Patrick Ermert
Pfaffenhofen

"Knöllchen schreiben ist der doofste Teil meiner Arbeit", sagt Uwe Eilers. Keine Ironie in der Stimme. Keine Häme. Den immer freundlichen Mann - ganz in Neongelb gekleidet, mit Käppi und Brille - kennen die Klinikgäste mittlerweile bestens. Als Parkraumüberwacher sorgt er dafür, dass sich Patienten und Besucher an die neuen Regeln halten. In Streit gerät er dabei kaum. "Wir sind eh so kulant", sagt er. "Wenn die Sache nicht ganz und gar eindeutig ist, drücken wir immer ein Auge zu."

In den beiden Parkspangen direkt an der Krankenhauszufahrt stehen die Autos zwar immer noch dicht an dicht. Es sind aber immer wieder einzelne Parkplätze frei. Früher, in der Zeit vor den Parkgebühren, gab es das so gut wie nie. "Man würde es nicht glauben. Aber es gab sehr viele Pendler, die unseren Parkplatz benutzt haben und dann in die Stadt zum Arbeiten gegangen sind", berichtet Geschäftsführer Christian Degen. Hinzu kamen zum Teil Wohnwagen, die wochenlang vor der Klinik standen. Und sogar Reisegruppen, deren Bus am Krankenhaus wegfuhr. "Die Teilnehmer haben stundenlang direkt vor der Klinik geparkt", fügt Ingo Goldammer an.

Als er zusammen mit Degen die Geschäftsführung übernahm, waren ihm diese Zustände sofort ein Dorn im Auge. Vor allem für Besucher und die Patienten der freien Praxen im Klinikkomplex war einfach nicht mehr genug Platz. "Wir mussten handeln, da wir keinen zusätzlichen Parkplatz bauen wollten", sagt Goldammer. Auf der grünen Wiese vor der Klinik wäre zwar noch Platz für Dutzende Stellplätze. Aber ihr Bau würde nicht gefördert werden. Kein Zuschuss also. Viel Geld, das rein aus dem Klinikhaushalt entnommen werden müsste. "Das ist hier nicht der Platz für Pendlerparkplätze. Und es ist auch nicht unsere Aufgabe, sie zu bauen und zu unterhalten", spricht Goldammer daher Klartext.

Also wurde vergangenen Herbst eine externe Firma beauftragt, die Parkgebühren zu erheben. "Sie machen das kulant und gut. Die Investitionskosten waren gering - und es bleibt nebenbei etwas Geld für das Krankenhaus hängen. Ein angenehmer Nebeneffekt für uns", meint Degen. Dennoch häufen sich naturgemäß die Beschwerden, wenn die Menschen für etwas zur Kasse gebeten werden, was früher kostenlos war. Manche beklagen, dass ein Notfallpatient andere Sorgen habe, als sich unter Schmerzen um ein Parkticket zu kümmern. Andere fordern eine Schranke, um das lästige Nachzahlen bei einer längeren Wartezeit in einer freien Praxis zu beenden. "Wir nehmen alle Beschwerden auf - und versuchen, das System stets zu verbessern", sagt Degen. So kann im Bereich der Notaufnahme kostenlos geparkt werden. Zunächst eine Viertelstunde lang. Falls es länger dauert, gibt es bei guten Gründen auch kein Knöllchen. "Mit uns kann man doch reden", sagt Uwe Eilers dazu nur. Daneben gibt es kostenlose Behindertenparkplätze. Und einen sogenannten "Storchenparkplatz" für werdende Mütter. Unter Wehen muss also auch keiner ein Ticket lösen. "Die Erfahrung hat gezeigt, dass diese kostenlosen Parkplätze für Notfälle absolut ausreichen. Und man kann über alles reden: Bei Härtefällen erlassen wir das Bußgeld, sollte mal einer versehentlich aufgeschrieben werden", so Degen. Sobald er den Kritikern die Gründe erklärt, zeigen diese Verständnis. Parkgebühren seien an so gut wie allen Krankenhäusern üblich. Lediglich ein Schrankensystem würden sich nach wie vor viele wünschen. "Das ist nicht ganz einfach. Aber wir arbeiten dran", sagt Goldammer.

Patrick Ermert
Pfaffenhofen

Weshalb die Parkdauer nicht ganz einfach mittels zweier Schranken - eine an der Auffahrt zur Klinik, die zweite bei der Zufahrt zu Verwaltungstrakt und Notarztbereich - sowie Parkautomaten geregelt wird, können Degen und Goldammer erklären. Ein Grund ist die Danuviusklinik, deren Zufahrt über die Parkplätze der Ilmtalklinik erfolgt - und die nicht einfach von der öffentlichen Zufahrt abgeschnitten werden darf. Und zusätzlich wegen jenen Verkehrsteilnehmern, die frei zur Klinik durchfahren müssen, aber keinen Berechtigungsschein haben: etwa die vielen Handwerker wegen der Brandschutzsanierung oder auch die Taxi- und Stadtbusfahrer. Schranken müssten auch definitiv immer funktionieren und sind daher sehr wartungsintensiv und teuer im Unterhalt: Schließlich darf es nicht vorkommen, dass der Rettungswagen an einer defekten Schranke womöglich lebensrettende Zeit vergeudet.

Trotzdem versuchen die Geschäftsführer nachzujustieren und das System zu verbessern. Am Freitag wurde beschlossen, die obere Spange der Besucherparkplätze, also rund 70 Stellplätze, mit einer Schranke zu versehen. Dort können Besucher und Patienten der Praxen dann so lange parken wie sie wollen - wenn sie vor der Abfahrt am Automaten bezahlen. Gut 20 000 Euro kostet die Investition. Und spätestens Anfang April, eventuell sogar schon einige Wochen früher, werden die Schranken installiert. Im selben Zug wird auch die gesamte Außenbeleuchtung auf dem Parkgelände auf Vordermann gebracht. Die untere Spange bleibt, wie sie ist, und soll den Mitarbeitern vorbehalten sein.

Auf den kleinen Ratsch mit Uwe Eilers müssen die Autofahrer trotzdem nicht verzichten. Er kontrolliert weiter jedes Auto, schaut sich die Park- oder Berechtigungsscheine genau an. "Die Bewegung tut mir gut, mir geht's trotz Diabetes immer besser", sagt er. Gut für das Kreuz und die Beine. Nur die Finger würde er künftig am liebsten noch weniger beanspruchen als bisher. Wobei es so wild nicht ist mit dem Aufschreiben. "Mehr als zwei oder drei Knöllchen pro Tag muss ich eigentlich nie ausstellen."

PARKEN AN DERILMTALKLINIK

Auf dem Areal vor der Ilmtalklinik in Pfaffenhofen befinden sich aktuell rund 400 Stellplätze . Da sich nächstes Jahr zwei der freien Praxen, die im Erdgeschoss des Krankenhauses untergebracht sind, verabschieden, sollte diese Zahl auch weiterhin ausreichen, sodass zum jetzigen Stand keine zusätzlichen Parkflächen ausgewiesen werden. Angedacht wurden einmal weitere 100 Stellplätze auf der grünen Wiese vor der Klinik. Diese hätten 200 000 Euro gekostet.

 

Kostenloses Parken ist im Bereich der Notaufnahme für Notfallpatienten (15 Minuten), Behinderte, Frauen mit kleinen Kindern und werdende Mütter möglich.

 

Die Parkgebühren auf dem gesamten Besucherareal staffeln sich wie folgt: 50 Cent für eine halbe Stunde; danach für jede weitere Stunde einen Euro; ein ganzer Tag kostet fünf Euro. Klinikpatienten, die ihren Wagen wegen eines längeren Aufenthalts dauerhaft abstellen müssen, können ein Wochenticket für 15 Euro erwerben.

 

Das Bußgeld für all diejenigen, die ihre erlaubte Parkdauer deutlich überziehen oder gar kein Ticket gelöst haben, beträgt 15 Euro. Eines ist sicher: Abgeschleppt wird auf gar keinen Fall. | pat