Fünf: Bühne im Blütenrausch
Siegerin der Herzen: Veronika Koller aus Bodenmais (Mitte), hier mit ihrem Modell, gewann den Publikumspreis.
Pfaffenhofen

Zwei Apfelsinen im Haar und an der Hüfte Bananen, das war gestern, genauer 1968, als Schlagerstar France Gall besang, was Rosita zu ihrem Kokosnusskleid trägt, wenn in Mexiko Karneval ist. Völlig out! Heute dominieren Anthurien, Bartnelken und Gräser den floralen Kopfschmuck, um die Hüfte wogt eine Schärpe aus Orchideen, und aufs Kleid werden Strohblumen genäht.

Was Floristen heute zaubern können, davon konnten sich den ganzen Sonntag über die Gartenschaubesucher auf der Sparkassenbühne überzeugen. Der Fachverband der Deutschen Floristen, der vor 70 Jahren in Bayern gegründet wurde und bundesweit über 5000 Mitglieder hat, lud zum Wettkampf um die Silberne Rose ein, die der Landesverband Bayern ausrichtet. Fünf Floristinnen aus ganz Bayern, von Wassertrüdingen bis Geretsried im Tölzer Land, banden, steckten und wickelten viele Hundert Blüten zu Kunstwerken.

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Organisatorin Barbara Storb hatte ihnen vor dem Startschuss zu Bedenken gegeben: "Nicht nur ihre Blumen brauchen Wasser, auch Sie selbst." Kein schlechter Rat bei den hochsommerlichen Temperaturen und den zum Teil schweißtreibenden Disziplinen, in denen sie mit der Stoppuhr antraten. So galt es, einen mediterranen Raumschmuck auf einer Fläche von einem Quadratmeter bei einer Maximalhöhe von 2,20 Meter zu gestalten. Außerdem einen Blumenschmuck für die Poolparty und einen Strauß anlässlich des Verbandsjubiläums. Die Gartenschau-Besucher wurden mit eingebunden: In der Kategorie "Körperschmuck" sollten Trachten mit Blütendekorationen aufgepeppt werden, das Publikum durfte den Sieger küren.

Kreativität war gefragt. So hatte sich Natascha Heubeck, 21, aus Erlangen schon Wochen vorher Gedanken gemacht, wie sie denn die Aufgaben bewältigen könnte. "Ich liebe Herausforderungen", sagte sie, und ich liebe die mediterrane Küche." Deshalb hatte sie weiß emaillierte Küchensiebe und Kannen säulenartig drapiert und "alles, was man essen kann", hineingebunden: Rosmarinstängel, Paprikas, Kumquats, Olivenzweige, Fuchsschwänze... Fuchsschwänze? Na klar, die Samen sind ein Getreideersatz. Man muss schon Floristin sein, um das zu wissen. Und eine Floristin würde, nach ihrer Lieblingsblume gefragt, auch nicht Gänseblümchen antworten, sondern zum Beispiel Lysianthus oder Eustoma, ein Prärie-Enzian, der es der Floristin Tamara Wakonig aus Dorfen angetan hat. Das Gartenschau-Publikum mochte es offenbar bescheidener. Es entschied sich nicht für die blumendekorierten Trachtenhosenträger oder die prunkvolle Orchideenschärpe, sondern für Veronika Weiß, 25, aus Bodenmais, die auf der Sparkassenbühne mit der Maschine Strohblumen und Gräser auf eine Trachtenschürze nähte.

Als Gesamtsiegerin wurde von der Fachjury schließlich Franziska Strobl aus Geretsried gekürt. Sie mag es bunt und opulent: Ihr Raumschmuck ist eine große Schale mit Rittersporn, Pfingstrosen, Löwenmäulchen, Astilben (Laien würden dazu Prachtspieren sagen), Wicken und Gloriosa, eine klangvollere Bezeichnung als "Ruhmeskrone".

Roland Dörfler, Dritter Pfaffenhofener Bürgermeister, lud alle Teilnehmerinnen zu einem Gartenschau-Besuch ein. Denn viel davon mitbekommen haben die fünf nicht. Franziska darf noch weiter reisen: Sie nimmt am Wettbewerb um die Goldene Rose in Berlin teil, wo die beste Floristin Deutschlands gekürt wird.

Viel Aufwand für so schnell welkende Kunstwerke. Der Pfaffenhofener Florist und Wettkampfleiter Norbert Neumair hat da Tipps, wie Blumen länger halten: Wenn der Kauf länger als eine Viertelstunde zurückliegt, erneut anschneiden, außerdem die Vase wegen möglicher Bakterien gründlich waschen, am besten in der Spülmaschine. Und was das Leben von Blumen deutlich verkürzt, ist Zigarettenrauch. Da gibt's offenbar eine Parallele zu den Blumenkäufern.