Ihre frisch gebundenen Kräuterbuschen, die sie an Mariä Himmelfahrt segnen lassen, zeigen die drei Kräuterpädagoginnen Ulrike Kainz (von links) aus Scheyern, Stefanie Stichlmair aus Kerum und Andrea Deschle aus Reichertshausen.
Ihre frisch gebundenen Kräuterbuschen, die sie an Mariä Himmelfahrt segnen lassen, zeigen die drei Kräuterpädagoginnen Ulrike Kainz (von links) aus Scheyern, Stefanie Stichlmair aus Kerum und Andrea Deschle aus Reichertshausen. Danach werden die Sträuße aus Kräutern, Blumen und Heilpflanzen getrocknet und im Laufe des Jahres für verschiedene Zwecke verwendet.
Kraus
Pfaffenhofen

Die Kräuterweihe in der katholischen Kirche ist viele Jahrhunderte alt. Als Ursprung gilt eine Erzählung des Johannes von Damaskus (um das Jahr 700), laut der ein „wundersamer Kräuterduft“ das Grab Marias umhüllte. Jedenfalls werden in Bayern zum 15. August Kräuter zu Sträußen gebunden und im Gottesdienst gesegnet. Dabei wird über die Fürsprache Marias Gottes Heil erbeten. Danach werden die Kräuterbuschen üblicherweise kopfüber getrocknet – und dann meist im Herrgottswinkel drapiert. In der katholischen Kirche gilt die Kräuterweihe als Ausdruck für die Achtung vor der Schöpfung.

Neben solcher Frömmigkeit schwingt in der Tradition auch Volks- und Aberglaube mit – soll sie doch Schlechtes abwenden und Gutes befördern. „Wenn zum Beispiel ein Unwetter aufzog, hat man früher Kräuter in den Ofen geworfen, um es abzuwenden“, erzählt Kräuterpädagogin Ulrike Kainz. Außerdem wurden mit den getrockneten Kräutern zum Beispiel Krankenzimmer oder der Stall ausgeräuchert. Unters Futter gemischt sollten sie das Vieh vor Krankheit bewahren. Und manchmal dient der Trockenstrauß mit seinem Jahresvorrat an allerlei heilkräftigen Pflanzen auch als kleine Hausapotheke im Herrgottswinkel.

„Ein Kräuterbuschen wird traditionell aus mindestens sieben Kräutern gebunden – oder aus einem Vielfachen der Zahl Drei – angelehnt an die Dreifaltigkeit“, sagt Kainz. Mittig sei immer eine Wetterkerze oder ein Rohrkolben dabei, hinzu kommen Getreide – etwa Einkorn, Emmer, Dinkel oder Hafer – und Blumen. Am wichtigsten aber sind die Kräuter sowie Würz- und Heilpflanzen. Üblich sind zum Beispiel Schafgarbe, Johanniskraut, Salbei, Goldrute oder Kamille. „An diese Vorgaben muss man sich natürlich nicht sklavisch halten“, betont die Scheyrer Naturpädagogin. „Viel wichtiger ist es, solche Pflanzen zu nehmen, die um einen herum wachsen.“ Ihre Kollegin Stefanie Stichlmair rät dafür zu einem ausgiebigen Spaziergang: „Wer selber einen Kräuterbuschen binden will, sollte einfach raus in die Natur gehen und schauen, was er findet“, sagt die Kräuterpädagogin aus Kerum. „Das Gute liegt so nah.“

Das unterstreicht auch die Dritte im Bunde: „Was wir brauchen, wächst bei uns“, sagt die Reichertshausener Kräuterpädagogin Andrea Deschle. Das zu erkennen sei auch ein tieferer Sinn des Brauchs: Wer hinausgehe in die Natur und sich mit den Pflanzen beschäftige, der lerne die Wildkräuter wieder schätzen. „Es geht auch um den achtsamen Umgang mit der Natur“, sagt Deschle. So finde man in der heimischen Flur von den 99 überlieferten Pflanzen für Kräuterbuschen vielleicht bestenfalls noch ein Drittel – so gut wie verschwunden seien zum Beispiel das Tausendgüldenkraut, die Echte Goldrute oder der Gute Heinrich. „Die sieht man fast gar nicht mehr.“