Pfaffenhofen: Bürgermeister boykottieren Biberlehrpfad
Der Biber fühlt sich seit einigen Jahren wieder pudelwohl in der Ilm - zum Leidwesen von Landwirten und einigen Lokalpolitikern. - Foto: Zurek
Pfaffenhofen

Am sogenannten Biberweg, einem 1,4 Kilometer langen Spazier- und Radweg entlang der Ilm bei Pfaffenhofen, hat der Bund Naturschutz (BN) heuer den Biberlehrpfad rundum erneuert - mit neuem Konzept und neuen Schautafeln. Den Löwenanteil der Kosten (32.000 Euro) trägt die Stadt Pfaffenhofen, 2500 Euro hat die BN-Kreisgruppe geschultert und 5000 Euro hätte eigentlich der Landkreis freiwillig zuschießen sollen. Dieses Geld hatte Landrat Martin Wolf (CSU) vor zwei Jahren unter Vorbehalt zugesagt. Das Geld war sogar schon als Ausgabe im Kreishaushalt eingeplant. Der BN hat fest damit gerechnet, ebenso die Stadt, die es vorstreckte - und seit Juli stehen nun die neuen Schilder. Der Kreisausschuss allerdings hat in seiner Sitzung am Montag beschlossen, die Finanzspritze nun doch nicht zu gewähren.

Denn für die im Gremium stark vertretenen Bürgermeister ist der Biber ein rotes Tuch, schließlich bleiben die Kommunen auf ihren Schäden durch den umtriebigen Nager sitzen - von Problemen der Landwirte durch Flurschäden und Gefahren durch untergrabene Uferbereiche ganz zu schweigen. Kaum hatte Zweiter Landrat Anton Westner (CSU) also den neuen Biberlehrpfad als "sehenswert" gelobt und vorgeschlagen, die 5000 Euro zu gewähren, kippte schlagartig die Stimmung. "Man darf den Biber nicht verklären", eröffnete Christian Staudter (AUL) die Debatte. "Der Biber ist nicht mehr schützenswert, er muss von der Roten Liste runter und muss reduziert werden", mahnte der Geisenfelder Bürgermeister. "Wir dürfen hier kein falsches Zeichen setzte", schob sein Hohenwarter Kollege Manfred Russer (CSU) hinterher. "Wir draußen haben mit dem Biber massive Probleme." Auch Vohburgs Bürgermeister Martin Schmid (SPD) ging auf die Barrikaden angesichts gravierender Schäden, die das Tier anrichte: "Allein die Schäden an der Kleinen Donau füllen bei mir fünf Ordner", schimpfte er. Sein Reichertshausener Kollege Reinhard Heinrich (CSU) lehnte auch ab: Über einen Zuschuss könne man nur reden, würde am Lehrpfad "auch auf die Schattenseiten hingewiesen". Kerstin Schnapp (Grüne) stellte sich vergeblich gegen die Bürgermeister: "Es geht hier um ein pädagogisches Projekt für Kinder und Jugendliche und nicht darum, ob der Biber gut oder böse ist", sagte sie. Ganz abgesehen davon, dass der Vorwurf der Verklärung nur auf einer Mutmaßung beruhe.

Die Bürgermeister im Gremium blieben aber hart: Russer, Heinrich, Schmid, Herbert Nerb (FW), Albert Vogler (CSU), Ludwig Wayand (CSU) und Jens Machold (CSU) lehnten den Zuschuss für den BN ab - mit einer knappen 7:6-Mehrheit. Dafür stimmten lediglich der amtierende Landrat Westner, Schnapp, Markus Käser (SPD), Reinhard Haiplik (ÖDP) und Max Hechinger (FW) sowie Staudter als einziger Bürgermeister im Gremium, der nach eigenem Bekunden nur eine kritische Anmerken machen, nicht aber den Lehrpfad boykottieren wollte.

Pikant ist die Ablehnung aus zweierlei Gründen: Einerseits ließ sich der Landkreis auf den Schautafeln schon als Förderer verewigen. Andererseits setzt sich der Lehrpfad sehr wohl kritisch mit dem Biber auseinander. Es wird beispielsweise thematisiert, dass Tiere bei erheblichen Schäden oder einer Gefährdung der öffentlichen Sicherheit notfalls gefangen und getötet werden müssten. Das hätte man wissen können, weil das Landratsamt selbst an den entsprechenden Formulierungen feilte. "Wir wollen ja gar nicht verschweigen, dass der Biber auch Probleme macht", sagte gestern BN-Kreisgeschäftsführerin Christine Janicher-Buska in einer ersten Reaktion. Sie sei "geschockt und enttäuscht vom Kreisausschuss". Der Kreis sei seit 1995 am Biberlehrpfad beteiligt, habe sich auch inhaltlich bei der Neukonzeption eingebracht. "Aber anscheinend kann man sich auf das Wort des Landkreises nicht mehr verlassen."