Pfaffenhofen: Dirigent im Cockpit
Die Harmonien müssen passen: Seine Arrangements probiert der Pfaffenhofener Flugkapitän und Dirigent Martin Ott gleich an seinem eigenen Flügel aus - Foto: Raths
Pfaffenhofen
So kommt es nicht von ungefähr, dass der 56-Jährige nach einer Empfehlung aus dem Kreis seiner Fliegerkollegen vor sieben Jahren Papst Benedikt XVI. nach seinem Besuch des Weltjugendtages von Köln nach Rom, sozusagen als „Auserwählter“, zurückfliegen durfte. „Es war für mich ein Himmelsgeschenk – und es wirkt sich unbeschreiblich im weiteren Leben aus, den Papst geflogen zu haben“, schwärmt Ott noch heute. Einmal bewährt folgte 2006 mit dem Airbus A 320 ein weiterer Flug mit dem Papst bei einem Staatsbesuch. Und erst vor Kurzem beförderte Ott mit seiner Crew das „Who is who“ aus Bayerns Politik, Kirche und Gesellschaft zur Geburtstagsfeier des katholischen Kirchenoberhauptes in den Vatikan. Auch Schuhplattler und Trachtengruppen waren mit von der Partie. Gesprächsstoff war schnell gefunden, denn der Pilot ist mit Musik und Brauchtum von Kindesbeinen an verbunden.

Bereits im Internat des Klosters Rohr war Ott sieben Jahre bei den Rohrer Sängerknaben: „In dieser Zeit hat mich Musik narrisch zu interessieren begonnen – und diese Zeit hat sicherlich auch zu meiner Leidenschaft für Sakralmusik beigetragen.“ Bald folgen unter Anleitung eines Paters auch erste Kompositionsversuche. So ist es auch nicht verwunderlich, dass Ott in den 1970er Jahren nebenher an seinem Geburtsort Pförring damit begann, mit dem Keyboard, später mit dem Akkordeon, rhythmische Kirchenlieder zu spielen.

Immer häufiger wurden seine Auftritte in Kirchen. Aus Aufführungen sakraler Blechmusik entwickelte sich bald das Blechblasorchester „Donautaler“, das nach einem Zwischenspiel mit Auftritten bei Feiern oder in Bierzelten (Ott: „Damals waren die Oberkrainer 'in' und diesen Sound haben wir uns auch zugelegt“) dann aber wieder den Weg zurück zur Kirchenmusik fand. Als Ott damals auch hin und wieder die Orgel auf der Empore spielte, fing er an „vom Bock weg“, wie er es nennt, seine Musiker unten zu dirigieren. Die Stücke wurden immer anspruchsvoller und eines Tages kam der Vorschlag, es bräuchte nun doch einen Dirigenten, der die Musiker „durchwinken“ könne.

„Das hat mich zum Nachdenken gebracht“ – und Ott absolvierte eine zweijährige Ausbildung beim Musikbund Oberbayern zum staatlich anerkannten Dirigenten für Blasorchester. „Dirigent sein, das bedeutet, ein Team zu führen. Es ist ein Geben und Nehmen, Pflicht des Dirigenten ist es, die Persönlichkeiten der Musiker mit ihrem Potenzial so zu führen, dass man sich auf Augenhöhe begegnet – da gibt es viele Parallelen mit der Fliegerei.“

Aus den Donautalern entwickelte sich auch eine bis heute namenlose Gruppierung von etwa 30 Musikern, die in loser Formation immer wieder auf die eine oder andere Art zusammenspielen. Konkrete Form dagegen nahmen 1983 die „Pförringer Adventsbläser“ an, die auch heuer wieder, übrigens in der 30. Auflage, sechs Konzerte geben werden. Die Formation umrahmt häufig die Turmschreiberlesung im Stadttheater Ingolstadt „Das ist uns eine besondere Ehre“ sagt Ott. Dort spielen sie böhmisch-mährische Blasmusik im Dreiviertel- und Zweivierteltakt, natürlich alles auf konzertantem Niveau. Leistung verlangte Ott aber auch als Leiter der Jugendstadtkapelle Pfaffenhofen in der Zeit von 1997 bis 2002: eine „schöne Erfahrung“, die er ebenfalls nicht missen möchte.

Seit elf Jahren veranstalten Musiker aus dem Umfeld der Donautaler unter Leitung von Ott zahlreiche Benefizkonzerte im Advent. Das für Ott schönste Kompliment schließlich kommt aus dem Mund eines Pfarrers, der nach einer freien musikalischen Interpretation während einer Messe im Nachhinein lobte: „Ihr habt das Sanctus nicht nur gespielt, sondern gebetet.“