„Den Blick weg lenken vom Problem hin auf mögliche Lösungen“, das ist für den Mobbing-Experten Jörg Breitweg das Ziel. Und damit das gelingen kann, sammelt der Diplom-Sozialpädagoge von der bayrischen Aktion „Jugendschutz“ gemeinsam mit engagierten Eltern im Landkreis Ideen, „die Mut machen, das Phänomen konstruktiv in den Griff zu bekommen“. Die Kernfragen: Was ist und was bewirkt Mobbing? Was brauchen Eltern, wenn ihr Kind davon betroffen ist? Und welche präventiven Maßnahmen könnte man ergreifen, damit es gar nicht erst so weit kommt?

Großer Klärungsbedarf

Vier Mal haben sich die Mütter und Väter der Akademie inzwischen mit dem Referenten für Gewaltprävention und Kreisjugendpfleger Manfred Liesaus in Sachen Mobbing getroffen. Dabei ist eines besonders deutlich geworden: Ein erster Schritt muss sein, Informationen weiterzugeben, denn „hier haben Eltern einen großen Klärungsbedarf“, wie Liesaus weiß. In der Diskussion taucht zudem immer wieder ein weiteres Problem auf: Mobbing findet meist dort statt, wo die Eltern keine Einflussmöglichkeit haben: in der Schule. Ein zweiter Schritt, so die allgemeine Überzeugung in der Gruppe, ist daher die Förderung einer „Erziehungspartnerschaft“ mit der Bildungseinrichtung.

Diplom-Psychologe Markus Kotulla erlebt als Leiter der Erziehungsberatungsstelle der Caritas nicht selten, dass Eltern negative Erfahrungen aus ihrer eigenen Schulzeit auf die aktuelle Situation übertragen. „Da fehlt dann das Vertrauen in die Schule, man hat Vorbehalte gegen Lehrer“, erklärt er, warum hier die Zusammenarbeit und der Abbau von Berührungsängsten so wichtig ist. Eine Mutter in der Runde, deren eigenes Kind unter Mobbing zu leiden hatte, bestätigt die Einschätzung. Man habe als Elternteil die Befürchtung „auf der Anklagebank zu sitzen“, wenn man wegen eines pädagogischen Problems in der Schule vorspreche. „Die Angst, nach einem Gespräch mit dem Lehrer könnte mein Kind vor der Klasse bloßgestellt werden,“ treibt auch einen Vater um.

Für die Elternakademie ist daher die Schlussfolgerung: Es muss eine neutrale, schulabhängige Stelle geben, die sozusagen „vorgelagert“ ist. „Hier könnten die Eltern sich erst mal informieren, um sich dann dem Gespräch mit den Lehrern zu stellen“. Besonders geeignet schien dem Gremium ein offener Gesprächskreis, in dem man sich „zwanglos outen“ und hören könne, „wie andere Mobbing erleben“.

Info-Broschüre

Ein derartiges Angebot, moderiert von geschulten Eltern oder Mediatoren, müsse ergänzt werden durch eine richtige Beratungsstelle, so der vielfach geäußerte Wunsch der Eltern. Das werde sich derzeit wohl kaum realisieren lassen, bremsten Kotulla und Liesaus die Euphorie der Runde in der jüngsten Sitzung ein. Beide wollen aber gemeinsam mit Susanne Tober vom Schulamt als Anlaufstelle für Betroffene zusammenarbeiten. Dann werde man „sehen, wie hoch der Bedarf an Beratung tatsächlich ist“.

Dass zusätzlich die bayrische Aktion Jugendschutz mit im Boot ist, sorgt für zusätzliche Impulse, ist Manfred Liesaus sicher. Gemeinsam mit Breitweg will die Elternakademie Module entwickeln, die bayernweit interessant sein könnten. Ein Element wird der Entwurf einer Broschüre mit allgemeinem Informationsmaterial zum Thema Mobbing sein (herausgegeben von der Aktion Jugendschutz). Diese wird nach den Plänen der Elternakademie mit einem Einlageblatt versehen, das örtliche Tipps und Hilfen auflistet. Darüber hinaus soll es Aktionen zur „wertschätzenden Kooperation“ zwischen Eltern und Schule geben, die von Fachkräften geleitet werden. Und schließlich wird eine Gesprächsrunde für Eltern ins Leben gerufen. Bis zum Herbst sollen die Rahmenbedingungen für beide Aktionen festgelegt werden.