Weggelächelt hat Julia Spitzenberger (großes Bild) ihr nur halb geglücktes Wahlomat-Ergebnis. Vor „ihrer“ SPD landete nämlich noch die Union.
Ermert
Pfaffenhofen

„Nein, da wird mich der Markus jetzt aber schimpfen“, meint Julia Spitzenberger nach dem ersten vagen Blick auf den Ergebnisbildschirm. CDU/CSU 76,3 Prozent. So steht es da unumstößlich. Eine schwarze Wahlempfehlung für eine rote Stadträtin. Das wird den Markus – gemeint ist natürlich der SPD-Kreisvorsitzende Markus Käser – auf den ersten Blick wohl wirklich ärgern. Aber wenn er genauer hinschaut, sieht er auf dem zweiten Platz die drei großen roten Buchstaben der SPD. Und dahinter immerhin 69,7 Prozent. Gar nicht schlecht. Spitzenbergers Ehrenrettung. Ganz im Sinne der amtierenden Großen Koalition hat sie in den politischen Grundsatzfragen die meisten Übereinstimmungen mit CDU/CSU und SPD. „Ja, ich stehe tatsächlich hinter der Großen Koalition“, sagt sie. Im Bund sei das in ihren Augen genau das Richtige. „Die Pfaffenhofener Stadtpolitik ist aber ganz was anderes: Da setze ich voll und ganz auf die Bunte Koalition.“

Wie es die Union bei Spitzenberger ganz nach oben geschafft hat, kann sie sich selbst nicht so genau erklären. Womöglich liegt es daran, dass sie als Selbstständige mit der von der SPD propagierten Bürgerversicherung weniger anfangen kann als mit der privaten Krankenversicherung. Und womöglich kann eine Volksfestwirtin gewisse konservative Grundzüge dann doch nicht ganz verleugnen, auch wenn bei ihr soziale und ökologische Themen ansonsten hoch im Kurs stehen. Mit einer höheren Besteuerung des Dieselkraftstoffs kann sie sich als einzige der vier Teilnehmer übrigens anfreunden. „Zumindest seit ich selbst keinen Diesel mehr fahre“, sagt sie. Die Ausweitung der Videoüberwachung sieht Julia Spitzenberger übrigens als wenig problematisch an. „Auf Facebook überwachen wir uns sowieso alle selbst“, meint sie. Das stimmt wohl auch – passt aber vermutlich eher zu den Schwarzen als zu den Roten.

Der Wahlomat ist ein Online-Instrument, das die Bundeszentrale für politische Bildung für die Bundestagswahl 2017, die am 24. September stattfindet, nicht zum ersten Mal eingerichtet hat. Seit etlichen Jahren können sich unentschlossene (oder einfach nur interessierte) Wähler hierüber ein Bild machen, mit welchen Parteien ihre Positionen am ehesten übereinstimmen. 38 Fragen zu allen möglichen Themen werden gestellt, denen man zustimmen kann oder eben nicht. Auch eine neutrale Haltung ist möglich. Am Ende steht ein Vergleich der Positionen mit acht ausgewählten Parteien. Für unseren Lokalpolitikertest haben wir den Vergleich mit Union, SPD, Grünen, Linken, FDP und AfD sowie den Freien Wählern und wahlweise der ÖDP oder den Piraten gezogen.

Seine ganze Erfahrung hat mit Altbürgermeister Hans Prechter (CSU) jener Mann in die Antworten einfließen lassen, der von den vier Probanden den Wahlomaten als Einziger bereits privat durchgespielt hat.
Patrick Ermert
Pfaffenhofen

Seine ganze Erfahrung hat mit Altbürgermeister Hans Prechter (CSU) jener Mann in die Antworten einfließen lassen, der von den vier Probanden den Wahlomaten als Einziger bereits privat durchgespielt hat. Zu 75 Prozent decken sich seine Ansichten mit dem Wahlprogramm der Union. Noch „schwärzer“ ist lediglich Julia Spitzenberger mit ihren 76,3 Prozent. „Da ist meine schwarze Seele wohl nach außen gedrungen“, räumt der Altbürgermeister ein. Mit einem breiten Lachen. Denn beim ersten Wahlomat-Durchgang, ganz privat, lagen die Grünen bei ihm fast gleichauf mit der Union an der Spitze. Ungewöhnlich hat er das nicht empfunden. „Auch alle anderen demokratischen Parteien können gute Ideen und Ansichten haben“, sagt Prechter. Es zeichne einen ordentlichen Politiker aus, die verschiedenen Positionen zu einen und in die Entscheidungsfindung einfließen zu lassen. „Ich habe das zeit meines Lebens so gehandhabt.“ In Zukunft muss er daran nun auch nichts ändern. Denn bei der CSU fühlt er sich nach wie vor bestens aufgehoben – was sein Wahlomat-Ergebnis bekräftigt. „Vor einem Parteiausschlussverfahren muss ich jetzt jedenfalls keine Angst haben.“

Ganz auf Linie mit der eigenen Partei liegt Angelika Furtmayr von den Grünen.
Patrick Ermert
Pfaffenhofen

Ganz auf Linie mit der eigenen Partei liegt Angelika Furtmayr von den Grünen. Überragende 78,9 Prozent untermauern den ersten Platz – wobei auch die Linke und die Piraten mit jeweils weit über 70 Prozent in ihrer Gunst weit vorne liegen. Vor allem die Drittplatzierten sagen ihr zu. „Wäre ich keine Grüne, wäre ich bei den Piraten“, sagt sie offen. Vor allem ist sie aber hocherfreut über die Bestätigung ihrer eigenen Position. „Das ist ein tolles Ergebnis“, sagt Furtmayr. Vor allem, weil es in ihrer diskussionsfreudigen Partei manchmal gar nicht einfach sei, gemeinsame Positionen zu bestimmen. „Umso schöner, wenn man in den Grundsatzfragen dann doch so sehr einer Meinung ist.“

Albert Gürtner (FW) musste tief durchatmen, als er das Ergebnis erfuhr.
Patrick Ermert
Pfaffenhofen

Albert Gürtner (FW) musste tief durchatmen, als er das Ergebnis erfuhr. „Da werden sich die Schwarzen aber freuen“, meinte er, als er CDU/CSU ganz oben auf der Ergebnisliste erspähte. Insgeheim hatte der Zweite Bürgermeister schon damit gerechnet, dass die Freien Wähler nicht ganz oben stehen. „Wir sind halt in vielen Punkten sehr nah dran an den Schwarzen“, fügt er erläuternd an. So gesehen passe sein Ergebnis schon. „Das Konservative spiegelt sich wider.“ Den Mitgliedsantrag bei der CSU, den ihm Hans Prechter gleich anbot, als er von der inhaltlichen Nähe erfuhr, lehnt Gürtner trotzdem dankend ab. „Bei den FW haben wir mehr Freiheit, unsere persönliche Meinung zu vertreten“, erklärt Gürtner. Außerdem habe ihn früher das familiäre Miteinander im ganzen Landkreis zu den Freien Wählern gezogen. „Und da fühle ich mich nach wie vor pudelwohl.“

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Wählergruppe in den Bundestag einzieht, taxiert zwar auch Gürtner gegen null. Dennoch wird er – trotz der Wahlomat-Empfehlung – sein Kreuzchen nicht bei der CSU machen. „Es hat auch im Landtag etwas gedauert, aber inzwischen haben wir uns etabliert“, sagt Gürtner. Und auch im Bund wären starke Freie Wähler in seinen Augen hilfreich. „Wir können die Stimme der Kommunen im Bund werden – und das würde sicher nicht schaden.“

Ein verbindendes Element haben alle vier Teilnehmer am Wahlomat-Test übrigens auch noch: Mit der Alternative für Deutschland (AfD) kommen sie alle nicht überein. Die Protestpartei landete durchwegs ganz weit hinten, dreimal gar auf dem letzten Platz – und Angelika Furtmayr hat mit nur 31,6 Prozent die geringsten Gemeinsamkeiten mit den Rechtspopulisten. Darüber waren alle vier Teilnehmer doch einigermaßen erleichtert. Hans Prechter brachte auf den Punkt, weshalb. „Der Wahlomat, so ehrlich muss man sein, ist halt immer für eine Überraschung gut.“

DIE WAHLOMAT–ERGEBNISSE DER KANDIDATEN

Hans Prechter (CSU)

 

1. CDU/CSU                                        75,0 %

2. Freie Wähler                               71,1 %

3. Grüne                                                       68,4 %

4. SPD                                                              65,8 %

5. ÖDP                                                             64,5 %

Julia Spitzenberger (SPD)

 

1. CDU/CSU                                        76,3 %

2. SPD                                                              69,7 %

3. Grüne                                                       67,1 %

4. Freie Wähler                               64,6 %

5. ÖDP                                                             64,5 %

Albert Gürtner (FW)

 

1. CDU/CSU                                        73,7 %

2. SPD                                                              67,1 %

3. ÖDP                                                             64,5 %

4. Freie Wähler                            64,5 %

5. Grüne                                                      61,8 %

Angelika Furtmayr (Grüne)

 

1. Grüne                                                     78,9 %

2. Linke                                                          75,0 %

3. Piraten                                                    71,1 %

4. SPD                                                              65,8 %

5. Freie Wähler                               55,3 %