Herr Hipp, Sie sind nicht nur Unternehmer, sondern auch Maler. Wie würde ein Gemälde aussehen, das die Zukunft der Firma Hipp porträtiert


Claus Hipp: Auf jeden Fall ein schönes Gemälde mit vielen hellen, klaren Farben.

 

Stefan Hipp, Sie werden eines Tages das Unternehmen verantwortlich mitführen. Ihr Vater ist schon eine Persönlichkeit: Erfolgreicher Unternehmer, Reiter und Maler. Ist es für Sie schwer, aus seinem Schatten zu treten?

Stefan Hipp: Natürlich habe ich Respekt vor dieser Aufgabe. Sonst würde ich sie ja nicht ernst nehmen. Den bisherigen Weg will ich auf jeden Fall weitergehen. Hipp soll ein Familienunternehmen bleiben. So können wir schnell entscheiden, unsere Ideen unabhängig von kurzfristigen Zielen umsetzen.

Claus Hipp: Meine Kinder habe ich schon sehr früh an Entscheidungen teilnehmen lassen. Stefan hat zum Beispiel schon als kleiner Bub mitgehört, wenn ich wichtige Telefonate geführt habe. Da hat er schon viel über Nachhaltigkeit, soziale Werte und den biologischen Anbau gelernt.

 

Sie haben ja schon vor der Konkurrenz auf biologischen Anbau gesetzt.

Claus Hipp: Damals haben wir gegen den Staat, gegen die etablierte Landwirtschaft angefangen, Bioprodukte herzustellen. Heute ist es Trend geworden. Deshalb gibt es auch immer mehr Kontrollen. Die Ämter, die früher dagegen waren, machen uns nun Vorschriften.

 

Vor einigen Jahren meldeten Medien, dass in Ihren Gemüsesorten so genannte CMS-Hybride gefunden wurden. Dahinter steht eine Technik, bei der Pflanzen genverändert werden.

Stefan Hipp: Die damalige Behauptung, wir würden gentechnisch verändertes Gemüse verarbeiten, war jedoch falsch. Wir versichern, dass wir kein gentechnisch verändertes Gemüse verarbeiten und dass auch beim Anbau keine CMS-Hybridsorten zum Einsatz kommen.

Claus Hipp: Es ist einfach viel interessanter, wenn der Marktführer angeschwärzt werden kann.

Stefan Hipp: Natürlich ist es gut, dass es Kontrollen bei Lebensmitteln gibt. Doch ich kann nicht nur die Vorschriften für Lebensmittel verschärfen, ohne beim Umweltschutz die Bedingungen dafür zu schaffen, dass hochwertige Rohstoffe erzeugt werden können. Für uns ist es künftig eine der größten Herausforderungen, Landwirte zu finden, die genügend Rohstoffe in der von uns so wichtigen Qualität erzeugen. Wir arbeiten weltweit mit 8000 Vertragsbauern, ein großer Teil kommt aus Deutschland.

Claus Hipp: Für unsere Bananen haben wir etwa Landwirte in Costa Rica. Wie alle anderen werden sie von unseren Ingenieuren kontrolliert. Die Felder haben wir mit GPS erfasst, um eine genaue Kartierung der Stauden sicherstellen zu können.

 

Wie hat sich Ihr Unternehmen noch im Zuge der Globalisierung verändert?

Claus Hipp: Als wir anfingen, war der Markt sehr begrenzt. Während der Nachkriegszeit durften wir erst nur an die amerikanische Zone liefern. Als wir das erste Mal nach Österreich liefern konnten, war das ein großes Ereignis. Heute liefern wir in 52 Länder.

 

Darunter viele asiatische. Ist das wie bei der Autobranche der Markt der Zukunft?

Stefan Hipp: Das ist auf jeden Fall ein wichtiger Markt. In den europäischen Ländern gibt es fast überall eine negative Geburtenrate. In Asien geht es in die andere Richtung.

 

Warum wollen asiatische Mütter ein Produkt aus Deutschland?

Stefan Hipp: Säuglingsnahrung ist ein sehr sensibles Produkt, bei dem Eltern dem Hersteller vertrauen. In Asien haben sich zudem die Verbrauchergewohnheiten geändert, Bioprodukte werden vermehrt nachgefragt - und die gibt es dort nicht in dem Maß.

 

20 Prozent ihrer Babynahrungsprodukte werden von Erwachsenen konsumiert. Ist das auch ein neuer Markt?

Claus Hipp: Nicht nur das. Auch Flugbegleiter essen oft unsere Produkte. Oder viele junge Frauen als kleine Zwischenmahlzeit.

Stefan Hipp: Allerdings wollen wir uns auf unsere Kernkompetenz beschränken - und das ist Babynahrung.

 

Ihr Sohn scheint sein Ziel zu kennen. Wie lange werden Sie dem Unternehmen eigentlich noch erhalten bleiben, Herr Hipp?

Claus Hipp: So lange ich gebraucht werde. Materiell habe ich meine Kinder bereits in das Unternehmen mit reingenommen.

 

Wie sieht es mit der nächsten Generation aus?

Stefan Hipp: Die gibt es. Momentan sind sie alle noch in der Schule, interessieren sich aber durchaus für unser Unternehmen.

Claus Hipp: Mittlerweile habe ich zwölf Enkel. Darunter sind auch mögliche Nachfolger, da bin ich mir sicher.

 

Das Gespräch führte

Desirée Brenner.