Alles muss weg: Die Pflanzen in den Kästen, die hölzernen Beete im Hintergrund und sogar der ganze Schotter auf dem Volksfestplatz muss wieder weggeräumt werden, wenn die Gartenschau in nicht einmal zwei Wochen vorbei ist. Einiges wird wiederverwendet, die einjährigen Stauden werden aber kompostiert..
Alles muss weg: Die Pflanzen in den Kästen, die hölzernen Beete im Hintergrund und sogar der ganze Schotter auf dem Volksfestplatz muss wieder weggeräumt werden, wenn die Gartenschau in nicht einmal zwei Wochen vorbei ist. Einiges wird wiederverwendet, die einjährigen Stauden werden aber kompostiert.
Straßer
Pfaffenhofen

Die entsprechenden Anfragen von Lesern an die Redaktion sind ebenso häufig wie E-Mails bei Lisa Geißler im Gartenschaubüro eingehen. „Ja, das treibt die Menschen tatsächlich um“, räumt sie auf Nachfrage unserer Zeitung ein. Was den Abbau betrifft, ist Geißler um keine Antwort verlegen. Auch wenn es zu Beginn der Gartenschau sogar vielen Beteiligten noch einigermaßen unklar war, wie der schnelle Rückbau ablaufen könnte.

Eines ist klar: Es pressiert gewaltig. Das Finale der Gartenschau ist am Sonntag, 20. August. In den Abendstunden schließt das Gelände. „Und um ehrlich zu sein, beginnt in diesem Moment bereits der Abbau“, sagt Geißler. Wirklich brisant geht es dabei allerdings nur auf dem jetzigen Festplatz zu. Denn: „Einen Monat später beginnt bereits der Aufbau für das Volksfest, das am 6. Oktober startet“, sagt Geißler. Innerhalb kurzer Zeit wird auf dem Gelände also jede Menge passieren: Die Stände müssen alle weg, die Blumen und Bäume haben zu weichen – und der Unterbau von den Holzaufbauten bis zum Schotter wird wieder verschwinden. Am Ende das Kraftakts steht dann wieder ein trister, grauer Platz, so wie er halt auch vorher war. Im Oktober wird er noch anderthalb Wochen zum kollektiven Biertrinken verwendet, danach fast ein Jahr lang ausschließlich zum Parken.

„Erst warten vier Wochen harte Arbeit auf uns – dann ist die Gartenschau schon wieder Geschichte.“

Lisa Geißler

Der Abbau hat seine Tücken, die vor allem in der rasenden Geschwindigkeit liegen, die von allen Beteiligten verlangt wird. „Das wird ein schnelles Chaos“, erwartet auch Lisa Geißler keinen geregelten Ablauf, sondern ein ziemliches Durcheinander. „Aber ich bin guter Dinge, dass alle so mitspielen, wie wir das inzwischen ausgekartelt haben.“ Schließlich habe alles rund um die Gartenschau geklappt. Weshalb sollte es jetzt beim Abbau plötzlich anders sein?

Viele Leser hätten sich gewünscht, dass die hübschen, bunten und duftenden Blumen in den Sommerflorbeeten sowie die in Bigpacks gepflanzten Bäume zum Gartenschaufinale verkauft oder verschenkt werden. „Eine nette Vorstellung“, räumt Lisa Geißler ein. „Aber leider auch eine, die in der Realität nicht durchzusetzen ist.“ Am Ende der Schau einfach die Pforten zu öffnen und den Bürgern die Möglichkeit zu geben, einzupacken so viel sie tragen können, sei schlichtweg unmöglich. Vor allem aus einem ganz einfachen Grund: „Das Meiste auf dem Gelände gehört uns gar nicht“, so Geißler. Das Inventar der Schaugärten ist Eigentum der Gartenbaufirmen. „Die werden das wieder mitnehmen, selbst verkaufen oder einfach wiederverwenden“, meint Geißler. Die vielen Gehölze und Bäume in den Bigpacks gehören den Baumschulen. „Auch die nehmen ihren Besitz hinterher wieder mit – und pflanzen die Bäume irgendwo anders ein.“

Viele Leser empfinden es als schade, dass die Blumen und Gräser in den Sommerflorbeeten einfach kompostiert und nicht verkauft werden. Auch hier liegt die Begründung jedoch auf der Hand. „Die überwiegende Zahl aller Pflanzen in den Beeten ist einjährig“, sagt Geißler. Ende des Sommers sind sie verblüht. Ausgraben und anderswo einpflanzen würden die Pflanzen gar nicht überstehen. Erneut austreiben können die wenigsten. „Der Aufwand ist zu groß, der Nutzen nicht vorhanden – daher wird das alles kompostiert“, so Geißler. Bleiben noch die Arrangements im Imker- und Interkulturgartenbereich. „Deren Mitglieder hätten bereits angekündigt, ihre Blumen wieder mitzunehmen. Sie sollen künftig auf dem Bunkergelände blühen.

Die „totale Anarchie“, die ein möglicher Abverkauf oder eine Schenkung an die Allgemeinheit mit sich bringen würde, wird also nicht eintreten. Sobald alle Stände, Pavillons und Hütten wieder fortgeschaffen wurden, und das wird innerhalb weniger Tage so sein, greifen auch die Arbeiter der Firma Majuntke wieder ein. Dem Gartenbauer gehören nämlich sämtliche Holzaufbauten und auch der Schotter, der im Moment den ganzen Volksfestplatz bedeckt. „In die Ausschreibungen wurde eingerechnet, dass die GmbH hinterher alles wieder mitnimmt“, berichtet Geißler. Das Bauholz sei ohnehin viel zu schwer, als dass es an private Interessenten verkauft werden könnte. „Majuntke nimmt alles mit, sichtet das Material – und verwertet es dann weiter. Je nach Zustand“, so Geißler.

Weit weniger aufwendig wird der Rückbau übrigens in den übrigen Bereichen der Gartenschau. Auf der Ilminsel weicht nur das Gießkannen-Kunstwerk, der Rest bleibt an Ort und Stelle. Im Sport- und Freizeitpark sieht es ähnlich aus: Ein Sommerflorbeet muss weg, an die Stelle kommt Rasen. Auch die zwei Kunstwerke werden wieder abgebaut – der Rest bleibt wie er ist. Und sogar im Bürgerpark, dem zweiten Herzstück der Gartenschau nach dem Festgelände, muss gar nicht viel verändert werden. Ein Blumenbeet wird weichen, ebenso zwei der weißen Zelte, das dritte wird wohl eingewintert und nächsten Sommer wieder aufgestellt. Der Fantastic-Gartenschau-Gastronom packt seine Sachen zusammen, sodass der dauerhafte Biergarten an dessen Stelle treten kann. Und das war es dann schon mit dem Abbau.

Wie das Gelände weiterhin gepflegt und bespielt wird, liegt ab dem 20. August in den Händen der Stadt, der Stadtwerke und von Pfaffenhofens oberstem Gärtner Mario Dietrich, der sich ein dauerhaftes Pflegekonzept überlegt hat. Dann wird sich zeigen, wie nachhaltig die Gartenschau wirklich ist – und inwiefern die Pfaffenhofener von den neu geschaffenen Grünanlagen profitieren. Aber das ist eine andere Geschichte. „Erst einmal warten vier Wochen harte Arbeit auf uns“, so Lisa Geißler. „Danach ist die Gartenschau dann auch schon wieder Geschichte.“