Visitationen, also Besuche bei den Gemeinden vor Ort, haben in der Kirche eine lange Tradition: Sie gehen zurück auf den Apostel Paulus, der in Kleinasien und Griechenland Gemeinden gegründet hatte. In der Apostelgeschichte wird Paulus zitiert, der zu Barnabas sagt: "Wir wollen wieder aufbrechen und sehen, wie es den Brüdern in all den Städten geht, in denen wir das Wort des Herrn verkündet haben."

"Visitation", sagte Wörner in seiner Ansprache, "ist nicht etwas, vor dem man sich fürchten muss." Es sei ein Aufsuchen daheim, ein wertschätzender, achtsamer Besuch in Dankbarkeit. Bei diesen Visitationen, vom Kirchenrecht alle fünf Jahre vorgeschrieben, schaut der Bischof nicht nur nach dem Rechten oder besucht katholische Einrichtungen und spricht mit Verantwortlichen. Er ist auch gehalten, die Gemeindemitglieder "im Glauben zu stärken". Dazu griff der 47-Jährige, der vor sechs Jahren zum Bischof geweiht worden war, den Text im Markus-Evangelium auf, in dem von der Heilung des Gelähmten berichtet wird. Jesus war nach Kafarnaum zurückgekehrt und eine Menschenmenge hatte sich um ihn versammelt. Ein Gelähmter, den vier Männer auf einer Trage zu ihm bringen wollten, hatte da keine Chance, zu ihm vorzudringen. Deshalb deckten die Männer kurzerhand das Dach ab und ließen ihn herunter. Diese Männer, so der Bischof, sind in ihrem Element, so wie ein Vogel in der Luft in seinem Element ist und der Maulwurf in der Erde. Was treibe die Träger des Gelähmten an? Sie tun's aus Liebe, sagte der Bischof, und im Vertrauen darauf, dass Jesus helfen kann. Glaube und Liebe sei ihr Element. "Wenn wir uns klar machen, dass Gott hilft, dass er bei uns ist, dann wissen wir, was uns trägt, was uns Flügel verleiht. Dann sind wir in unserem Element." Gott helfe, aber oft anders, als wir es erwarten. Der Bischof zitierte einen Weisheitsspruch: "Vieles, was wir suchen, lässt Gott uns nicht finden, damit wir finden, was wir nicht suchen." Aus diesem tiefen Gottvertrauen könnten Gläubige anderen Menschen, ohne sie zu indoktrinieren, ihren Glauben vorleben und in ihnen Glaube, Hoffnung und Liebe entzünden.

Die Visitation ist der erste Besuch des Weihbischofs in diesem Dekanat. Aber es wird nicht der Letzte sein. Spätestens am 14. Juli ist er wieder in Pfaffenhofen, um Jugendlichen das Sakrament der Firmung zu spenden.