Da werden bei einigen vielleicht Erinnerungen wach: In diesem Schienenbus aus den 60ern können Besucher von Rohrbach nach Wolnzach fahren, und zwar am 19. und 20. August..
Da werden bei einigen vielleicht Erinnerungen wach: In diesem Schienenbus aus den 60ern können Besucher von Rohrbach nach Wolnzach fahren, und zwar am 19. und 20. August.
J. Rehm/Hallertauer Lokalbahnverein
Rohrbach

Anlass ist das 150-jährige Bestehen sowohl des Rohrbacher Bahnhofs als auch der Bahnstrecke München–Ingolstadt. Das Erlebnis ist auch äußerst praktisch. Die Fahrten mit dem „Wolnzach-Express“ sind so getaktet, dass der Anschluss an die Regionalzüge der Strecke München–Ingolstadt am Bahnhof Rohrbach funktioniert und die Besucher so ohne Auto zum Wolnzacher Volksfest anreisen können. Wer noch einen Abstecher in das Deutsche Hopfenmuseum plant: Fahrgäste des „Wolnzach-Express“ erhalten bis Ende der Sommerferien einen Rabatt in Höhe von 50 Prozent auf den Eintrittspreis.

Eingesetzt wird heuer erstmals ein historischer Triebwagen der Baureihe VT 98 aus den frühen 1960er Jahren. Der Schienenbus mit seinen zwei 150 PS starken Büssing-Dieselmotoren wird zusammen mit den Triebwagenführern von den Passauer Eisenbahnfreunden gestellt. Die Führerräume sind wie bei einem Straßen-Omnibus nicht vom Fahrgastraum abgetrennt; Reisende haben so einen freien Blick auf die Strecke. Ein antriebsloser Steuerwagen erhöht die Kapazität des Sonderzugs auf insgesamt etwa 100 Sitzplätze.

Die rot lackierten Schienenbusse prägten über Jahrzehnte den Nahverkehr auf zahlreichen Nebenstrecken der damaligen Deutschen Bundesbahn. Fast baugleiche, jedoch mit nur einem Motor ausgerüstete Schienenbusse der Baureihe VT 95 waren zwischen 1953 und 1969 auch im Personenverkehr auf der Hallertauer Lokalbahn eingesetzt.

Im Jahr 1969 hatte der letzte reguläre Personenzug den Bahnhof Wolnzach auf der 1894 eröffneten Lokalbahn zwischen Rohrbach und Wolnzach verlassen. Ehemals reichte das Streckennetz bis Geisenfeld, Mainburg und Freising. Heute nutzen dieses verbliebene Streckenstück nur noch die Güterzüge des in Wolnzach ansässigen Automobillogistikers ARS Altmann regelmäßig. Seit 2006 finden jedoch vereinzelt Sonderfahrten mit dem „Wolnzach Express“ statt. Dessen Organisatoren haben sich am 26. Mai 2017 zum Hallertauer Lokalbahnverein zusammengeschlossen.

Der junge Rohrbacher Verein, der sich mit der über 150-jährigen Geschichte des Eisenbahnwesens zwischen Ilm und Abens befasst, möchte in Zukunft neben dem Aufbau einer dauerhaften Sammlung eisenbahnhistorischer Fotos, Dokumenten und Gegenständen auch die Restaurierung eines der letzten bayerischen „Bahnbusse“ realisieren. Nach mehr als dreijähriger Arbeit wird im Herbst 2017 zudem ein Buch zur Geschichte des Rohrbacher Bahnhofs erscheinen, das in Kürze beim Verein vorbestellt werden kann. „Durch Nostalgiefahrten auf Straße und Schiene möchten wir uns längerfristig auch an der touristischen Entwicklung des Landkreises und der Hallertau beteiligen“, sagt Andreas Zimmermann.

Mit einem Blick auf die touristischen Möglichkeiten darf der Verein auch das Kommunalunternehmen Strukturentwicklung (KUS) Landkreis Pfaffenhofen zu seinen Unterstützern zählen. „Die Erfolge der vergangenen Sonderfahrten mit über 800 Fahrgäste an nur einem Tag zeigen, wie gut so ein Angebot angenommen wird – ein Fahrgast reiste 2014 sogar eigens aus Hamburg an“, sagt Johannes Hofner, Vorstand des KUS. Ermöglicht werden die Sonderzugfahrten nicht nur durch den Landkreis Pfaffenhofen: Zahlreiche Sponsoren aus der lokalen Wirtschaft zählen zu den Unterstützern, denn die Kosten einer solchen Sonderfahrt sind aufgrund langer Überführungsfahrten und teurer Genehmigungen für den Verein erheblich.

Der erste Zug Richtung Wolnzach verlässt den Rohrbacher Bahnhof am Samstag, 19. August, gegen 10.55 Uhr. Danach verkehren die Sonderzüge zwischen 12.25 und 20.27 Uhr stündlich, am Samstag zusätzlich um 21.25 Uhr. Ab Wolnzach pendeln die roten Schienenbusse zwischen 12 und 21 Uhr immer etwa zur vollen Stunde in Richtung Rohrbach, am Sonntagvormittag zusätzlich um 10.30 Uhr. Etwa jede zweite Fahrt verkehrt ab Wolnzach Markt weiter, vorbei am Gelände der Firma ARS Altmann, bis zum heutigen Streckenende am Prellbock im Ortsteil Jebertshausen. Dort ist der Ein- oder Ausstieg aus Sicherheitsgründen jedoch nicht zugelassen. Der Zug fährt direkt im Anschluss wieder zurück nach Wolnzach Markt und Rohrbach. Eine Fahrt zum Streckenende ist im Fahrpreis bereits enthalten.

Fahrkarten können direkt beim Zugbegleiter im Sonderzug gekauft werden. Die einfache Strecke von Rohrbach nach Wolnzach kostet 3,50 Euro. Kinder und Jugendliche bis einschließlich 14 Jahren reisen für 1,50 Euro, Kinder unter sechs Jahren kostenlos. Die Mitnahme von Fahrrädern und Kinderwagen ist ohne Aufpreis möglich; jedoch ist der Platz in den historischen Wagen sehr begrenzt.
 

Verzögerung wegen Unwetter

 

Die Hallertauer Lokalbahn teilt mit: Die Unwetterschäden auf den Bahnstrecken in Bayern haben leider verhindert, dass der Zug für den Wolnzach-Express wie geplant aus Passau überführt werden konnte. Die Bereitstellung verzögert sich nach momentanem Stand der Dinge um etwa zwei Stunden. Die erste Fahrt wird voraussichtlich gegen 13 Uhr stattfinden. Die entstehenden Unannehmlichkeiten tun uns leid, und wir bitten um Entschuldigung. Nach derzeitigem Stand gehen wir davon aus, dass der Samstags-Fahrplan ab etwa 14 Uhr regulär eingehalten werden kann. Für den Sonntag sind keine Verzögerungen zu erwarten.