Ilmmünster: Stoßgebete vor dem Anpfiff
Gruppenbild mit Promis und Geistlichen: Beim Benefizspiel hatten das Prominententeam aus dem Landkreis keine Chance gegen die Bayerische Klerusauswahl. Die Geistlichen zeigten sich torhungrig und siegten mit 12:5.
Ilmmünster

Vor dem Anpfiff sendete der Ilmmünsterer Pfarrer Georg Martin zwei Stoßgebete gen Himmel: "Bitte lieber Gott, lass die bessere Mannschaft gewinnen. Und bitte lieber Gott, lass uns die bessere Mannschaft sein." Und siehe da, der göttliche Beistand machte sich bezahlt. Das Duell zwischen der bayerischen Klerusauswahl und der Prominentenmannschaft, bestehend aus Politikern und bekannten Landkreisbürgern, entschieden die Geistlichen mit 12:5 für sich. "Wir wurden vor allem in der Anfangsphase vom Gegner überrascht", sagte Scheyerns Bürgermeister Manfred Sterz und lieferte sogleich schmunzelnd die Erklärung für das mangelnde Abwehrverhalten. "Wir sind offensiv ausgerichtet in die Partie gegangen."

Anlass für das Fußballspiel am Sonntagabend am Ilmmünsterer Sportplatz war, dass Pfarrer Martin gefragt hatte, ob eine Prominentenauswahl für ein Benefizspiel zusammengestellt werden könne. Ilmmünsters Bürgermeister Anton Steinberger mutierte kurzerhand zum Fußballmanager und stellte eine illustre Runde zusammen, die Gemeinderäte und Bürgermeister vereinte. Zudem liefen auch der Landtagsabgeordnete Karl Straub und der BLSV-Kreisvorsitzende Florian Weiß auf. "Diese Veranstaltung hat eine Gemeinschaftswirkung und dient auch dem Austausch und der guten Zusammenarbeit", bilanzierte Steinberger. Für die deutliche Niederlage übernahm er aber unmittelbar nach Abpfiff lächelnd die volle Verantwortung. "Ich trete von meinem Amt zurück."

Die ohnehin auf ein einmaliges Auflaufen ausgerichtete Mannschaft hatte da schon ihren Zweck erfüllt. Über 200 Menschen kamen und sahen eine Pfarrerauswahl, die äußerst motiviert aus der Kabine kam. Innerhalb kürzester Zeit gingen die Kleriker 5:0 in Führung, gerade die geistliche Offensive spielte den Landkreispolitikern ein ums andere Mal Knoten in die Beine. "Wenn es losgeht, kommen Ehrgeiz und Siegeswille durch", erklärte Helmut Kormann, Manager der Klerusauswahl. Die Prominentenauswahl hatte zwar lange Zeit offensiv wenige Momente, wusste bezeichnenderweise in einem davon - ganz die Politiker - zu glänzen. Der Ilmmünsterer Gemeinderat Thomas Preitschopf vollendete eine Flanke gekonnt per Flugkopfball. "Durch die direkte Nachbarschaft arbeitet man mit den Kollegen oft zusammen", sagte Sterz. "Wir sind daher wirklich ein Team." Im Verlauf der ersten Halbzeit stabilisierten die Politiker sich zwar, in den Strafraum von Torhüter und Diakon Harald Schillmeier verirrten sich aber dennoch wenige Gäste. Fragen, ob ihm dieser Zustand aus der katholischen Kirche bekannt vorkommt, verbieten sich selbstredend.

Bis zum Seitenwechsel erhöhten die Pfarrer, Patres und Diakone auf 7:1 - in der Halbzeitpause ergab sich für die Zuschauer die Chance, zu spenden. Insgesamt wurden 1207 Euro gesammelt. "Mit dem Geld unterstützt die Missio München ein Kinder- und Jugendprojekt des Ordens Schwestern vom Guten Hirten im Senegal", erklärte Kormann. "Wir wollen Kindern in prekärer Lage die Hausaufgabenhilfe finanzieren und so eine Bildungsperspektive geben." Da war es für die Bürgermeister Helmut Bergwinkel (Pörnbach), Manfred Betzin (Jetzendorf), Michael Franken (Reichertshofen) und Manfred Sterz (Scheyern) genauso eine Ehrensache, zu helfen, wie für mehrere Gemeinderäte aus Ilmmünster, Hettenshausen oder Reichertshausen. "Es macht Spaß und ist eine tolle Abwechslung", sagte Landtagsabgeordneter Straub. "Wir verstehen uns privat untereinander sehr gut." Auch in der zweiten Halbzeit wurden die Zuschauer bei feinstem Kaiserwetter mit zahlreichen Toren verwöhnt. Und auch wenn die Klerusauswahl erneut dominierte und das ein oder andere Kabinettstückchen präsentierte, sammelte auch die Prominentenauswahl persönliche Erfolge. "Ich habe als Verteidiger im Scheyern-internen Duell gegen Pater Benedikt vom Kloster Scheyern gespielt", berichtete Bürgermeister Sterz lachend. "Und dabei habe ich kein Tor von ihm zugelassen."

Einen Tag nach dem Benefizspiel suchten die Geistlichen gestern noch ihren eigenen Meister: Sechs Mannschaften der bayerischen Diözesen spielten gegeneinander um den Titel. In einem spannenden Endspiel holte sich Augsburg mit einem 4:1 den Titel zum dritten Mal in Folge, Regensburg wurde zweiter.

Würzburg landete schließlich auf Rang sechs, Eichstätt auf Rang fünf. Bamberg verpasste das Treppchen knapp, während München sich den dritten Rang sicherte - vollkommen verdient, wie der Ilmmünsterer Pfarrer Georg Martin findet. Denn seine Diözese hatte sich im Halbfinale erst beim Elfmeterschießen geschlagen gegeben müssen und sich anschließend im Spiel um Platz drei durchgesetzt. Martin selbst allerdings stand nicht auf dem Platz: Sein Muskelfaserriss war nach der Partie am Sonntag wieder schlimmer geworden.