Pfaffenhofen: "Wir wollen Jamaika!"
Dieter Janecek erklärte mit der Grünen-Kreisvorsitzende Kerstin Schnapp die Ziele seiner Partei. - Foto: Herchenbach
Pfaffenhofen

Janecek, 41, studierter Politikwissenschaftler und Vater zweier Kinder, ist vor zwei Jahren in den Landkreis gezogen, nach Wolnzach. Und deshalb will er sich jetzt auch verstärkt in seiner neuen Heimat engagieren. "Ich werde hier präsent sein." In seinem Wahlkreis München-West/Mitte hatte er bei der Bundestagswahl mit 18,5 Prozent (+2,9) Zweitstimmen und 16,3 Prozent (+3,2) Erststimmen bayernweit das beste Ergebnis für seine Partei eingefahren. In München wurden die Grünen mit 17,2 Prozent (+3,2) nach der CSU mit 30 Prozent sogar zweitstärkste Kraft. Das gibt genug Selbstbewusstsein, in Berlin die eigenen Positionen durchzusetzen. Und das will nicht nur Janecek, das wollen, sagt er, alle 67 Grünen-Abgeordneten (vier mehr als in der vergangenen Legislaturperiode).

In der Fraktion spürt er eine "große Freude, gestalten zu wollen. Ja, wir wollen Jamaika." Die Stimmung in Berlin sei "sehr konstruktiv". Wie auch sein Parteichef Cem Özdemir will Janecek keine roten Linien ziehen, aber es gibt für ihn politische Positionen, die er nicht aufgeben will: etwa eine humanitäre Flüchtlingspolitik, die auch einen Familiennachzug ermöglicht. "Alles andere ist kontraproduktiv für die Integration." Heilfroh ist er, dass nach den Koalitionsverhandlungen zwischen CDU und CSU die Begrenzung des Asylrechts vom Tisch ist - nicht nur für die Grünen ein No Go.

Zu den anderen Koalitionsparteien sieht Janecek "Schnittmengen", insbesondere auch bei den sozialen Flügeln von CDU und CSU. Die will er stärken, um soziale Probleme zu lösen: Altersarmut, Pflegekräftemangel, die oft prekäre Situation von Alleinerziehenden.

Janecek, wirtschaftspolitischer Sprecher der Fraktion, ist nicht bei den derzeit laufenden Sondierungsgesprächen dabei. Wenn es aber zu Koalitionsverhandlung kommt, wird er wohl mit am Verhandlungstisch sitzen. "Das wird ein schmerzhafter Prozess." Vor allem, glaubt er, wenn es um die Energiewende geht. Seine Partei fordert, dass ab 2030 nur noch Elektroautos zugelassen werden. Grünen-Kreisvorsitzende Kerstin Schnapp hält dieses Ziel für "weich bis moderat": "Ein Auto mit Verbrennungsmotor, dass 2029 zugelassen wird, läuft ja noch zehn Jahre."

Nicht aufgeben wird Janecek auch die Ziele der Digitalisierung. Dafür sollen die Telekom-Aktien, die der Bund hält, verkauft werden. Mit dem erhofften Erlös von zehn Milliarden Euro soll das Breitbandnetz ausgebaut werden. Eine ökologische Landwirtschaft mit einer Abkehr von der Massentierhaltung ist für ihn ebenfalls ein sehr wichtiger Verhandlungspunkt.

Ob er nicht Angst hat, das seine Partei in einer Koalition mit der Union nicht genauso aufgerieben wird wie die SPD? "Die Ministerien müssen ja diese Positionen umsetzen", sagt Janecek. Womit er wohl sagen will, dass die entsprechenden Ressorts von Grünen-Politikern besetzt werden müssen. "Wir werden sehr ernsthaft verhandeln." Neuwahlen will er auf jeden Fall vermeiden, denn sie schaden der Partei, die die Koalitionsverhandlungen platzen lässt.