Gerolsbach: Ein Leben voller Musik
Immer engagiert und musikalisch: Günter Stoppe war beispielsweise viel mit dem Frauenchor "ChoryFeen" unterwegs. - Fotos: Archiv Sonhütter
Gerolsbach

Geboren wurde Stoppe im Oktober 1925 im Riesengebirge, dem heutigen polnischen Jelenia Góra. 1943 wurde er zur Kriegsmarine nach Stralsund eingezogen. Bei der Invasion 1944 kam er erst in kanadische, dann in polnische, zum Schluss in englische Gefangenschaft. Nach seiner Entlassung meldete er sich 1948 als Freiwilliger zu dem 1945 von den Alliierten eingerichteten "Deutschen Minenräumdienst". Die See blieb auch danach ein wichtiger Teil seines Lebens. Auf dem Forschungsschiff "Gauss" wirkte er 1954 bis 1957 bei der Vermessung der Dänemark-Straße zwischen Island und Grönland mit.

Die Liebe führte ihn schließlich nach Gerolsbach. Von Gerolsbach aus pendelte er wohl als einer der ersten Pendler zu seiner Arbeitsstelle in München, die ihn zu Vermessungen von Straßen und Fernleitungen in ganz Oberbayern einsetzte.

Zeit seines Lebens hat Stoppe gesungen. So war er Solist bei der Bordkapelle auf See und Mitglied beim Männerchor in Jever. Ein Jahr nach seiner Ankunft in Gerolsbach gründete er 1969 zusammen mit sangesfreudigen Männern beim "Jakl-Wirt" (heute Gasthaus zur Post) den Männergesangverein Rauhe Gurgl Gerolsbach-Singenbach. Die berühmten Faschingsbälle der Rauhen Gurgl waren ein Höhepunkt im Gerolsbacher Jahresablauf und auch die Vatertagsausflüge wurden bald zur festen Tradition. 1974 fand der erste Volksmusikabend im überfüllten Buchberger Saal statt; viele weitere sollten folgen. Als 1978 Werner Vitzthum sein Amt als Chorleiter der Rauhen Gurgl niederlegte, war bald ein Nachfolger gefunden - Günter Stoppe. Noch im selben Jahr veranstaltete Günter Stoppe im Breitnersaal mit allen Gerolsbacher Musikgruppen das erste Gerolsbacher Weihnachtssingen.

Ein ganz besonderes Erlebnis hat Stoppe mit Alfred Franke vom Partnerchor in Vierkirchen im Jahre 1991 für die Rauhe Gurgl organisiert: Eine dreitägige Versöhnungsfahrt führte in die Tschechoslowakei nach Krnov, früher Jägerndorf. Damals fast eine Pioniertat der Völkerverständigung. Rauhe Gurgl und Frauenchor Gerolsbach umrahmten dort musikalisch einen Versöhnungsgottesdienst von Tschechen, Polen und Deutschen. Im Februar 1994 übergab Stoppe nach 17 Jahren den Taktstock an Gerhard Koch, der bis heute die Rauhe Gurgl leitet. Stoppe blieb der Rauhen Gurgl als Tenor treu.

Stoppe konnte immer motivieren, begeistern, mitreißen und die Menschen mit seiner herzlichen Art für sich gewinnen. Nur so war es möglich, dass er noch viel mehr in Gerolsbach bewegen konnte. 1978 gründete er den Gerolsbacher Kinderchor, der sich bald die "Gerolsbacher Spatzen" nannte, und in dem bis zu 30 Kinder mitsangen. Es war Stoppes großes Ziel, die Kinder zur Musik zu führen, ihnen Gemeinschaftssinn und das "Aufeinanderhören" beizubringen. Mit seinen Kindern erzielte er bei Wettbewerben zweimal Preise. Mit ihren Auftritten erfreuten die Gerolsbacher Spatzen Kinder und ältere Menschen in Heimen. Nach zehn Jahren gab Stoppe die Chorleitung an Sylvia Domes weiter, ihr folgte Isabelle Pilz. Aus einigen besonders musikalisch Begabten dieses Kinderchors hat er dann den Gerolsbacher Drei-Gesang mit Stub'n-Musi gebildet, aus dem die Gerolsbacher Deandl wurden, die sich heute Zwoaraloa Musi nennen. Diese Mädels haben "ihren Günter" bis heute nicht vergessen.

1986 rief Stoppe außerdem den Frauenchor Gerolsbach, die heutigen "ChoryFeen", ins Leben. Auftritte in und um Gerolsbach, im Landkreis und beim Gausingen, beim Europatag der Musik in Würzburg 1990 und im Ausland folgten. 2005 übergab Stoppe die Leitung des Chores an Helmut Wicker.

Stoppes musikalische Begeisterung beschränkte sich aber nicht nur auf das Dirigieren der Gerolsbacher Chöre. Über viele Jahre war er seit 2001 mit seinem beeindruckenden Tenor Mitglied bei den berühmten, in russischer und kirchenslawischer Sprache singenden Schanzer Kosaken, deren Auftritt mit Ivan Rebroff ein besonders Erlebnis für ihn war. Mit der Goldenen Sängernadel wurde sein aktives musikalisches Wirken belohnt.

1965 bestand Stoppe in Stuttgart die Jagdprüfung und war seitdem passionierter Jäger. Er hat als Mitglied bei den Schrobenhausener Jagdhornbläsern das Jagdhornblasen erlernt und es da zu besonderen Auszeichnungen gebracht. Auf drei Goldene und eine Silberne Hornfessel kann er stolz sein.

"Das Angeln war immer der ruhende Ausgleich in meinem Leben", so Stoppe. Und ordentlich, wie Günter Stoppe nun einmal ist, gehört er auch als Angler Vereinen an, so seit 1993 "Fischwaid München" und seit 1994 dem Fischereiverein Pfaffenhofen. Dass er seit seiner Ankunft in Gerolsbach Mitglied bei den örtlichen Vereinen ist, braucht fast nicht erwähnt zu werden; Schützenverein "Bavaria", Krieger- und Soldatenverein und FC Gerolsbach. Während seiner Mitgliedschaft bei den "Nassen Brüdern" in den 1970er-Jahren war er maßgeblich am Wohltätigkeits-Fußballspiel zugunsten des Kindergartenneubaus beteiligt. Sein ganzes Leben war Stoppe zudem ein engagierter Sportler. Mit 75 Jahren erwarb er 2000 das Bayerische Sportabzeichen in Gold und mit 80 Jahren zum fünften Mal das Deutsche Sportabzeichen in Gold.

Man kann nur staunen über die körperliche und geistige Vitalität des heute 92-Jährigen. Zu seinem 80. Geburtstag hat er seinen ersten Computer bekommen; seitdem surft und kommuniziert er mit der Welt. Stoppe selbst ist vor allem dankbar: "Ich freue mich, dass es mir vergönnt war, das alles in Gerolsbach leisten und erleben zu dürfen."