Pfaffenhofen: Eine Nackte für die Schwiegermutter
„Mein absolutes Lieblingsstück“: Keine Berührungsängste hatte als Auktionator Bürgermeister Thomas Herker bei der deftig-hässlichen Gartenfigur, die viele haben wollten.
Pfaffenhofen
Wenn der Lagerplatz für nicht Abgeholtes nicht mehr reicht, schafft sich das städtische Fundbüro durch eine Versteigerung Luft; die letzte war vor zwei Jahren. Eine Flotte von 55 Fahrrädern und ein paar kleinen City-Rollern hat sich inzwischen angesammelt, eine Videokamera, dazu noch diverser Kleinkram wie Helme, Uhren, Modeschmuck und Sonnenbrillen.

Die Interessenten drängeln sich im Foyer des Rathauses, wo alles ausgestellt ist, jedes Teil mit einer Nummer versehen. Zielsicher steuern die Damen den Tisch an, auf dem ein bisschen Schmuck ausgebreitet ist. Echte Preziosen sind nicht dabei; manches läuft eher unter Krempel – das Meiste wird später auch niemanden finden, der sich erbarmt. Echtes Gold würde ohnehin nicht versteigert, sondern verkauft, erklärt Helga Fankhauser vom Bürgerbüro: „Das bringt deutlich mehr ein.“ Viel war es ohnehin nicht; nur für eine Weißgoldkette meldete sich kein Besitzer.

Dass gutes Rad dagegen teuer ist, stimmt so nicht. Man muss nur bereit sein diverse Reparatur- und Reinigungsarbeiten in den Drahtesel zu investieren. Mit Kennerblick haben Interessenten ausgeguckt, bei welchem Modell sich der Einsatz lohnt. Und um damit morgens zum Bahnhof zu fahren, sind sie doch fast alle gut genug: „Da brauche ich keine Angst zu haben, dass es geklaut wird.“

Mit seiner Oma wartet der achtjährige Niklas draußen in der ersten Reihe darauf, dass es endlich losgeht. Niklas braucht ein Fahrrad, Nummer 22 und 82 wären perfekt. Bis 30 Euro will die Oma mitbieten, mehr geht nicht: „Bei fünf Enkeln muss man schon kalkulieren.“ Auf der Bühne hält Bauhofmitarbeiter Anton Höckmann jedes einzelne Zweirad hoch in die Luft, damit auch die ganz hinten etwas sehen, und die Auktionsgymnastik macht ihm nichts aus: „Kanaldeckel sind schwerer“, sagt er.

Tolle Namen – „Alu Rex“, „Wild Horse“, New Dimension“ und „La Strada“ haben die Räder, für die in Ein-Euro-Schritten geboten wird, aber meist auch viele Jahre auf den Speichen. Das eine oder andere sieht aus, als habe es mehrfach den Erdball umrundet und wandert mangels Interesse schließlich auf den Schrott. Mancher Bieter schiebt aber zufrieden seine Beute nach Hause: „Für 20 Euro – das hat sich gelohnt“, sagt ein zufriedener Bieter. Abnehmer finden auch ein Regenschirm für drei Euro „mit ganz dezenter Aspirinwerbung“, so Auktionator Herker und das Tamburin plus Hülle mit Trageriemen für 20 Euro, das irgendwann ein Musiker im Rathaus liegen ließ.

Die geschmackliche Schmerzgrenze weit hinter sich gelassen hat die seltsame freizügige Gartenplastik (Bild), die Herker dann zum Vergnügen aller Zuschauer ohne Berührungsängste präsentiert: „Und jetzt kommen wir zu meinem absoluten Lieblingsstück.“ An der Straße gefunden wurde die vollbusige und schon recht verblichene Nackte von der Polizei: Möglicherweise ein Entführungsopfer aus der Freinacht; vielleicht konnte es der ursprüngliche Besitzer auch einfach nicht mehr sehen. Erstaunlicherweise wollen viele die ramponierte dicke gelbe Gartenzwergin haben, auch Thomas Herkers Frau Michaela: „Das Ding ist total cool, so heftig, dass es schon fast an Kunst grenzt.“

Und was würde man daheim bei Herkers damit machen? „Auf jeden Fall so aufstellen, dass der Rücken zu den Nachbarn zeigt“, sagte die Frau des Bürgermeisters. Den Zuschlag für das Teil bekam aber ein junger Mann – für 22 Euro. So weit wollte Michaela Herker dann doch nicht gehen. Verblüffende Antwort auf die Frage, was der Käufer Martin Schindler aus Pfaffenhofen mit seiner Beute macht: „Die kriegt meine Schwiegermutter zum Geburtstag.“ Na dann – Happy Birthday! Fotografieren lassen wollte sich der Schwiegersohn mit der Nackten, die er als „unzüchtige Vogelscheuche“ bezeichnete, aber auf keinen Fall: „Es reicht schon, wenn ich das Ding durch die halbe Stadt schleppen muss.“