitte" sieht SPD-Fraktionssprecher Markus Käser einen verfrühten Bürgerentscheid jedenfalls kritisch: "Ich bitte alle Akteure, bis Februar im Gespräch zu bleiben", appelliert er. "Erst wenn alle Möglichkeiten und Varianten vorliegen, kann eine qualifizierte Bürgerbeteiligung stattfinden." Sei's nun ein klassischer Bürgerentscheid oder - Käsers Favorit - eine Bürgerbefragung mit Zwischenstufen. Denn das Thema sei zu komplex für eine Ja-Nein-Frage: "Wer einfache Fragen stellt, bekommt einfache Antworten", warnt Käser. Stattdessen wirbt der SPD-Sprecher darum, gemeinsam an Lösungen zu arbeiten: "Aufenthaltsqualität, Verkehrsberuhigung und Erreichbarkeit - samt Parkplätzen - sind miteinander vereinbar", ist er überzeugt. "Ein Konsens ist zum Greifen nahe, wenn wir aufhören, bei dieser Frage in Schwarz-Weiß zu denken." Käser hatte bereits vergangene Woche bei Pro Wirtschaft um mehr Austausch geworben. Auch hat er intensiv mit einem der lautesten Kritiker der Durchfahrtssperre, Apotheker Georg Schultes, über mögliche Kompromisslösungen gesprochen. Auch dieser appelliert als Innenstadt-Geschäftsmann an die Dialogbereitschaft: "Wir sollten auf Sachebene diskutieren", sagt Schultes. "Mit Maximalforderungen bei Bürgerentscheiden ist niemandem geholfen." Wobei der Geschäftsmann klar macht, dass es eine Schmerzgrenze gibt: "Der Hauptplatz muss mit dem Auto für Besorgungen gut erreichbar bleiben." Es müsse Gleichberechtigung geschaffen werden zwischen allen Verkehrsteilnehmern - ob Autofahrer, Fußgänger oder Radler. "Verkehrsberuhigung ja, aber nicht um jeden Preis", so Schultes.

Auch Käser unterstreicht, dass es Grenzen gibt: "Bei aller Liebe zum Kompromiss und Konsens sollte man sich trotzdem gewiss sein, dass es eine Lösung der Verkehrsproblematik nach dem Motto ,Wasch mich, aber mach mich nicht nass! €˜ naturgemäß nicht geben kann", argumentiert er. Pfaffenhofen wachse. "Jährlich kommen rund 200 Autos dazu, unsere Straßen in der Innenstadt sind aber seit über 100 Jahren gleich und können nicht mitwachsen." Bald sei die Kapazität erschöpft. "Eine Kfz-fixierte Verkehrspolitik oder unwirksame Alibi-Maßnahmen fahren deshalb sprichwörtlich ins Chaos", warnt er. "Ein bisschen müssen also alle aufeinander zugehen."