Pfaffenhofen: Neue Fassade statt schwarzer Bauten
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Pfaffenhofen

Vor allem Kreisräte von SPD und Grünen wollten es noch einmal genauer wissen: "2007 wurde ja erstmals ein Brandschutzgutachten erstellt. 2011 noch eins. Und dann ist bis 2015 nichts passiert. Warum", wollte Vohburgs Bürgermeister Martin Schmid wissen. "Und hat zu irgendeinem Zeitpunkt aufgrund des Nichtstuns eine Gefahr für die Patienten bestanden" Landrat Martin Wolf (CSU) blieb vage. Er verwies zum wiederholten Male auf ein fehlerhaftes Gutachten aus dem Jahr 2008, an das sich ein längerer Rechtsstreit anschloss. Erst die nochmalige Feuerbeschau im Jahre 2011 habe dann ein weiteres Zuwarten nicht mehr zugelassen.

Vorwürfe, es handle sich bei vielen Umbauten an der Klinik um nicht genehmigte Schwarzbauten, wies Wolf erneut zurück. "Es handelt sich aus meiner Sicht nicht um einen Schwarzbau, sondern um Umnutzungen." Das Landratsamt habe lediglich seinen Ermessensspielraum als Genehmigungsbehörde genutzt. "Wir sind beim Krankenhaus nicht laxer aufgetreten als sonst", sagte der Landrat. Alle Vorgänge lägen der Staatsanwaltschaft und der Regierung von Oberbayern vor. "Beide sehen keinen Grund, tiefer einzusteigen."

Dass allerdings eine Gefährdung von Leib und Leben der Patienten immer auszuschließen gewesen sei, könne man nie mit Sicherheit sagen. Vor allem weil wohl schon beim Ursprungsbau beim Brandschutz nicht alles korrekt ausgeführt wurde, wie Projektsteuerer Link in der Sitzung sagte. "Damals haben die Behörden Sachen genehmigt, die sie nicht hätten genehmigen dürfen." So hätte es bei einem Feuer wegen fehlender Isolierungen in den Zwischenwänden von Zimmer zu Zimmer durchgebrannt.

Markus Käser (SPD) will die Aussagen des Landrats so nicht stehen lassen. Er kündigte gestern an, dem Landrat einen weiteren Fragenkatalog zukommen zu lassen. Käser möchte vor allem wissen, wer für die umstrittenen Baumaßnahmen ab 2007 verantwortlich war und wie es sein kann, dass zehn Jahre nichts passiert ist. "Wir werden nicht nachlassen, bis die Unterlagen der Feuerbeschauen 2007 und 2011 der Kreispolitik vorgelegt wurden", sagt er. "Nach unserem Dafürhalten hat Landrat Wolf alles getan, was er tun musste. Aber was war davor? Es muss in seinem Sinne sein, alles lückenlos aufzuklären. Es bleibt die Frage offen, ob der Maßstab, den das Landratsamt angelegt hat, der gleiche ist, den es bei privaten oder gewerblichen Bauwerken anlegt."

Altlandrat Rudi Engelhard (CSU) wies zumindest schon einmal jegliche Verantwortung von sich. "Baumaßnahmen waren immer eine Entscheidung der Geschäftsführung", sagt er. Alle Umbauarbeiten seien nötig gewesen, um die Leistungsfähigkeit des Krankenhauses zu erhalten oder zu verbessern." Auch der von 2009 bis 2011 für den damals suspendierten Josef Schäch (FW) amtierende Landrat Anton Westner (CSU) ist sich keiner Schuld bewusst.

Was die Generalsanierung angeht, stellte Stefan Link von Hitzler Ingenieure im Kreistag erstmals Details vor. "Wir befinden uns am Beginn der Bauphase 1, dann folgen weitere fünf", sagte Link. Es gehe jetzt zunächst darum, Platz für alle weiteren Maßnahmen zu schaffen, deshalb ist für die Geburtshilfe ein Neubau geplant. Nach der momentanen Planung soll die Sanierung der 1984 eröffneten Klinik 2026 abgeschlossen sein. Insgesamt soll das Projekt fast 70 Millionen Euro kosten, der Großteil davon ist über Fördermittel gedeckt, am Landkreis sollen gut 11 Millionen Euro hängen bleiben.

Die nach außen hin auffälligste Arbeit wird die Sanierung der Fassade sein. In diesem Zuge sollen die Achsen der Patientenzimmer von 3,6 auf 3,85 Meter vergrößert, die Brüstungen von 80 auf 40 Zentimeter abgesenkt und die gesetzlichen Brandschutzanforderungen in den Innenhöfen sichergestellt werden. Wie das Ganze dann aussieht, ist noch unklar. Momentan sind die Projektsteuerer gerade dabei, sich wegen der neuen Fassade mit den Architekten abzustimmen. Klar scheint aber, dass das Krankenhaus eine völlig neue Optik bekommt. Das markante Ziegelmauerwerk hat also höchstwahrscheinlich ausgedient.