Wohin führt der Weg? Wichtige Entscheidungen zur Zukunft der Klinik stehen an.
Wohin führt der Weg? Wichtige Entscheidungen zur Zukunft der Klinik stehen an. Falls sie saniert wird, steht eines fest: Die charakteristische Ziegelfassade des Krankenhauses bleibt erhalten.
Ermert
Pfaffenhofen

Der Weg in die Zukunft beginnt für die Ilmtalkliniken am 22. Januar - und zwar im Kelheimer Kreistag. Dort wird besprochen und vielleicht entschieden, wie viel Geld der Landkreis in die Hand nimmt, um das marode Mainburger Krankenhaus zu sanieren. "Wir reden von einem zweistelligen Millionenbetrag, der im Raum steht", sagt Pfaffenhofens Landrat Martin Wolf (CSU), der den Aufsichtsrat beider Häuser führt. Nun gibt es im Kreis Kelheim noch ein zweites Krankenhaus, die Goldbergklinik. Beide Häuser laufen nicht gerade prächtig. So befassen sich die Kreisräte schon länger mit Varianten, um die medizinische Versorgung zu sichern.

"Wir können unseren Partnern nicht vorgreifen, sie sind in ihrer Entscheidung frei. Wir sind aber sehr gespannt", kommentiert Wolf die Lage. Die Auswirkung des Kelheimer Beschlusses auf die Klinikallianz und die medizinische Versorgung der Pfaffenhofener können gehörig sein. Bislang halten die hiesigen Lokalpolitiker an der Klinikallianz fest. "Wir und die Geschäftsführung der Klinik sind überzeugt, dass der gemeinsame Weg für beide Seiten Vorteile hat", meint Wolf.

Doch was jetzt ist, muss nicht für alle Zeiten so bleiben. Und das wird es sogar ganz sicher nicht, falls sich die Kelheimer so positionieren, dass die Pfaffenhofener mit ihren Steuergeldern mitzahlen müssen, um den medizinischen Status quo im Nachbarlandkreis zu halten. "Wir werden keine dauerhafte Subventionierung der Mainburger Klinik akzeptieren", fasst der Landrat die Pfaffenhofener Grundhaltung zusammen. "Die meisten aus unserem Kreistag sehen das ähnlich."

So stehen jetzt verschiedene Varianten im Raum, wie der weitere Weg der Ilmtalklinik aussehen kann. Wolfs Augenmerk liegt darauf, die Grund- und Regelversorgung am Pfaffenhofener Krankenhaus zu sichern. Am besten geht das zusammen mit Mainburg. "Weil wir mit 310 Betten in beiden Häusern solider arbeiten können als mit nur 200 Betten in Pfaffenhofen", so Wolf. Denkbar wäre, das Mainburger Haus etwas abzuspecken. Die Grund- und Regelversorgung soll auf jeden Fall erhalten bleiben. Und ein Teil der Mainburg zugeordneten Betten - hinter vorgehaltener Hand ist von 25 Stück die Rede - könnte künftig an die Pfaffenhofener Klinik gehen. "Es ist nicht länger praktikabel und auch viel zu teuer, Chefärzte und ihr Personal zwischen Pfaffenhofen und Mainburg hin und her fahren zu lassen", macht Wolf deutlich. Auch gleiche Spezialabteilungen an beiden Häusern soll es künftig nicht mehr geben. Ebenso keine medizinischen Experimente in Spezialabteilungen, die kurzfristig Geld in die Kasse wirtschaften sollen. Die Finanzen - die Kliniken schreiben derzeit jährliche Defizite in Höhe von insgesamt knapp fünf Millionen Euro - sind für Wolf nämlich nicht so wichtig wie eine "medizinisch optimale Grund- und Regelbetreuung in Pfaffenhofen". Wobei die Summe, die aus Steuergeldern draufgezahlt werden muss, dann doch so niedrig wie möglich ausfallen sollte.

Der Landrat sieht das Pfaffenhofener Krankenhaus durch "das hohe Engagement der allermeisten Pflegekräfte", angesichts einer funktionierenden Notfallversorgung und einer ärztlichen Bereitschaftspraxis, die ab dem 24. April an der Klinik angesiedelt wird, zwar als gut gerüstet für die Zukunft. Während seiner Absenz hätten die Querelen um die Generalsanierung (siehe getrennten Bericht) aber neue Überlegungen mit sich gebracht. Wolf hält an den vorliegenden Sanierungsplänen zwar fest. Er schließt aber einen Teilneubau des Funktionstrakts und sogar eine Ausweitung von vier auf künftig fünf OP-Säle - auch das hängt von Kelheim ab - nicht aus. "Wir werden eine Entscheidung im Lauf des ersten Halbjahrs treffen - eine, die positiv für beide Seiten ist."

Übrigens: Wird die Pfaffenhofener Klinik nur saniert, beginnen die Maßnahmen noch heuer. Wird zum Teil neu gebaut, könnte sich der Baubeginn wegen der Planungen ins kommende Jahr hinauszögern. Ob es bei der Fusion mit Mainburg bleibt, ob auf eine neue Form der Kooperation mit den beiden Kelheimer Kliniken hingearbeitet wird oder alles ganz anders kommt, vermag Wolf momentan nicht zu sagen. Möglich scheint auch eine engere Zusammenarbeit mit dem Schrobenhausener Krankenhaus. Davon will Wolf aber noch gar nichts wissen. "Wir sind willig, weiter mit Mainburg zu arbeiten. Weil alles gut funktioniert und das Verhältnis passt." Am 22. Januar wird sich zeigen, ob Kelheim das genauso sieht.

Pfaffenhofens Landrat Martin Wolf (CSU)
Patrick Ermert
Pfaffenhofen

"Es steht alles in den Unterlagen"

Pfaffenhofen (pat) Wer hat was gewusst - oder wissen können? Wurde etwas verschwiegen? Und wurden bei der Planung der Generalsanierung des Pfaffenhofener Krankenhauses (für 70 Millionen Euro in zehn Jahren) Fehler gemacht? Vor dem Hintergrund, dass offenbar weder Aufsichts- noch Kreisräte wussten, dass Teile des 40 Jahre alten Klinikbaus von der Sanierung ausgespart bleiben sollten, bringt Landrat Martin Wolf (CSU) jetzt Licht ins Dunkel.

"Es steht alles in den Unterlagen", sagt Wolf. Zwischen dem damaligen Geschäftsführer Marcel John und dem mit der Sanierung beauftragten Planungsbüro sei besprochen und festgesetzt worden, dass bei der Generalsanierung die Gebäudebereiche, die mit den fünf freien Praxen, der Physikalischen Therapie und der Küche belegt sind, ausgeklammert werden. "Das hatte damit zu tun, dass für die Sanierung dieser Bereiche vom Freistaat keine Fördermittel zu erwarten waren und sind", so Wolf. Die Zukunft der Praxen war damals - und sie ist es bis heute - offen. "Zwei werden die Klinik verlassen. Bei den übrigen drei Praxen kommt es auf die künftigen Konditionen an", sagt Wolf. Die Küche sei erst vor zehn Jahren innen neu eingerichtet worden. Dort herrsche kein unmittelbarer Sanierungszwang. Und wie mit der Physikalischen Therapie umgegangen wird, hätte im Verlauf der Sanierung entschieden werden sollen. "Wir reden da nicht von den ganz großen Summen. Und wir hätten es immer aus eigener Tasche bezahlen müssen."

Dem früheren Geschäftsführer John macht Wolf aus dieser Warte keinen Vorwurf. "Bei der Planung wurden keine Fehler gemacht. Und wir haben mit der Maßnahme einen festen Platz in der bayerischen Krankenhausfinanzierung." Fördermittel in Höhe von 59 Millionen Euro fließen nach Pfaffenhofen, wenn die Sanierung startet. "Alle Mehrkosten sowie die Sanierung der ungeförderten Gebäudeteile muss der Landkreis selbst schultern." Allerdings: John hätte diese Tatsachen laut Wolf im Aufsichtsrat deutlicher ansprechen können oder müssen. "Es ist zwar alles dokumentiert. Aber die Räte wurden beim Fachvortrag nicht deutlich darauf hingewiesen", so Wolf.

Eine Lehre zieht der Landrat daraus. "Aufsichtsrat und Kreistag müssen näher zusammenrücken. Der Informationsfluss - auch an die Öffentlichkeit - muss besser werden. Und im Kreistag muss intensiver und offener über alle Fragen, die die Klinik betreffen, diskutiert werden."