Erdal Kandemir ist der jüngste Vorbeter, der jemals in Pfaffenhofen seinen Dienst angetreten hat. Er soll hier für fünf Jahre muslimischer Seelsorger bleiben.
Erdal Kandemir ist der jüngste Vorbeter, der jemals in Pfaffenhofen seinen Dienst angetreten hat. Er soll hier für fünf Jahre muslimischer Seelsorger bleiben.
Kraus
Pfaffenhofen

Erdal Kandemir ist nicht nur der jüngste Vorbeter, den die türkische Religionsbehörde Diyanet bisher nach Pfaffenhofen entsandt hat. Er kann auch schon ein paar ganz einfache Sätze auf Deutsch sprechen - und zwar besser, als mancher seiner Vorgänger am Ende ihrer zweijährigen Amtszeit. Der 38-Jährige stammt aus dem westtürkischen Balıkesir, der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz auf halbem Weg zwischen Istanbul und Izmir. Nach seinem Studium des Korans, der Religionspädagogik und der Psychologie wurde er vor 13 Jahren Imam - und will nun Erfahrungen im Ausland sammeln. Erdal Kandemir ist verheiratet und hat drei Kinder - einen Buben und zwei Mädchen, die aber in der Türkei noch schulpflichtig sind. Seine Familie ziehe daher nicht nach Pfaffenhofen nach, erzählt er, sondern komme nur in den Ferien zu Besuch. Eingelebt hat sich der neue Imam schon: "Pfaffenhofen ist eine schöne Stadt und die Menschen hier sind freundlich und positiv", sagt er - allerdings mit Dolmetscher. Soweit her ist es dann nämlich noch nicht mit seinen Sprachkenntnissen. Er hat vor der Abreise einen zweimonatigen Kurs absolviert, will hier in Pfaffenhofen aber einen zweiten belegen.

Die Ankündigung des Religionsattachés vom türkischen Konsulat in München, dass der neue Vorbeter fünf Jahre in Pfaffenhofen bleiben darf, hat große Freude bei den Muslimen ausgelöst. "Wir haben ja viel Wert auf eine langfristige Besetzung gelegt", sagt Recep Bal, der Vorsitzende der Pfaffenhofener Ditib-Gemeinde. Bisher hätten sich die Imame in ihrer nur zweijährigen Dienstzeit gerade eingelebt, als sie wieder abberufen wurden. "In fünf Jahren lernen sich alle gegenseitig besser kennen", sagt Bal. Die Gemeinde hatte ja vor 2015 als einen der Gründe für den Moscheebau immer wieder genannt, dass damit auch die längere Dienstzeit einhergehen würde. Für den vorherigen Imam, der ein Vierteljahr nach der Einweihung nach Pfaffenhofen geschickt wurde, hatte das die türkische Religionsbehörde Diyanet das allerdings noch nicht genehmigt und Ayhan Aydin wurde heuer im September nach in die Türkei zurückberufen.

Dieser starke staatliche Einfluss der Türkei aufs religiöse Leben sowie auf die Besetzung der Imame hat die Menschen in Pfaffenhofen zuletzt zunehmend verunsichert. Und vor der Moschee weht neben Schwarz-Rot-Gold auch der türkische Halbmond am Fahnenmast. "Die politische Situation in der Türkei hat aber nichts mit unserem Zusammenleben hier zu tun", betont Bal. Sicherlich: Jeder habe seine eigene politische Einstellung und seit Erdogans Referendum, dem Putschversuch und durch die jüngsten deutsch-türkischen Spannungen sei die Stimmung zeitweise abgekühlt. "Aber das hat doch nichts mit dem religiösen Dialog zu tun", so der Ditib-Vorsitzende. "Wir leben doch seit über 50 Jahren gut zusammen - und daran soll sich auch nichts ändern."

Und so lädt die türkisch-islamische Ditib-Gemeinde mit ihren gut 850 Mitgliedern am kommenden Samstag zum "Sardinen-Fest" vor dem Gotteshaus an der Hohenwarter Straße ein - bei dem der namensgebende Fisch als Spezialität der Schwarzmeerküste aufgetischt wird. Eigentlich sei am 3. Oktober bundesweiter Tag der offenen Moschee gewesen, sagt Bal. Doch das musste in Pfaffenhofen wegen eines Trauerfalls in der Gemeinde abgesagt werden. Am Samstagnachmittag können Besucher übrigens nicht nur den neuen Imam kennenlernen, sondern auch an zwei angebotenen Moscheeführungen teilnehmen, die gegen 14 sowie 17.30 Uhr beginnen werden.