Die Aufbauarbeiten für den Christkindlmarkt auf dem Pfaffenhofener Hauptplatz sind bereits angelaufen.
Die Aufbauarbeiten für den Christkindlmarkt auf dem Pfaffenhofener Hauptplatz sind bereits angelaufen. Er soll in der Vorweihnachtszeit ordentlich Leben in die gute Stube bringen - während der Autoverkehr in den nächsten Jahren immer weniger werden soll.
Ermert
Pfaffenhofen

398 Menschen hatten sich bis gestern Mittag an einer seit Freitagnachmittag laufenden Facebook-Umfrage der PK-Redaktion beteiligt. 244 haben sich gegen eine Durchfahrtssperre ausgesprochen, 154 sind dafür. Auch wenn eine derartige Umfrage in einem sozialen Netzwerk natürlich keinerlei repräsentativen Charakter hat, gibt sie doch ein gewisses Stimmungsbild wider - zumal die Stimmabgabe mit Dutzenden von Kommentaren verbunden war. Und auch die Meinungsäußerungen vieler User auf die PK-Berichterstattung zur Stadtratsentscheidung über das Verkehrskonzept sind durchaus aufschlussreich.

Deutlich wurde vor allem, dass die Stadt noch viel Aufklärungsarbeit leisten muss. Viele glauben, dass der Hauptplatz komplett für den Verkehr gesperrt werden und damit zur "autofreien Zone" werden soll - ein Trugschluss, der von mehreren Kommentarschreibern zwar zurechtgerückt wurde, sich aber in der ganzen Diskussion hartnäckig gehalten hat.

 

"Die Geschäftebekommen immer mehr Probleme durch den Internethandel. Eine weitere Beschränkung ist der falsche Ansatz."

 

 

"Die Geschäfte werden darunter leiden" - ein Satz, der sich wie ein roter Faden durch die Kommentare zieht. Wer es sich bequem machen wolle oder einfach nicht mehr gut zu Fuß sei, "wird dorthin fahren, wo er parken kann", ist sich eine Teilnehmerin an der PK-Umfrage sicher. "Wir haben eh viel zu wenig Parkmöglichkeiten und die meisten Leute werden sicherlich nicht auf dem Volksfestplatz parken, um dann in die Stadt zu gehen", meint eine andere. Die Diskussion um den drohenden Schaden für die Geschäftsleute fasst ein weiterer User letztlich plakativ zusammen: "Mal schnell zur Bank oder in die Apotheke oder zum Hipp auf ein Geburtstagsgeschenk, oder beim Urban ein neues Hemd kaufen, wird dann nicht mehr funktionieren." Dass künftig alle Innenstadtbesucher in ein Parkhaus fahren, um einkaufen zu gehen, "das stellt sich der Stadtrat zu einfach vor".

 

 

"Wenn Pfaffenhofen will, dass die Innenstadt so wie in Freising stirbt, dann sollen sie das durchziehen."

 

 

Die Verbannung des Durchgangsverkehrs hat jedoch auch Befürworter: "Ich verstehe nicht ganz das Problem hier in Pfaffenhofen, meint ein Leser, schließlich verfüge man über immer noch genug Parkalternativen um den Hauptplatz herum, "man muss halt nur 50 Meter weiter laufen." Während der Wochenmärkte gebe es doch auch keine Probleme, "da fehlen doch schon wegen der Stände 30 bis 40 Parkplätze."

 

"Die sollen mal an die älteren Menschendenken, die nicht mehr so gut laufen können und zur Apotheke oder zu den Ärzten müssen!"

 

Breit diskutiert wurde in den letzten Tagen auch die Frage, ob der Stadtratsbeschluss von der Mehrheit der Pfaffenhofener mitgetragen wird. Sogar ein Bürgerentscheid wird mehrfach ins Gespräch gebracht - wobei über den möglichen Ausgang durchaus kontrovers diskutiert wurde. Klar herauszulesen ist allerdings, dass sich viele Bürger eine breitere Beteiligung der Öffentlichkeit gewünscht hätten - was allerdings möglicherweise, so mutmaßen mehrere Kommentar-Schreiber, nicht im Sinne der Stadtführung gewesen sei. Vielleicht, so ein User, habe man auf eine Bürgerbefragung verzichtet, "weil man sich nicht wirklich sicher war, dass diese im Sinne der Bunten entschieden worden wäre".

 

Kommentar von Rudi Gegger

Ganz klar: Ob eine Mehrheit der Pfaffenhofener nun für oder gegen eine Verbannung des Durchgangsverkehrs aus dem Hauptplatz ist, lässt sich aus der PK-Umfrage nicht herauslesen. Sie ist allenfalls ein Stimmungsbild - das der Rathausregierung allerdings zu denken geben sollte. Bis hin zur autofreien Fußgängerzone, in die außer Feuerwehr und Notarzt niemand mehr hineinfahren darf, geistern diverse Hauptplatzszenarien durch die sozialen Netzwerke und werden Zuhause oder an den Stammtischen diskutiert. Viele Bürger sind nur unzureichend informiert, trotz Zukunftsworkshops und diversen Informationsveranstaltungen im Vorfeld. Hier ist noch viel Aufklärungsarbeit nötig, zu der natürlich auch die PK-Redaktion ihren Teil beitragen wird. Viele Pfaffenhofener fühlen sich von der Entscheidung über das neue Verkehrskonzept aber auch einfach überfahren und vor vollendete Tatsachen gestellt. Als vor Jahren die Hauptplatzumgestaltung anstand, durften die Bürger sogar über das Aussehen der Parkbänke mitentscheiden, dann 2016 bei einem Bürgerentscheid über die Ausstattung des geplanten Hallenbades. Und jetzt, bei einer der wichtigsten Verkehrsentscheidungen der letzten Jahre, fühlen sich viele Kreisstädter plötzlich außen vor gelassen. Mitwissen, mitmachen, mitgestalten" heißt es in den Hochglanzbroschüren der Stadt immer wieder - jetzt sollte die Rathausführung den Bürgern auch bei diesem Thema schnell das Gefühl geben, dass sie das auch dürfen.