Ilmmünster: Vorgezogener Valentinstag
Foto: Hans Steininger
Ilmmünster

Sowohl junge, als auch ältere Paare hatten den Anstieg auf die Anhöhe auf sich genommen, um in der kleinen Wallfahrtskirche ihrer Verbundenheit Ausdruck und vielleicht auch neue Impulse zu geben. Vom Parkplatz aus wies Kerzenlicht den Anstieg hinauf zur Kirche, die auch innen nur vom spärlichen Schimmer flackernder Kerzen beleuchtet wurde. Ein romantisches Ambiente, das durch den Belcantochor und Musiker aus Gerolsbach mit gefühlvoll passenden Liedern noch klangvoll unterstützt wurde.

Eine schöne Aufgabe für Abt Markus Eller und Dekan Alexander Weber, eine ganz besondere Andacht zusammen mit den Paaren zu feiern. Mit "liebe Verliebte, liebe Liebende" wandte sich Weber an die Kirchenbesucher und erinnerte an den Heiligen Valentin, den Patron der Liebenden und Verliebten. Zu dessen Zeiten war es oft nicht möglich, den Menschen zu heiraten, der einem am Herzen lag. Dank Valentin aber konnten und durften diese Paare heimlich heiraten. Weber lud die Paare ein, sich wieder einmal bewusst in die Augen zu schauen und sich auch an die ersten intensiven Blickkontakte zu erinnern. Sich einander ansehen heiße auch "Ansehen zu erlangen, den Partner wertschätzen und die Ecken und Kanten des Partners annehmen".

Abt Markus Eller zitierte aus einem Brief des Apostels Paulus an die Römer: "Bleibt niemand etwas schuldig, nur die Liebe schuldet ihr einander immer." Bei seinen Gesprächen mit Heiratswilligen stelle er immer die Frage nach dem ersten Kennenlernen. Da war es einmal eine Baustelle vor dem Haus der Braut, wo der Bräutigam arbeitete. Seit dieser Geschichte habe eine Baustelle für ihn eine andere Bedeutung gewonnen, eine positive anstelle eines Ärgernisses. Denn das Leben beinhalte viele Baustellen, mit denen die Menschen klar kommen müssten. Die Liebe aber sei eine "Dauerbaustelle" mit Mühe und Arbeit, habe aber auch Pläne und Ziele und fordere Kreativität, um sie zu gestalten. Das betreffende Brautpaar hatte einen passenden Trauspruch gewählt: "Die Ehe ist eine Brücke, die man täglich bauen muss, am besten von beiden Seiten." Das gelte auch für Beziehungen, und am Valentinstag sollte man darüber nachdenken, welche Baustellen man durchgestanden hat und welche noch offen sind, so der Abt.

Vorher hatten die Geistlichen Bücher durch die Bankreihen verteilt, in die die Paare anonym Fürbitten notieren konnten, die anschließend wechselweise von Abt und Dekan vorgelesen wurden. Da wünschten sich Paare "noch viele gemeinsame Jahre und Geduld und Gelassenheit in stürmischen Zeiten". Ein anderes dankte "für 40 glückliche Ehejahre, ein junges Paar erwartet in wenigen Wochen Nachwuchs und wünschte sich für ihr Kind "ein gesundes Wachstum und einen guten Start ins Leben". Ein Paar bedankte sich für 25 glückliche gemeinsame Jahre und wünschte allen, "deren Liebe eingestaubt ist, dass sie wieder neu entflammt". Am Ende hatten die Paare Gelegenheit, ihre Beziehung segnen zu lassen, und kein Paar nahm sich davon aus.

Seit zehn Jahren findet dieser Gottesdienst für Verliebte statt, in der Regel am Valentinstag, betonte Abt Markus Eller. Da der in diesem Jahr auf den Aschermittwoch fällt, hatte man die Andacht auf den Faschingssonntag vorgezogen. Deshalb waren es nicht ganz so viele Paare wie sonst, die oft nur noch Stehplätze vorfinden. Sie kommen bis aus Aichach wie Johann (31) und Ulrike (31) und waren schon häufiger da: "Wir schenken uns zum Valentinstag nichts, dafür aber die gemeinsame, schöne Stunde hier in der Kirche." Aus Güntersdorf kommen Marlene (57) und Norbert (59). Die sind seit fast 20 Jahren zusammen und wollen "ihre Liebe segnen lassen, sowohl des Glaubens wegen wie auch aus einem inneren Bedürfnis heraus."