Pfaffenhofen: Raus aus der Verliererrolle
Ganz locker im Strickpulli hat sich Markus Käser bei den ersten Vorstellungsrunden präsentiert. Als Mann von der Basis will er sich in der Urwahl um den SPD-Landesvorsitz durchsetzen. - Foto: Bayern-SPD
Pfaffenhofen

Seit Florian Pronold den Landesvorsitz niedergelegt hat, steht die Bayern-SPD vor einer Zeitenwende. Erstmals stimmen die Sozialdemokraten im Freistaat per Basisbefragung über ihren neuen Chef ab. Einer, der lange an der Basis mitgeholfen hat, sich das Gegurke an der Landesspitze aber nicht länger mit ansehen kann, ist der Pfaffenhofener Kreischef Markus Käser. Also hat er seinen Hut in den Ring geworfen. "Das war alles sehr Knall auf Fall, weil nur wenige Wochen Zeit blieben, um sich den Schritt zu überlegen", kommentiert er den Vorgang. Aber jetzt ist er mittendrin. Und vom Außenseiter hat er sich durch ein wohlüberlegtes Programm mit dem Titel "Plan B - Bayern weiter denken" und eine ausgeklügelte Oppositionshaltung gegenüber der bisherigen Bayernspitze der Partei zu einem Geheimfavoriten gemausert.

Käsers Terminkalender ist rappelvoll. Vorstellungsrunden in allen sieben Regierungsbezirken hat die SPD anberaumt. Vier davon hat der 41-Jährige hinter sich, zwei weitere stehen an diesem Wochenende an - in Unterfranken und der Oberpfalz. Am 7. April bildet Niederbayern den Schlusspunkt. Die Urwahl, bei der alle 60 000 SPD-Mitglieder aus ganz Bayern über den neuen Landesvorsitzenden entscheiden, hat dann bereits begonnen. Denn am Montag werden die Wahlunterlagen verschickt. Ab diesem Moment und bis zum 11. Mai läuft die Urwahl im zweitgrößten Landsverband der SPD. "60 000 Mitglieder - so viele haben die Grünen in ganz Deutschland", sagt Käser und umreißt damit das gewaltige Potenzial, das in der Bayern-SPD eigentlich stecken müsste. Allerdings: Angesichts von Umfragewerten, die teils bei 14 Prozent lagen, rufen die Sozis meist nur wenig davon ab. Und das über Jahrzehnte. "Viele haben sich mit der Verliererrolle abgefunden", wettert Käser. "Und genau da will ich raus."

Der Pfaffenhofener geht davon aus, dass die SPD in Bayern ein Stammwählerpotenzial zwischen 25 und 30 Prozent hat. "Plus x wohlgemerkt", fügt er an. Weshalb es der Partei nicht gelinge, aus dem Schatten der personell und programmatisch beileibe nicht gut bestückten CSU herauszutreten, könne er sich nur durch eigene Mängel erklären. "Wir sind zu einem Mandatsträgerwahlverein verkommen", bringt es Käser auf den Punkt. Die Berufspolitiker innerhalb der Partei würden sich in München und Nürnberg ballen - und dort ihre eigenen Posten verteidigen. Nicht mehr, nicht weniger. "Aber Bayern und die SPD - das kann klappen", meint Käser. Denn viele im Freistaat würden sich nach einer wirklichen politischen Alternative sehnen. Und genau diese müsse die SPD werden. "Wir können das schaffen", meint er. Und wenn Käser von "Wir" spricht, dann meint er vor allem jene, die jetzt entscheiden: die Basis.

Bei der innerparteilichen Bewegung "Zeit für die Mutigen" hat der Pfaffenhofener bereits Unterstützer gefunden. Jetzt ist er seit Wochen dabei, sich bekannter zu machen und seine Mitbewerber - allen voran die langjährige Generalsekretärin Natascha Kohnen und die beiden Mandatsträger Florian von Brunn und Klaus Barthel - zu attackieren. Mit einem "Plan B", der sich gewaschen hat. Käser proklamiert darin einen klaren Führungsanspruch für die SPD in Bayern. "Juniorpartner der CSU, das kommt für mich nicht infrage", sagt er. Er will als stärkste Fraktion die Regierung anführen. Gegen die Christsozialen, deren "Paradieskompetenz" er offen angreift. Als Gegenentwurf greift er auf das zurück, was er am besten kennt und kann: die Lokalpolitik und Pfaffenhofen. "Wir haben hier vorgemacht, was beispielhaft für ganz Bayern sein kann", sagt er. Viel Bürgerbeteiligung, eine moderne, soziale, nachhaltige Politik mit einem selbstbewussten Auftreten. Käser will den Genossen beweisen, dass es nicht nur in den Ballungsräumen München und Nürnberg mit den Sozis laufen kann, sondern auch draußen in der Provinz. "Wir müssen raus ins Flächenland", fordert Käser. Dort will er aufzeigen, was den Kommunen alles aufgebürdet wird. Es könne nicht sein, dass eine Region wie Pfaffenhofen unter dem Zuzug überhitze und explodiere, während in Teilen Frankens und der Oberpfalz die Häuser leerstehen würden. "Wenn das für die CSU und Markus Söder ein paradiesischer Zustand ist, dann prost Mahlzeit", wettert Käser. Mindestens ebenso hart geht er mit seiner bisherigen Parteiführung ins Gericht. Diese versäume es seit Jahren, den Mitgliedern mehr Macht zu verleihen, die eigenen politischen Talente zu fördern und das Talent vor den Proporz zu stellen. Käser tritt zudem klar dafür ein, den Bayernvorsitz strikt von einem Mandat zu trennen. "Ich würde eine eidesstattliche Erklärung unterschreiben, dass ich kein Mandat annehme", sagt er. Und die Begründung, weshalb das so gehandhabt werden sollte, liefert er nach. "Der Bayernchef muss im ganzen Land Präsenz zeigen und anschieben, wo es nur geht. Das geht nicht als Nebenjob, schon gar nicht ehrenamtlich."

Und so ist Käser eifrig unterwegs. Für Interviews. Zu Besuch bei Ortsverbänden. Wo er nur kann. Sein Problem - und das weiß er ganz genau - ist der mangelnde Bekanntheitsgrad. "Die meisten kennen zwar sowieso kaum einen bayerischen SPD-Politiker", meint er spitzzüngig. Aber intern sei Natascha Kohnen dann wohl doch mehr Mitgliedern bekannt als er. Die Vorstellungsrunden in den Bezirken besuchen zwar nur wenige Hundert Mitglieder. "Aber die wirken als Multiplikatoren", schätzt Käser. Natürlich nutzt er das Internet. Auf Youtube sind seine Reden zu sehen, über die eigene Homepage, damit auch bei Facebook. Auch für seine Präsentation im Parteiorgan "Vorwärts", das an alle Mitglieder verteilt wird, hat er viel Zeit geopfert. Wie er sich gegenüber den bekannteren Bewerbern Kohnen und von Brunn behaupten kann oder ob das Protestpotenzial gegenüber der alten Führung bei der Basis mittlerweile überwiegt, vermag auch Käser nicht abzuschätzen. Auf die Frage nach seinen Chancen, zuckt er nur mit den Schultern. Am 11. Mai endet die Urwahl, einen Tag später wird ausgezählt. Sollte kein Kandidat über 50 Prozent der Stimmen erhalten, werden die zwei Bewerber mit den meisten Stimmen auf dem Parteitag am 20. Mai den Delegierten vorgeschlagen. "Schaffe ich es da hin, stehen die Chancen gut."